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Seit 2007 pflanzen Naturschützer regelmäßig Buchen, Eichen und andere Laubbäume

Waldumbau in Jahresscheiben

Insel aus Laubbäumen: Südlich von Biesenthal wurden am Sonnabend 400 junge Buchen und Eichen im Kiefernbestand gesetzt,
Insel aus Laubbäumen: Südlich von Biesenthal wurden am Sonnabend 400 junge Buchen und Eichen im Kiefernbestand gesetzt, © Foto: U.Winkler
Olav Schröder / 04.11.2012, 19:05 Uhr
Biesenthal (MOZ) 400 junge Bäume haben Naturschützer am Sonnabend in einem Waldstück bei Biesenthal gepflanzt. Die Pflanzung soll dazu beitragen, die für den Standort untypischen Kiefernwälder in Laub-Mischwälder umzuwandeln.

Spaziergängern werden unter den hohen Kiefern in dem Wald südlich von Biesenthal von nun an die einzelne Holzgatter auffallen. Sie umgeben kaum kniehohe Bäumchen, Buchen, Eichen, Hainbuchen und einzelne Bergahorne. Die jungen Pflanzen sollen einmal dazu beitragen, dass dort statt der Monokultur aus Kiefern wieder ein naturnaher Wald entsteht.

"In den ersten Jahren müssen die Bäume vor dem Verbiss durch Wildtiere geschützt werden", erläutert Andreas Krone vom Naturschutzbund. Vor allem im Winter sind sie gefährdet, wenn sie mit ihren Spitzen aus einer geschlossenen Schneedecke herausragen. Werden dann die jungen Triebe abgebissen, wird aus der Buche eher eine verwachsene Kugel als ein stattlicher Baum. Nach ein paar Jahren ist die Gefahr nicht mehr so groß, so Krone. Die übermannshohen Bäume werden zwar auch noch von Wildtieren heimgesucht, doch ihr Wuchs leidet nicht mehr darunter.

Die Pflanzaktion vom Sonnabend ist bereits die fünfte ihrer Art - die rund 40 Teilnehmer konnten somit ein kleines Jubiläum feiern. 2007 ist das erste Mal in einer gemeinschaftlichen Aktion von Naturschutzbund (NABU) und Wikiwoods erstmals eine Pflanzung durchgeführt worden, in diesem Jahr auch gemeinsam mit dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen.

Etliche tausend Bäume sind so in den zurückliegenden Jahren im Bereich zwischen Biesenthal und Lobetal gepflanzt worden. Allein bei Wullwinkel sind es auf einem halben Hektar 3500 Bäume. Die NABU-Stiftung stellt die Flächen für die Anpflanzungen zur Verfügung. Teilweise hat die Stiftung die Flächen, um die sich Schutzgebietsbetreuer kümmern, von der Treuhand erhalten, teilweise wurden sie gezielt für den Naturschutz hinzugekauft. Einige Flächen haben NABU und Landwirte auch getauscht, da die Böden für den Anbau kaum geeignet sind, für eine Aufforstung aber genutzt werden können. Das Institut für Umweltfragen hat für die Aktion in diesem Jahr 300 Euro zur Verfügung gestellt und die Werbung lag in den Händen von Wikiwoods. Die ehrenamtlich betriebene Internetplattform bietet ein Netzwerk für Freiwillige, Experten und Geldgeber an, die sich auf lokaler Ebene für den Klimaschutz durch Waldrandbepflanzungen, Streuobstwiesen oder auch die Umwandlung von Monokulturen engagieren wollen. "Es handelt sich dabei immer um zusätzliche Naturschutzprojekte, die keine Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft gefährden", sagt Nicole Herrenkind von Wikiwoods.

Dass die frisch gepflanzten Buchen und Eichen unter den Kiefern bei Biesenthal ihre Chance erhalten, steht für Andreas Krone fest. Zwischen den einzelnen Nadelbäumen befinden sich bereits jetzt - ohne Nachhilfe der Naturschützer - vereinzelt mehrere Meter hohe junge Laubbäume, junge Kiefern fehlen dagegen. "Das zeigt, dass für diesen Standort die Kiefer der falsche Baum ist", so Krone. "Von Natur aus dürften hier eigentlich nur Laubbäume wachsen."

Um dies zu belegen, wurde auch ein Weise-Gatter errichtet. In diesem überschaubaren Areal wurde nichts gepflanzt. Die Fläche soll sich in den kommenden Jahren ohne jegliche Pflege durch den Menschen entwickeln. Sie dient einzig dazu, die dann wild nachwachsenden Bäume vor dem Verbiss zu schützen.

Bei der Ausbreitung von Eichen auf natürlichem Wege hilft der Mensch auch nach. Vor etwa zwei Wochen haben die Naturschützer mit Kindern Eicheln gesammelt. Sie werden auf einem sogenannten Eichelbrett ausgelegt und der Eichelhäher verteilt sie dann in der Landschaft beziehungsweise im Boden, so dass auch auf diese Weise für Nachwuchs gesorgt würde.

In den Gattern stehen die jungen Pflanzen jetzt noch relativ dicht. So werden sie sich in den ersten Jahren auch gegenseitig Schutz bieten, sagt Nicole Herrenkind. Im Laufe der Zeit wird sich dies ändern, da auch trotz des Schutzes vor dem Verbiss natürlicherweise noch etliche Bäumchen eingehen werden. Auf längere Sicht wiederum werden die dann entstandenen Inseln von Baumgruppen sich ihrerseits aussamen und so für eine allmähliche Ausdehnung des Mischwaldes an diesem Standort sorgen.

Um noch mehr Menschen für die Entwicklung der hiesigen Wälder zu begeistern, bietet der Naturschutzbund Wanderungen und Exkursionen an. Die ersten Schutzgatter, die vor fünf Jahren aufgestellt wurden, werden die Wanderer bald nicht mehr sehen. "Sie haben ihre Funktion fast erfüllt", sagt Andreas Krone. "Die Gebiete entwickeln sich zwar unterschiedlich, aber gut. Die neuen Laubbaum-Inseln bleiben dann sich selbst überlassen.

Kontakt: www.wikiwoods.org; E-Mail: Info@wikiwoods.org; Telefon 0174 6726633

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