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Wolfgang Stäglin (62) engagiert sich seit fast einem halben Jahrhundert im Verein / Ehrung durch Schwedter Interessengemeinschaft

Retter des Vierradener Reitsports

Reitsportler am Volleyballnetz? Na klar - seit rund zwei Jahrzehnten hält sich Wolfgang Stäglin (M.) einmal wöchentlich sozusagen beim Ausgleichssport fit. Die Würdigung durch die IG Sport Schwedt (hier mit dem Vorsitzenden Jörg Anker/l. und Steffen Goß/r
Reitsportler am Volleyballnetz? Na klar - seit rund zwei Jahrzehnten hält sich Wolfgang Stäglin (M.) einmal wöchentlich sozusagen beim Ausgleichssport fit. Die Würdigung durch die IG Sport Schwedt (hier mit dem Vorsitzenden Jörg Anker/l. und Steffen Goß/r © Foto: MOZ
Jörg Matthies / 23.11.2012, 07:31 Uhr
Schwedt (MOZ) Ohne Wolfgang Stäglin, Jahrgang 1950, hätte der VfL Vierraden längst keinen Reitsport mehr. Bis heute selbst zumindest bei Ausritten ins Gelände auf der 22-jährigen Stute "Sympathie" noch aktiv, hat er nie zugelassen, dass der Reitsport im Schwedter Ortsteil ganz aus dem Vereinsregister verschwindet. Zu Recht ist er darauf ziemlich stolz.

Was vielleicht etwas übertrieben klingt, ist tatsächlich so: Fast als Alleinkämpfer hat Wolfgang Stäglin bei den Vierradener Reitern für das Überleben gesorgt: Viele Nach-Wende-Jahre lang hat er für drei Mitglieder alljährlich den Beitrag an den Landessportbund überwiesen - zumindest "passiv" existierte der Verein immer weiter.

Etliche Jahre zurück liegen indes die Blütezeiten des Vierradener Reitvereins, der bis zu 60 Mitglieder zählte. "1956 wurde erstmals eine Sektion über die damalige GST gegründet", erinnert sich der gebürtige Schwedter, der in der damals drittkleinsten Stadt der DDR - in Vierraden - groß geworden ist. Doch der erste Versuch überdauerte nur zwei Jahre. "1964 erfolgte dann aber über den DTSB die Neugründung" - und die war trotz des Gründungsdatums 1. April alles andere als ein Scherz. Wolfgang Stäglin startete selbst für Traktor Vierraden bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften, nahm an Spartakiaden teil. Und als Kassierer und damit Vorstandsmitglied betrat er bald auch die Bühne des ehrenamtlichen Engagements für seinen Verein über das direkte Sporttreiben hinaus. Bald wurde er im Altkreis Angermünde Mitglied im Kreisfachausschuss.

Inzwischen hatte Stäglin bei der Firma Holzmann in Angermünde den Beruf des Schlossers erlernt, arbeitete seit 1969 im PCK, später (bis 1998) bei Mannesmann-Seiffert. Zuletzt war er dann Schweißer-Ausbilder im Angermünder Bildungswerk, ehe er vor zwei Jahren Rentner wurde. Unruheständler, sozusagen.

Auch in seiner geliebten Sportart hinterließ die Wende ihre Spuren. Nun gab es einen "Reitverein Vierraden e.V." - jedoch kaum noch Mitglieder. "Aber ich wollte auf keinen Fall einfach zu einem anderen Reitverein wechseln - da habe ich zu viel an dem gehangen, was wir hier geschaffen haben, um mich nur irgendwo anzuschließen", sagt Stäglin.

Seit etwa vier Jahren geht es bei Vierradens Reitsportlern wieder aufwärts, trägt das "zarte Pflänzchen" so langsam erste Früchte: "Jüngere Reiter, die zwischenzeitlich für andere Vereine gestartet sind, kamen zu uns zurück. Ringo Wollin in Wartin, Robert Bettac und Christopher Riemer in Vierraden sind derart aktive Turnierreiter, dass sie Wolfgang Stäglin an drei Tagen die Woche trainiert und mit ihnen ein Dutzend Wochenenden zwischen Mai und September zu Wettkämpfen unterwegs ist, vielfach im nördlich angrenzenden Mecklenburg-Vorpommern. Die Starts im "Ausland" begründet Stäglin so: "Pasewalk, Woldegk - das ist für uns naheliegender, als uns nach Südbrandenburg auf den Weg zu machen." Übrigens: Aus Stäglins Stute "Sympathie" wurden zwei Fohlen gezogen - auf denen bestreitet sein Schützling Ringo Wollin jetzt erfolgreich Springturniere.

Wolfgang Stäglins sportlicher Wochenplan kennt kaum eine Lücke: Montag Volleyball, Dienstag/Donnerstag Training in Wartin, Mittwoch in Schönow, Freitag Turniervorbereitungen. "Und im wettkampffreien Winter gibt es häufiger Lehrgänge in Potzlow." Inzwischen hat der Vierradener noch eine zusätzliche Liebe auf den Reitplätzen gefunden: "Das Parcoursbauen macht mir Spaß. Mehrfach war ich jetzt schon sozusagen als Assistent zu Springturnieren eingeladen, sogar eine Woche lang zur Sunshine- Tour nach Gera", erzählt er.

Die Interessengemeinschaft Sport hat Wolfgang Stäglin jetzt für sein jahrzehntelanges Engagement geehrt. Schon im vergangenen Jahr hatte der Vierradener die Ehrennadel des Pferdesport-Landesverbandes Berlin/Brandenburg in Bronze erhalten. Dieser zusätzlichen Motivation hätte es indes wohl gar nicht bei Wolfgang Stäglin bedurft. Für den 62-Jährigen ist klar: Viele seiner Freizeitstunden werden auch künftig dem Reitsport im kleinen Verein des Schwedter Ortsteils gehören.

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