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Zweiter Bauabschnitt an Neuzeller Kreuzkirche abgeschlossen / Kartuschen mit Dokumenten im Turmknauf eingelagert

Historische Papiere in 20 Metern Höhe

Maßarbeit: Nachdem der Knauf samt Sockel auf der Turmspitze befestigt wurden, musste das Kreuz darauf manövriert werden. An einem Kran wurde es von oben heruntergelassen. Bis alles an seinem Platz saß, dauerte es rund eineinhalb Stunden.
Maßarbeit: Nachdem der Knauf samt Sockel auf der Turmspitze befestigt wurden, musste das Kreuz darauf manövriert werden. An einem Kran wurde es von oben heruntergelassen. Bis alles an seinem Platz saß, dauerte es rund eineinhalb Stunden. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Lina Hatscher / 10.11.2012, 07:45 Uhr - Aktualisiert 10.11.2012, 20:34
Neuzelle (MOZ) In Kupfer-Kratuschen sicher verwahrt liegen seit Freitag wieder Dokumente im neuen Turmknauf der Evangelischen Heilig Kreuz Kirche. Mit der Wiederbekrönung der Kuppel ist der zweite Bauabschnitt abgeschlossen. Seit 2010 wird die evangelische Kirche restauriert.

Sonnenstrahlen brachen kurzzeitig durch die Wolken und ließen das goldene Kreuz und den Turmknauf am vergangenen Freitag aufleuchten. Zunächst standen die Bauteile des Knaufes aus Kupfer, mit Blattgold verziert, am Boden neben der Heilig Kreuz Kirche. Das mehrere Meter große Kreuz hing am Hacken eines Krahns, der etwa 40 Meter in den Himmel ragte. Wenig später wurden die Bauteile vorsichtig in die luftige Höhe von über 20 Metern gebracht, um auf der frisch sanierten Kuppel der Kirche wieder befestigt zu werden. In dem Hohlraum des Knaufes liegen nun - wie nach alter Tradition - Kartuschen aus Kupfer, die Dokumente zur Kirche, den Bauarbeiten und Neuzelle enthalten. Die historischen Papiere, das älteste stammt aus dem Jahr 1859, wurden restauriert und bis auf zwei auch wieder im Original in die Behälter zurückgesteckt.

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Wiederbekrönung Evangelische Pfarrkirche

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"Mit der Wiederbekrönung der Kuppel ist der zweite Bauabschnitt abgeschlossen", sagte Walter Ederer, Direktor Marketing und Kultur bei der Stiftung Stift Neuzelle, die als Bauherr fungiert. Seit vielen Jahren habe die Stiftung für die Mittel gekämpft. Im Jahr 2015 sollen die Sanierungsarbeiten an dem evangelischen Gotteshaus abgeschlossen sein, erklärte Walter Ederer. Nach den Worten des zuständigen Pfarrers Uwe Weise wurde durch die Sanierung das Gotteshaus vor dem Verfall ins Chaos gerettet. Auch ein Gruß des Gemeindekirchenrates an die Nachgeborenen ist mit in dem Turmknauf eingelagert. "Ich bitte um Gottes Segen zum Gelingen", sagte Uwe Weise.

Vor rund einem Jahr hatten die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt der Kirche begonnen, sagte der zuständige Architekt Michael Albrecht. "Wir mussten die Dachkonstruktion in großem Umfang erneuern." Kopfzerbrechen habe den Planern bereitet, dass die Kuppel samt Aufbau - im Fachjargon Laterne - nicht nach anerkannten Regeln der Baukunst konstruiert war. Denn der Laternenkranz, also die Verbindung von der Kuppel zum Aufbau, musste ausgetauscht werden, erläuterte René Knothe vom Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen. "Dafür musste die rund 2,5 Tonnen schwere Laterne angehoben werden." Das Problem dabei war, dass Holzsparren von der gemauerten Kuppel hoch in den Aufbau ragten, sagte René Knothe. Normalerweise sei dies nicht der Fall.

Eine Sorge der Planer war, dass das kostbare Decken-Fresko in der Kuppel oder andere Teile der Konstruktion beschädigt werden könnten. Doch dank einer Tragrüstung aus Holz und viel Geduld gelang das Unterfangen schließlich. Und so konnte der 700 000  Euro teure Bauabschnitt am Freitagmittag planmäßig beendet werden.

Die gesamte Sanierung der barocken Pfarrkirche, die um 1735 fertiggestellt wurde, ist mit rund 3,55 Millionen Euro veranschlagt. Das erläuterte der Bauverantwortliche der Stiftung, Jan Battmer. Finanziert werde die Maßnahme je zur Hälfte von Bund und Land. Sowohl das Landesamt für Denkmalpflege, als auch der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien halfen bei der Finanzierung. "Im nächsten Abschnitt ist die Sanierung des Dachstuhls vom Langhaus geplant, danach werden die Fassade sowie die zwei vorderen Türme restauriert", erklärte Jan Battmer. Auch dort warten zwei bauchige Turmknäufe darauf, ihren Inhalt zu offenbaren. Nicht nur Pfarrer Uwe Weise ist wieder gespannt, was sich in den kupfernen Behältern verbirgt und zum Vorschein kommt.

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