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Hohlraum vor Ostgiebel entdeckt

René Wernitz / 07.11.2012, 12:47 Uhr - Aktualisiert 07.11.2012, 14:11
Buckow (MOZ) Es wurde zum Finale ihrer annähernd zehnwöchigen Forschungen in und an der Buckower Wallfahrtskirche. Anna Meise und Carl Altefrohne, beide Studenten der Denkmalpflege an der TU Berlin, begrüßten am Dienstag etwa ein Dutzend Universitätskommilitonen aus dem TU-Institut für angewandte Geotechnologie.

Ein Glücksfall für alle Freunde des Luch-Gotteshauses mit dem Fisch als Wetterfahne. Denn ohne den Spaten ansetzen zu müssen, erkundeten die jungen Leute um Professor Frank Börner mit hochsensiblen High-Tech-Geräten den Untergrund vor dem Ostgiebel der Kirche. Sie kamen einem Hohlraum auf die Spur, bei dem es sich um eine barocke Gruft handeln dürfte, deren Lage bislang unbekannt war.

Außerdem sammelten die Studenten Indizien dafür, dass Fundamentreste eines Vorgängerbaus noch in der Erde sind. Auch seine Lage kann nun bestimmt werden. Anna Meise und Carl Altefrohne können jetzt eine 3D-Animation der vermuteten Ausmaße der "Kleinen Kirche" schaffen. Unter dieser Bezeichnung finde sich der Vorgängerbau in alten Quellen, so die beiden, die seit August beinah täglich die Wallfahrtskirche von oben bis unten unter die Lupe nahmen.

Ihre Arbeit würden sie eher mit der von Sherlock Holmes als mit der eines Indiana Jones vergleichen. Akribisch wie der berühmte Detektiv gingen die Denkmalpflege-Studenten, die bereits Architekturabschlüsse in der Tasche haben, zu Werke - sowohl in Buckow als auch in Archiven in Brandenburg und Berlin. Die "Kleine Kirche" stammte demnach aus dem 12. Jahrhundert, die "Große Kirche", also die heute noch sichtbare, wurde 1344 eingeweiht. Warum die kleine verschwand, blieb ungewiss.

Der Abschlussbericht, der Baudokumentation und -forschung sowie Schadensanalysen enthalten soll, wird die Masterarbeit der Studenten. All das, was in ihr zu lesen sein wird, könnte sich für den Förderverein der Wallfahrtskirche als immens wertvoll erweisen. Nicht nur, dass die Geschichte wissenschaftlich aufgearbeitet wird, die Masterarbeit wird auch die Bedeutung des Baus aufzeigen und erläutern, was für den Erhalt geleistet werden muss. Für die Aquise von Fördermitteln könnte es keine besseren Voraussetzungen geben.

Indes ist die Verquickung von Legende und Geschichte nicht Aufgabe wissenschaftlicher Untersuchung gewesen. Gerade diese würde aber der Wallfahrtskirche jenes Mysterium wieder geben, das sie vor Jahrhunderten zu einem wichtigen Reiseziel in der Mark Brandenburg machte. War es eine päpstliche Bulle, die jedem Wallfahrer nach Buckow sieben Tage Ablass gewährte? War es eine Wunderhostie am Altar, oder war es ein Gesundbrunnen? Was lockte mehr? Im Förderverein gibt man gern Geschichten sehr alter Buckower wider, die unter anderem von einer relativ hohen Zahl Hundertjähriger berichtet hätten, sogar von 115 ist die Rede. Angeblich soll das gute Wasser aus der geweihten Erde das bewirkt haben. Fraglich blieb bisher, wo sich der Gesundbrunnen befunden haben soll. Vermutungen, wonach er das Zentrum der Wallfahrtskirche gebildet haben könnte, fanden keine Bestätigung. Stattdessen rückte nun der nahe Friedhofsbrunnen in den Fokus. Eine angerostete und nicht mehr funktionstüchtige Handpumpe markiert die Stelle. Unter schweren Platten verbirgt sich ein mit Feldsteinen gemauerter Brunnenschacht, entstanden womöglich im Mittelalter. Am Grund sähe es schlammig aus, so Anna Meise und Carl Altefrohne.

Dass Buckow ein besonderes Verhältnis zu Wasser hat, haben sie während ihrer Forschungen erfahren. Der Fisch auf dem Turm der Kirche soll, wie es der Förderverein berichtet, an Buckows Geschichte als Fischerdorf erinnern. Anna Meise macht derweil in ihm ein typisch christliches Symbol aus. Da es sich aber um einen Hecht, also einen Raubfisch handelt, hat man im Verein seine Zweifel. Überdies erzähle man sich im Dorf eine Legende, wonach es einst zu einem verheerenden Hochwasser gekommen sein soll, zu der Zeit als die "Kleine Kirche" noch stand. Als die Fluten zurück gingen, soll ein Hecht auf dem Kirchendach gelegen haben. Tatsächlich war rings um Buckow viel Wasser, weshalb Wallfahrer nur im Boot die Insel erreicht haben. Ein Licht im Turm habe nachts der Orientierung gedient, heißt es. Allerdings konnten die Denkmalpflege-Studenten keine Hinweise auf eine Feuerstelle finden. Was aber nicht bedeutet, dass sie die Leuchtturmfunktion ins Reich der Legende abtun würden.

Inzwischen, so sagen sie, hätten sie die Kirchengeschichte schon oft erzählen müssen. Da an jedem ihrer Forschungstage das Gotteshaus offen stand, wären viele Touristen eingetreten. Die einen seien zielgerichtet erschienen, andere, weil sie im Vorbeifahren auf die für das kleine Buckow völlig überdimensionierte Kirche aufmerksam wurden. Wohl jedem zeigten sie auch die Glückssteine am Fußboden. Auf vielen der Backsteine sind Tatzenabdrücke von Hunden oder Katzen zu sehen. Faszinierende Details einer früheren Wallfahrtskirche, die erst 2009 von der Öffentlichkeit wieder entdeckt wurde und alle Voraussetzungen hat, sich zu einem echten Reiseziel zu entwickeln.

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