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Nach Streichung des Elternwahlrechts: Bürgermeister von Passow bangt um seine Grundschule

Kampf um die Kinder



Die Schule Passow: Eine Halbtags-Grundschule, in welche die Gemeinde schon mehr als zwei Millionen Euro investiert hat. Gerade wird der Sportplatz direkt vor der Schule gebaut, wo früher einmal Autos parkten (hinten links).
Die Schule Passow: Eine Halbtags-Grundschule, in welche die Gemeinde schon mehr als zwei Millionen Euro investiert hat. Gerade wird der Sportplatz direkt vor der Schule gebaut, wo früher einmal Autos parkten (hinten links). © Foto: Stefan Csevi
Cornelia Hendrich / 28.11.2012, 07:18 Uhr
Passow (MOZ) Immer weniger Menschen leben in der Uckermark, immer weniger Arbeitskräfte, Steuerzahler oder auch Kinder. Die Gemeinden kämpfen um ihre Infrastruktur, seien es nun Ärzte oder Schulen - notfalls auch gegeneinander.

Die Gemeinde Passow fürchtet um ihre Grundschule. Bislang konnten Kinder der Nachbargemeinde Zichow auch in Passow zur Schule gehen. Jetzt will Zichow jedoch dieses Schulwahlrecht für ihre Eltern abschaffen.

Das würde bedeuten, drei bis fünf Kinder pro Jahr weniger für die Passower Schule. Um eine Klasse eröffnen zu dürfen, braucht die Schule mindestens 15 Kinder.

"Das wird langfristig sehr schwierig für uns", sagt der Passower Bürgermeister Walter Henke. "Es ärgert mich. Die Gemeinde hat mehr als zwei Millionen Euro seit der Wende in diese Schule gesteckt", so Henke. Umfangreich wurde saniert: die Heizung, der Sanitärbereich, die Fassade und die Sporthalle sind modernisiert. Der Sportplatz genau vor der Schule ist sogar gerade noch mitten im Bau und soll im Frühjahr fertig werden. 50 000 Euro hat allein er gekostet.

Noch kann mit rund 17 Kindern jedes Jahr eine Klasse eröffnet werden. Doch ob das auch ohne die Zichower Kinder so sein wird, ist unklar. Wenn wirklich drei bis fünf Kinder weniger in Passow angemeldet werden, kann die Schule schnell unter die geforderten 15 Kinder rutschen. "Unsere Schule sucht im grenznahen Raum seinesgleichen", sagt stolz Bürgermeister Henke. Bereits in der Kita lernten die Kinder Polnisch, das dann in der Schule fortgesetzt werde. Reitunterricht würde für Schüler der fünften und sechsten Klasse in den Sportunterricht integriert. Diesen Reitunterricht leistet sich die Gemeinde mit jährlich 4000 Euro. "Kita und Schule langfristig zu erhalten, ist für uns ein enorm wichtiger Infrastrukturvorteil", so der Bürgermeister. Eltern und Kindern werde darüber hinaus Fahrerei erspart und die Kinder behielten ihre Freunde aus dem Kindergarten. Zudem sei ein Wettbewerb in diesem Bereich sinnvoll, meint Henke: "Nur über die Steuerung des Wettbewerbs werden für Schulen neue Ideen entwickelt."

Die Gemeinde Zichow und ihr Amt Gramzow schieben die Schuld dem Landkreis zu. Von dort wäre ein Aufforderung gekommen, keine amtsübergreifenden Schulbezirke auszuweisen. Doch das Schulverwaltungsamt beim Landkreis hebt die Hände: "Der Schulbezirk wird einzig von der Gemeinde festgelegt, sie muss klar sagen, wohin ihre Kinder zur Schule gehen sollen", sagt Uwe Falke vom Schulverwaltungsamt. Zichow und das Amt Gramzow hätten sich klar dafür ausgesprochen, die Kinder in ihre Gramzower Schule zu holen. Seit Jahren seien sie schon dafür. Erst nachdem dies öffentlich gemacht wurde, habe das Schulverwaltungsamt dies auch in die Schulentwicklungsplanung genommen.

"Das hat Gramzow richtig gemacht, im Grundschulbereich gibt es eigentlich keine Wahlmöglichkeiten", erklärt Uwe Falke. Somit muss sich der Landkreis den Vorwurf gefallen lassen, für Schulschließungen verantwortlich zu sein. "Nein, die Verantwortung hat der Schulträger, in diesem Falle die Gemeinde Passow", wehrt sich Falke. "Wer sagt denn, dass die Schule schließt? Wenn keine 15 Schüler zusammenkommen, gibt es auch so etwas wie jahrgangsübergreifenden Unterricht."

Das dürfte viele Eltern nicht begeistern. Es kann aber noch Jahre dauern, bis die Regelung in Kraft ist. Zichower Eltern können zudem beim Staatlichen Schulamt in Eberswalde einen Antrag auf eine "abweichende Beschulungsform" in Passow stellen.

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