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Schloss Ribbeck GmbH: Höricke als Geschäftsführer abberufen

Juni 2010: Landrat Burkhard Schröder (r.) berief Friedrich Höricke zum Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH.
Juni 2010: Landrat Burkhard Schröder (r.) berief Friedrich Höricke zum Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH. © Foto: MZV
Patrik Rachner / 22.11.2012, 21:44 Uhr - Aktualisiert 23.11.2012, 15:19
Ribbeck (MZV) Das Gerücht hielt sich zuletzt hartnäckig, nun ist es auch offiziell: Friedrich Höricke ist als Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH mit sofortiger Wirkung von Dr. Burkhard Schröder (SPD) abberufen worden. Das bestätigte der Landrat am Donnerstag auf Anfrage. Als Nachfolger steht der Verwaltungsbeamte Robert Cardeneo bereit.

"Die Beteiligungsverwaltung hat die betriebliche Situation aktuell analysiert - der Wirtschaftsplan wird erheblich verfehlt und die Zahlungsfähigkeit ist erstmals in Frage gestellt. Insofern musste ich handeln", betonte Schröder.

Die Personalentscheidung ist zwar ein Paukenschlag, wenngleich sie nicht ganz überraschend kommt. Denn mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen, die im Verantwortungsbereich der Betreibergesellschaft unter Federführung von Friedrich Höricke liegt, lief zuletzt einiges aus dem Ruder - vor allem finanziell. Das Verhältnis zwischen dem Landkreis als Eigentümer des Schlosses und dem Geschäftsführer ist deshalb zuletzt auf eine harte Probe gestellt worden, auch, weil die Politik mächtig Druck ausgeübt hatte. Diesem ist der Landkreis und am Ende auch Höricke in der Konsequenz nach einer Schonfrist nicht mehr gewachsen gewesen, schließlich wurden Anfang des Jahres erneut Gelder für die Gesellschaft freigeschaufelt. So wurde aus Liquiditätsgründen das Stammkapital von 40.000 auf 100.000 Euro angehoben. Auch ein Kulturzuschuss in Höhe von 40.000 Euro wurde abgesegnet. Zudem konnte die Gesellschaft seitdem auf einen Betriebskostenzuschuss von maximal 140.000 Euro zurückgreifen.

Landrat Burkhard Schröder begründete den Schnitt vor allem mit unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Unternehmensphilosophie. So sei die vorherrschende Überzeugung der Kreisverwaltung, die Betreibergesellschaft müsse mittelfristig verstärkt kostendeckend arbeiten, missachtet worden. Wenngleich Friedrich Höricke laut Angaben von Schröder im Hinblick auf die kulturelle und künstlerische Entwicklung des Hauses durchaus erfolgreich gewesen sei, hätten sich bei der Einhaltung des wirtschaftlich gesetzten Förderrahmens Defizite offenbart. "Es ist nicht leicht, das Richtige zu tun, ohne das andere, ebenfalls Richtige zu lassen", sagte Schröder philosophisch. "Nach einem in jeder Hinsicht vielversprechenden Start im Jahr 2009 wurde schnell klar, dass die Etablierung eines kulturtouristischen Zentrums ohne dauernden Konflikt zwischen notwendigem Qualitätsanspruch und auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteter Betriebsführung kaum möglich sein würde, zumindest für die Dauer der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Gesellschaft. Gewissermaßen ist das Problem in Ribbeck genau anders herum gelagert als im MAFZ Erlebnispark Paaren. Während dort an der Qualität gearbeitet werden muss, ist im Schloss das Ziel, den öffentlich gesetzten Förderrahmen einzuhalten."

Wie Schröder betonte auch Höricke, er war seit Juni 2010 bis dato im Übrigen der vierte Geschäftsführer seit 2006, man sei "nicht im Groll oder Zorn" auseinandergegangen. Der be- und allseits anerkannte Pianist empfindet das Wort "Abberufung" als zu hart, er spricht lieber von einer "im besten Einvernehmen" getroffenen Entscheidung. Höricke hatte seinerseits mit dem Gedanken gespielt selbst zu kündigen. Der Landrat ist ihm zuvor gekommen.

Wie dem auch sei, liegt der Knackpunkt für die Trennung auf der Hand. So verzeichnete die Gesellschaft im Gastronomiegeschäft Umsatzeinbußen in Höhe von 30 Prozent, wie Höricke bestätigte. Der Bereich sei aber von vornherein problematisch gewesen, weil ein Angebot vorgehalten wird, das nicht nachgefragt werde. "Dafür kann ich nichts. Wenn man mich für den Umsatzeinbruch verantwortlich macht, mag das zwar ungerecht sein, liegt aber letztendlich in der Natur der Sache. Ich hätte mir gewünscht, andere Zahlen präsentieren zu können", so Höricke. Und grundsätzlich?: "So wie das Haus aufgestellt und konzipiert ist, kann es nicht funktionieren. Die Geschäftsbereiche sind zu klein. Ribbeck braucht ein Konzept für den ganzen Ort." Den Vorwurf, er hätte sich zu stark auf kulturelle Aspekte konzentriert, will Höricke nicht gelten lassen. Er habe sich stets um alle Geschäftsbereiche gekümmert. "Was aber wirklich schmerzt, ist die Tatsache, dass von heute auf morgen die von mir für das kommende Jahr geplanten kulturellen Veranstaltungen wegbrechen. Es sind weltberühmte Leute, die, wenn sich mich nicht persönliche kennen würden, sonst überhaupt nicht kämen."

Neuer Geschäftsführer wird nun niemand von außen sondern der Verwaltungsbeamte Robert Cardeneo, dem neben seiner Funktion als Justitiar auch die Beteiligungsverwaltung des Landkreises untersteht. Höricke bezeichnete diese Variante als "Schachzug, den ich faktisch nachvollziehen kann". "Es ist praktisch, Geld für einen Geschäftsführer zu sparen." Und Cardeneo? "Vor ziemlich genau sieben Jahren habe ich die konzeptionellen Grundlagen für die Reaktivierung der vom Verfall bedrohten Kreisliegenschaft maßgeblich mitgestaltet. Damals saß ich vor einem leeren Blatt Papier, das bekanntermaßen geduldig ist. Meine Angst, von der Realität eingeholt zu werden, wird jedoch überdeckt von der Dankbarkeit für die Chance, den eigenen Vorstellungen Gestalt geben zu dürfen. Zuallererst werde ich jedoch allem anderen ein striktes Krisenmanagement voranstellen müssen - leider mit allen Konsequenzen", erklärte Cardeneo. Schröder: "Es muss organisatorisch und in Fragen der Konsolidierung alles versucht werden." Mit anderen Worten: Höricke hat der Landrat diese Aufgabe nicht mehr zugetraut.

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leser 27.11.2012 - 23:17:13

was soll das?

ohne eine vision, eine kühne vision, kann so ein haus nicht am leben erhalten werden. dieses haus ernährte sich einst aus dem land. das ist vorbei. was sollen diese selbstverliebten experimente?

Verum 25.11.2012 - 15:46:44

Verantwortlich

ist hier vor allen Anderen der Herr Landrat Schröder. Erst wir eine von Beginn an umstrittene Millioneninvestition in das Schloß getätigt ohne ein vnünftiges Konzept und dann dürfen sich gleich drei Geschäftsführer verwirklichen, was dann wieder eine horrente Summe Steuergelder verschlingt. Gleiches Spiel im MAFZ nur in grün. Und alle Volkvertreter im Kreistag schauen dem Treiben zu, da der Landrat sie in d er ein oder anderen Weise vom Zuckertopf schlecken lässt. Großes Kino im Havelland.

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