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Die Rekultivierung des Königlichen Weinbergs trägt erste Früchte

Am Potsdamer Klausberg fließt wieder Wein

Ein Mitarbeiter der Mosaik-Werkstätten transportiert ein Weinfass mit einer Schubkarre vor dem Belvedere auf dem Klausberg in Potsdam
Ein Mitarbeiter der Mosaik-Werkstätten transportiert ein Weinfass mit einer Schubkarre vor dem Belvedere auf dem Klausberg in Potsdam © Foto: dapd/Theo Heimann
dapd / 22.11.2012, 19:30 Uhr
Potsdam (dapd) Es ist der Vorliebe Friedrich des Großen (1712-1786) für frisches Obst zu verdanken, dass vor 250 Jahren auf dem Potsdamer Klausberg Aprikosen, Pfirsiche und köstliche Weintrauben reiften. Nun soll der königliche Garten wieder rekultiviert werden, die Berliner Mosaik-Werkstätten für Behinderte arbeiten schon seit einigen Jahren daran, das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kleinod wieder herzurichten.

Finanziert wird es unter anderem durch Baum-Patenschaften. Die jüngste hat am Donnerstag Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernommen.

1862 ließ der Obstzüchter Alexis Lepère den Garten nördlich von Sanssouci zu einer wahren Frucht-Oase werden. Nach Pariser Vorbild legte er auf einem Teil des Weinberges einen 40 mal 17,5 Meter großen Obstgarten an, der durch drei Mauern gegliedert wurde. Deren exakt berechneter Abstand ermöglichte eine optimale Sonneneinstrahlung und ein günstiges Klima, sodass in dem Garten neben exotischen Früchten auch Kirschen, Birnen und Äpfel gediehen.

Nun stehen in den sogenannten Lepereschen Mauern wieder Obstbäume. "Auf der Südseite Wein, im Osten Pfirsiche, in der Abendsonne Birnen und in der Mitte Äpfel", sagt Wein- und Gartenbauer Oliver Boden. Der 38 Jahre alte Berliner kommt seit sechs Jahren zur Gartenarbeit auf den einst Königlichen Weinberg, zweimal wöchentlich leitet er eine Gruppe der Mosaik-Werkstätte.

Mit der gemeinnützigen Werkstatt, die sich seit ihrer Gründung vor 43 Jahren durch zahlreiche Landschafts- und Gartenbauprojekte profiliert hat, schloss die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im Jahr 2006 einen Pflegevertrag zur Rekultivierung des einst Königlichen Weinbergs. Seitdem sind auf der 3,6 Hektar großen Gartenanlage alte Wege wieder freigelegt sowie 700 Rebstöcke und mehr als 100 Obstbäume gepflanzt worden.

2,8 Millionen Euro kostet die Rekultivierung

Insgesamt 2,8 Millionen Euro kostet die Rekultivierung, wie Stiftungsdirektor Hartmut Dorgerloh sagt. Ein Baustein der Finanzierung seien die Patenschaften für einzelne Bäume. Auch Ministerpräsident Platzeck hat nun eine übernommen - er pflanzte am Donnerstag einen Roten Boskoop.

Den "Löwenanteil" der Kosten verursachen laut Dorgerloh die baulichen Anlagen - insbesondere die Talutmauern. An diesen durch Glasscheiben geschützten Mauern konnten durch bessere Sonnenausnutzung empfindliche Obstsorten schneller reifen. Auch das Heizhaus gehört zu den verfallenen baulichen Relikten. Dort stehen noch immer zwei gusseiserne Heizkessel, die mittlerweile musealen Charakter haben.

Die bauliche Substanz wird zum 250-jährigen Bestehen des Königlichen Weinberges im Jahr 2019 nicht zu sanieren sein. Doch als Schaugärtnerei, Obstgarten und biologischer Weinberg soll die Anlage dann wieder erlebbar sein. Auch ein Hofladen soll dazu gehören, in dem Wein aus eigener Produktion verkauft wird. "In diesem Jahr haben wir aus einem Verschnitt verschiedener Trauben erstmals 200 Flaschen abgefüllt und versteigert", sagt Mosaik-Weinbauer Boden. Im kommenden Jahr soll die Weinlese auf dem Klausberg schon deutlich ertragreicher sein.

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