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Swissphoto hat Potsdam und Berlin von oben erfasst / Nutzen soll das vor allem Smartphonebesitzern

Brandenburg in 3D: Ganz schön schräg

Andreas Wendt / 04.11.2012, 19:04 Uhr
Schönefeld (MOZ) Aus einer neuen Perspektive werden sich Smartphone-Nutzer schon bald durch die Innenstädte von Potsdam und Berlin navigieren können. Die Schweizer Firma BSF Swissphoto mit Sitz in Schönefeld (Dahme-Spreewald) hat beide Städte erstmals zeitgleich aus mehreren Perspektiven komplett erfasst.

Wer sich als Tourist zu Fuß auf der Suche nach Adressen im Großstadtdschungel verliert, greift heutzutage einfach in die Hosentasche, holt sein Smartphone heraus und lässt sich über GPS ans Ziel führen. Fast perfekt, aber eben nur fast. "Das Navi bietet bislang immer den Blick von oben oder von der Seite aus auf die zu bewältigende Strecke", sagt Albert Wiedemann, Produktionsleiter des Unternehmens BSF Swissphoto.

Um die Orientierung am mobilen Handy weiter zu erleichtern, hat Swissphoto jetzt Potsdam und Berlin erstmals zeitgleich mit modernen Senkrecht- und Schrägbildkameras erfasst - ein Pilotprojekt, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird und das dem neben Fraunhofer auch die Fachhochschule Potsdam wissenschaftlich begleitet.

In den zurückliegenden Wochen ist das schweizerische Unternehmen, das mit der Wende aus der DDR-Fluggesellschaft Interflug hervorgegangen ist, in zum Teil grenzwertigen Höhen über die beiden Großstädte geflogen. Wohnhäuser, Gewerbe- und Industrieanlagen, Straßen und Schienenwege, Wälder, Grünflächen und Gewässer sind sowohl von oben als auch aus allen vier Blickrichtungen aufgenommen worden. Alle Objekte von einer Größe von nur wenigen Zentimetern seien damit erkennbar, erklärt der Vermessungsingenieur. "Die Flugbewilligung in Berlin für eine Höhe von 800 Metern war für uns schon eine Herausforderung", sagt Wiedemann. Alle drei Sekunden lösen die Kameras aus. Fast 17000 Schräg- und 6000 Senkrechtbilder in einer Auflösung von 17 000 mal 14 000 Pixel mit einem Speichervolumen von fünf Terrybyte sind dabei entstanden und müssen nun bis voraussichtlich zum Jahresende ausgewertet werden.

Die Luftbilder sind Wiedemann zufolge nicht nur für die Navigation sinnvoll, sondern werden auch von Unternehmen genutzt. So eignen sich die erfassten Geodaten zur Herstellung von aktuellen Karten, zur Bestandserfassung und Dokumentation von Liegenschaften und Immobilien, für die Bereiche der Stadtplanung und 3D-Visualisierung, für die Vermessung bestehender Straßen oder auch als Planungsgrundlage für neue Schienenwege oder Freileitungs-Trassen.

Im regelmäßigen Abständen gehen die drei zum Unternehmen gehörenden und am Flugplatz Schönhagen (Teltow-Fläming) stationierten Flugzeuge im Auftrag der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB) in die Luft und erfassen das, was sich auf märkischen Boden verändert hat. "Das ist unser Kerngeschäft", sagt Wiedemann. Nach der Pflicht absolviert Swissphoto nun mit dem Projekt der Navigationsunterstützung für Smartphone-Nutzer die Kür. "Die Navigation mit Schrägbildern ist für uns Neuland und für den Nutzer einfach anschaulicher", ist der Projektleiter überzeugt. Nachdem die Schweizer die Vorlage geliefert haben, will Software-Partner "id praxis" daraus ein Geschäftsmodell entwickeln. "Wenn der Kunde sagt: Ich will von A nach B, werden die passenden Orientierungsbilder auf sein Mobiltelefon geladen", erklärt Wiedemann. Natürlich seien die Fotos eine Momentaufnahme - eine Baustelle auf der Straße kann kurze Zeit später genauso wieder verschwunden sein wie die Rüstung an prägnanten Gebäuden, die gerade saniert werden. "Zu einem Bild gehört eben der Aufnahmezeitpunkt", entschuldigt der Projektleiter.

Die Firma Swissphoto gibt es seit 35 Jahren. 60 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, das neben Schönefeld auch in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) und in Regensdorf bei Zürich ansässig ist.

Kommt die Schrägbildnavigation beim Endkunden an, hält es Wiedemann für durchaus möglich, das System auf andere Städte zu übertragen. "Potsdam und Berlin haben wir gewählt, weil es direkt vor unserer Tür liegt und auch für den Bereich Tourismus attraktiv ist", begründet der Ingenieur.

Das von Swissphoto genutzte AOS-System (Aerial Oblieque System) besteht aus drei modular verbauten digitalen Messkameras, die gemeinsam um die vertikale Achse rotieren. Die Erfassung von mehreren markanten Punkten aus jeweils mehreren Richtungen durch breit überlappende Luftbilder erlaubt die Berechnung der relativen Lage sowohl dieser Knotenpunkte als auch der Kamerapositionen. Die Methode erreicht dabei eine Genauigkeit von einigen Zentimetern pro Kilometer.(ndt)

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