Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Besitzer will Schloss loswerden

Iris Stoff / 06.12.2012, 19:45 Uhr
Kossenblatt (MOZ) Die Schloss Kossenblatt GmbH hat beim Landgericht Frankfurt (Oder) Klage auf Rückabwicklung des Kaufvertrages seitens des Käufers eingereicht. Das bestätigt die Geschäftsführerin Angela Schulenberg gegenüber der Märkischen Oderzeitung.

"Das Gesetz sieht bei der Nichteinhaltung von im Kaufvertrag festgelegten Vereinbarungen die Rückabwicklung seitens des Verkäufers vor", betont sie. Konkret geht es um das Wegerecht zum Schloss. Am 17. Februar 2011 hatte die Gemeinde Tauche das Schloss in ihrem Ortsteil Kossenblatt an die Immobilien Besitz und Verwaltung GmbH Schloss Kossenblatt verkauft. "Im Kaufvertrag wurde festgelegt, dass eine öffentliche Zuwegung zum Schloss gesichert wird, entweder über den vorgelagerten Gutshof oder von der Hauptstraße aus via Brücke über den Spreearm bis hin zum Haupteingang des Schlosses." Nichts sei passiert, ärgert sich Angela Schulenberg. Das sei eine Frechheit seitens der Gemeinde, weil damit alles blockiert werde. Mehrere Interessenten seien unter anderem auch aus diesem Grunde abgesprungen. Es sei schade um dieses geschichtsträchtige, denkmalgeschützte Gebäude in so einer traumhaften Landschaft. Nun, so die Geschäftsführerin, warte sie ab, was das Gericht entscheide.

Die Gemeinde Tauche hat ebenfalls einen Anwalt beauftragt, ihre Interessen zu wahren. "Wir sehen den Dingen ganz gelassen entgegen", sagt Bürgermeister Gerd Mai. Er räumt aus heutiger Sicht allerdings Versäumnisse der damaligen Gemeinde Kossenblatt ein. Nach der Wende hatte ein Westberliner Unternehmer im Schloss Kossenblatt das Microfilmcenter Kossenblatt gegründet und einen Teil der Mitarbeiter der abgewickelten Zentralstelle für Reprographie des Staatlichen Filmarchivs der DDR übernommen, das sich seit 1963 im Schloss befunden hatte. Dieser Unternehmer erwarb zugleich die dem Schloss vorgelagerte Gutsanlage, über die die Zufahrt zum Schlossgelände verläuft. Er bekam mit dem Kaufvertrag die Auflage, hier innerhalb einer bestimmten Frist eine öffentliche Zuwegung im Grundbuch eintragen zu lassen, heißt es. Das ist allerdings bis heute nicht geschehen. "Das hätte eigentlich von der Treuhand kontrolliert werden müssen", findet Bürgermeister Gerd Mai. Doch auch die Gemeinde habe den Vollzug nicht überprüft. "Es war uns seinerzeit auch nicht so wichtig, denn im Schloss befand sich ja der Betrieb des Berliner Unternehmers und es gab keine Probleme", blickt Gerd Mai zurück. Die Gemeinde, die das Schloss von der Treuhand im Interesse der Arbeitsplätze gekauft hatte, vermietete die Räume an das Microfilmcenter, dessen Betreiber ja auch der Besitzer des Gutshofes war.

Alles lief gut, bis das Microfilmcenter im August 2004 Insolvenz anmelden musste. An gleicher Stelle siedelte sich zwischenzeitlich eine neue Mikrofilmfirma an. Doch der Gemeinde gelang es nicht mehr, alle Räume im großen Schloss zu vermieten, sie blieb auf hohen Betriebskosten sitzen. Deshalb wurde das Schloss zum Verkauf ausgeschrieben. Das Konzept des jetzigen Besitzers sah ursprünglich vor, in dem Schlossgebäude eine Europäische Bildungseinrichtung für Akademikertransfer einzurichten. Mit dem Ziel, dort erfahrene ausländische Landärzte für einen Einsatz in Brandenburg zu schulen. Doch dieser Plan konnte nicht umgesetzt werden. Andere mögliche Nutzungen scheiterten unter anderem daran, dass die öffentliche Zuwegung nicht gesichert sei, betont Geschäftsführerin Angela Schulenberg. Wer Fragen oder Hinweise in Sachen Schloss Kossenblatt habe, könne sich mit ihr gern unter angela.schulenberg@t-online.de in Verbindung setzen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG