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Vortrag von Dieter Halupka über den Naphthalin-Brand von 1970 lockte zahlreiche interessierte Zuhörer an

Als das Teerwerk in Flammen stand

Flammen über dem Teerwerk: Dieses Foto, von der Scharnweberstraße aus aufgenommen, zeigt links das Gebäude des heutigen IRS in der Flakenstraße und dahinter das Kühlhaus, in dem der Brand ausgebrochen war.
Flammen über dem Teerwerk: Dieses Foto, von der Scharnweberstraße aus aufgenommen, zeigt links das Gebäude des heutigen IRS in der Flakenstraße und dahinter das Kühlhaus, in dem der Brand ausgebrochen war. © Foto: honorarfrei
Joachim Eggers / 23.11.2012, 07:45 Uhr
Erkner (MOZ) 120 Menschen wurden evakuiert, Teerpappe-Fetzen flogen wie Ufos umher, die Hitze war enorm: Der schwere Naphthalin-Brand im Teerwerk vom 7. April 1970 hat sich vielen Erkneranern ins Gedächtnis eingebrannt. Dementsprechend reichten die Plätze im Saal nicht aus, als Dieter Halupka vor den Chemie-Freunden Erkner das Geschehen Revue passieren ließ.

Dieter Halupka, der 1962 als Betriebsingenieur im Teerwerk angefangen hatte, war damals auch dabei - unter anderem als Mitglied der Betriebsfeuerwehr, die löschte. Er berichtete nicht nur über den Brand selbst, sondern auch darüber, wie die Stasi ihn bewertete: Sie schob der örtlichen Betriebsleitung die Schuld in die Schuhe, dabei war es dem selbstlosen Einsatz vieler zu verdanken, dass sich die Havarie nicht zur Katastrophe auswuchs.

Der Brandherd, berichtete er, war eine gerade mal ein Quadratmeter große Fläche im Kühlhaus. Ein Lageplan des inzwischen völlig umgestalteten Geländes verriet: Das war ungefähr da, wo heute das Autohaus Mettchen und die Parkplätze davor sind. Um 13.40 Uhr wurde damals der Alarm ausgelöst; sieben Minuten später war die betriebliche Feuerwehr am Brandherd. Um 14.40 Uhr hatte das Feuer seine größte Ausdehnung erreicht, um 17.15 Uhr war es gelöscht. Dabei hatten Feuerwehren von Köpenick bis Fürstenwalde geholfen. Der Qualm war enorm. "Wir haben das Lager gar nicht gesehen, wir wussten nur, wir müssen in diese Richtung spritzen", erinnerte sich Halupka. Das Lager mit Naphthalin, einem der wichtigsten Produkte des Teerwerks, war übervoll - 70 Tonnen, wo es höchstens 45 Tonnen hätten sein sollen. Das war später ein Kritikpunkt der Staatssicherheit, die aber völlig ausblendete, dass die zum Abtransport nötigen Kesselwagen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Das brennende Naphthalin lief in großen Mengen ins Flakenfließ, brannte dort aber kontrolliert ab, sodass die bleibenden Umweltschäden sehr gering waren, wie auch Gerhard Ziebarth bestätigte, nach der Wende Umweltdezernent des Landkreises und seinerzeit ebenfalls Augenzeuge.

Zu einer Katastrophe hätte es leicht kommen können, hätte der Wind anders gestanden und die Flammen dorthin getrieben, wo Sauerstoff in Flaschen gelagert war, so Halupka. "Handwerker schleppten unter Einsatz ihres Lebens Gasflaschen aus dem Lager."

Als Ursache des Brandes wurde ein Kurzschluss an der Not-Aus-Taste eines Plattenförderbandes festgestellt; ein entstehender Lichtbogen soll das Naphthalin entzündet haben. Der Kurzschluss war möglicherweise Spätfolge von Schweißarbeiten. Zu den vielen Ungereimtheiten der Ermittlungen gehört, dass zwar sage und schreibe 468 Personen überprüft wurden. Aber die Personen, die Schweißscheine hatten, konnten angeblich nicht ermittelt werden.

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