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Erster öffentlicher Nahverkehr nach Polen

Frauke Adesiyan / 09.12.2012, 19:03 Uhr - Aktualisiert 17.10.2013, 11:00
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Frankfurter Buslinie 983 ist der erste grenzüberschreitende öffentliche Nahverkehr zwischen Deutschland und Polen. Während bisherige Buslinien ausschließlich privaten Charakters sind, wurde der Start des ersten kommunalen Grenzbusses mit politischer Prominenz und dem Kabarettisten Steffen Möller am Sonntag gefeiert.

Es war ein ungewöhnliches Bild, wie die Prominenz von Frankfurt und Slubice, ein Landesminister, ein Wojewode und der Botschafter Polens am Sonntagvormittag eng gedrängt im Linienbus saßen und standen. "Bauch an Bauch" wie Steffen Möller per Bordmikrofon kommentierte. Der Kabarettist mit eingehenden Polen-Erfahrungen moderierte die Premierenfahrt, die pünktlich 11 Uhr vom Europaplatz in Frankfurt zum Heldenplatz in Slubice begann.

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Buslinie - Frankfurt - Slubice

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Während die Passagiere der ersten Busse, die nach der Jungfernfahrt stündlich zwischen den zwei Städten fuhren, immer wieder spontan applaudierten, herrschte beim Fahrer Carsten Thiele feierliche Konzentration. Als einer von sechs speziell geschulten Busfahrern wird er künftig immer wieder Busse über die Grenze steuern. Einen kleinen Sprachkurs hat er genauso hinter sich wie eine Unterweisung von der polnischen Polizei, schließlich herrschen jenseits der Brücke auch andere Verkehrsregeln. "Für mich ist das rein positiv", kommentierte er seine neue Route. "Wir sind Europa und wachsen zusammen, das sollte man auch im Nahverkehr sehen."

Die Frankfurter Buslinie 983 ist der erste grenzüberschreitende öffentliche Nahverkehr zwischen Deutschland und Polen. Am Sonntag wurde der Start des Grenzbusses mit politischer Prominenz gefeiert.
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Buslinie Frankfurt - Slubice

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Damit sprach der Busfahrer weit entfernt vom Rednerpult aus, was die Polit-Prominenz kurz nach ihrer Ankunft am Plac Bohaterów (Heldenplatz) ein ums andere Mal wiederholte. "Wir rücken näher aneinander heran, das ist wichtig", betonte Oberbürgermeister Martin Wilke und warb mit der neuen schnellen Verbindung "vom Platz der Helden zum Alexanderplatz".

Wilke betonte, dass die Busverbindung erst nach vielen Jahren der Diskussion und nur mit der Unterstützung vieler realisiert werden konnte. Nicht zuletzt tragen Studenten zu dem Grenzverkehr mit einer erhöhten Semestergebühr bei. Und so stieg auch eine größere Gruppe von ihnen bei der ersten regulären Fahrt vom Frankfurter Bahnhof am Mittag ein. Nicht ohne mit ihrem Transparent "Hier soll ein Bus fahren" auf sich aufmerksam zu machen. Jährlich bezahlen sie künftig im Rahmen ihre Semestergebühr rund 45 000 Euro für die neue Verbindung, worüber ebenfalls lange diskutiert worden war.

Von einer großen praktischen Bedeutung der Linie 983 für die Bürger beider Städte sprach der polnische Botschafter Andrzej Szynka. "Sie haben das nächste Kapitel Ihrer gemeinsamen Geschichte aufgeschlagen", lobte er den Einsatz beider Städte.  Den Stolz über die Vorreiterrolle, die Frankfurt und Slubice mit dem ersten öffentlichen Nahverkehr über die deutsch-polnische Grenze einnehmen, brachte Slubices Bürgermeister Tomasz Ciszewicz mit den Worten auf den Punkt: "Ich möchte, dass man auf uns neidisch ist und sich ein Beispiel nimmt."

Doch auch wenn die Buslinie ein "großes Ereignis für die Doppelstadt" ist, wie Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger versicherte, erinnerte ein mehrmals entrolltes Plakat der Initiative Pro Tram daran, dass es sich für einige um einen Zwischenschritt handelt. Der Grünen-Stadtverordnete Jörg Gleisenstein betonte: "Wir haben eine Doppelstrategie. Daran muss man immer wieder erinnern." Das Ziel der Bürgerinitiative bleibe eine Straßenbahn, wie sie einst ab 1898 über die Oder rollte.

Die Linie 983 fährt stündlich zwischen Bahnhof und Plac Bohaterów. Zwischen fünf und acht Uhr gibt es halbstündliche Verbindungen. Der letzte Bus fährt täglich 21.35 Uhr vom Bahnhof und 22.11 Uhr von Slubice los. Tickets für 1,40 Euro gibt es im Bus.

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D. Sch. 13.12.2012 - 13:26:34

Auch in Schwedt

werden die grenzüberschreitenden Linien 470 und 492 im öffentlchen Auftrag gefahren! Es gilt der VBB-Tarif und der würde ja kaum gelten, wenn diese Linien privat betrieben werden! Das einzige was an der Sache privat ist, einige Fahrten der Linie 492 werden von Subunternehmen gefahren im Auftrag der UVG, aber nicht alle!

Dagmar Burger 13.12.2012 - 10:49:13

SVF ist eine GmbH

Die Spitzfindigkeit, mit der hier die MOZ-Redakteurin zwischen "öffentlicher" und "privater" Nahverkehrslinie unterscheidet, überschreitet die Grenze zur Peinlichkeit. Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft ist eine GmbH. Die Definition für GmbH lautet "Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (abgekürzt GmbH) ist nach deutschem Recht eine juristische Person des Privatrechts" (Definitionsquelle: Wikipedia). Damit ist auch die Frankfurter Verkehrsgesellschaft eine Person des Privat-Rechts und damit hat die grenzüberschreitende Buslinie zwischen Frankfurt und Slubice ebenfalls jenen "privaten Charakter", auf den die MOZ hier abhebt, um ihre peinliche Propaganda zu bemänteln! In Görlitz fuhr jahrelang eine Buslinie der Görlitzer Verkehrsgesellschaft, bis man feststellte, dass der betriebswirtschaftliche Verlust dieser Linie enorm war - deshalb beauftragte die Görlitzer Verkehrsgesellschaft eine private polnische Busfirma aus dem polnischen Zgorzelec mit der Durchführung dieser grenzüberschreitenden öffentlichen Buslinie. Diese Information meldete übrigens die MOZ in der heißen Diskussionsperiode 2005/2006 in einem Artikel! Auch in Görlitz fährt die grenzüberschreitende Buslinie im öffentlichen Auftrag! Die Verluste dieser grenzüberschreitenden Buslinie werden von der Görlitzer Verkehrsgesellschaft seit den 1990er Jahren aufgefangen, so wie jetzt in Frankfurt seit dem 9. Dezember 2013!

MOZ-Redaktion 12.12.2012 - 13:25:56

Danke für die Hinweise

Liebe LeserInnen, bei der Frankfurter Buslinie 983 handelt es sich um die erste grenzüberschreitende öffentliche Nahverkehrslinie zwischen Deutschland und Polen. Bisherige Buslinien, wie jene in Schwedt und Görlitz, hatten ausschließlich privaten Charakter. Die Berichterstattung war daher korrekt, dennoch haben wir den Beitrag in dieser Hinsicht präzisiert.

Bölicke 11.12.2012 - 13:02:29

begeisterter Busfahrer

Es ist schon ziemlich scheinheilig, hier zu bedauern, die Buslinie würde durch die Kommentatoren zur politischen Diskussion missbraucht werden, nachdem Politiker aller couleur sie zum riesigen aufgeblähten Politikum gemacht haben. Gleich vorweg, ich bin froh, dass es die Linie jetzt endlich gibt und ich wüsche ihr jede Menge eifrige Nutzer von beiden Seiten der Grenze. Aber ansonsten sollten wir die Kirche mal im Dorf lassen. Es ist gelungen, eine Buslinie zu installieren, nicht mehr und nicht weniger - etwas, was andere Grenzstädte schon Jahre vor uns zu Wege gebracht haben. Das ist hier jedem Bürger klar, trotz der Desinformation durch unseren lokalen Qualitätsjournalismus. Und es ist wahrscheinlich auch vielen Leuten klar, dass sich unsere Entscheider mit dem gesamten Prozess eher ein absoutes Armutszeugnis ausgestellt haben. Ich jedenfalls sehe keinen Grund stolz zu sein, dass man nach jahrelanger Diskussion endlich einen Bus über die Brücke fahren lässt. Und dass es immer noch parteipolitisch unterstütztes Sperrfeuer für die durch die Bürgerschaft abgelehnte Straßenbahn gibt, zeigt nur, dass sich unsere Politiker einen Dreck um Wählerwillen kümmern, massive wirtschaftliche Interessen unsere Entscheidungen beeinflussen und die Verantwortlichen immer noch bereit sind, bedenkenlos Geld auszugeben, das wir nicht haben. Hat wirklich irgendwer was anderes von FFO erwartet?

Jens-Peter Kugler 11.12.2012 - 11:55:35

Zeit für reelle Fakten

Nun, da endlich, na jahrelanger, fruchtloser Diskussion, eine grenzüberschreitende Buslinie zwischen Frankfurt und Slubice eingerichtet wurde, wäre es an der Zeit, endlich auch reelle Zahlen für die Fahrgastströme zu erheben. Die bisherigen "Gutachten" zu Sinn oder Unsinn einer grenzüberschreitenden Straßenbahnlinie hatten alle einen entscheidenden Nachteil: Niemand kannte belastbare Zahlen zum Passagieraufkommen im grenzüberschreitenden ÖPNV zwischen beiden Städten. Stattdessen sogen sich die Gutachter Zahlen aus den Fingern (das erste "Gutachten" war ja noch im Internet zu lesen, die späteren 2 dagegen nicht mehr (oder ich habe sie nicht gefunden)). Nunmehr sollten schleunigst die tatsächlichen Zahlen dazu erhoben werden, um damit die vorhandenen Gutachten zu füttern und daraus neue, verantwortungsvolle Schlüsse pro oder eben auch contra Staßenbahn auf Basis konkreter Fakten zu ziehen. Ich könnte mir vorstellen, dass man dazu einen Forschungsauftrag an Studenten der Viadrina und polnischen Uni vergibt, bei dem dann mit einem/zwei Studenten in jedem Bus Zu- und Abgänge an jeder Haltestelle registriert werden, sodass sich dann über eine längere Beobachtungszeit ein statistisches "Passagiergebirge" ergibt, anhand dessen man die Sinnhaftigkeit der Einrichtung einer Straßenbahnlinie und deren Unterhaltungskosten konkret abschätzen kann.

B. Schimker 10.12.2012 - 19:11:18

Geschmacklos !

Es ist schon recht geschmacklos, was hier teilweise an negativen Bewertungen zur ersten grenzüberschreitenden Buslinie nach dem zweiten Weltkrieg über die Frankfurter Oderbrücke zur Partnerstadt Slubice , geschrieben wird. Es gab zwar für das Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) den An-und Abtransport polnischer Arbeitnehmer zu den Schichten, aber mehr auch nicht. Leider musste die Bevölkerung auf beiden Seiten der Oder viele Jahre warten, bis es trotz sogenannter "Friedensgrenze", wieder einen normalen Personenverkehr zu Fuß, mit dem Auto, dem Zug, dem Flugzeug und nun auch mit einem Linienbus gibt. Frankfurt (Oder) und Slubice haben sich damit gut eingereiht in die schon bestehenden Verkehrsverbindungen von Görlitz und Schwedt an der Oder. Jeder Buskilometer der zurückgelegt wird, normalisiert die Beziehungen zwischen den beiden Völkern an der Oder immer mehr. Es werden und müssen noch einige Jahre vergehen, bis die jetzt junge Generation das aktuelle Geschehen als normal ansieht und alte Wunden und aktuelle unpassende Bemerkungen der Vergangenheit angehören. Auch wenn die Eröffnung von einem Kabarettisten moderiert wurde, hat dieser Kabarettist bewiesen, dass man mit Intelligenz und Witz in beiden Ländern leben kann.

K 10.12.2012 - 16:24:26

Immer nur meckern...

Und wieder wird das alles hier eine politische Diskussion... Also ich freue mich, dass es endlich mal geklappt hat mit einer Buslinie in unserer Region! Ach und mit dem Fahrplan, das ist alles noch änderbar - also kein Grund hier den Teufel an die Wand zu malen. Einfach die Stadtverkehrsgesellschaft diesbezüglich in Kenntnis setzen und die Wahrscheinlichkeit einer Fahrzeitenverschiebung steigt! :)

DaW 10.12.2012 - 15:35:01

@ Fran

Haben Sie mal überlegt, sich wegen Ihrer Paranoia gegen die angeblich überall vorhandene rotgrüne Propaganda in Behandlung begeben zu lassen? Nicht jeder Fehler ist eine bewusste Irreführung. Womöglich sind sogar einige derer, die den Fehler berichtigt haben, Teil des "rotgrünen Mobs" oder dessen "Trittbrettfahrer"?

D. Sch. 10.12.2012 - 12:23:05

@KDK

Falsch! Von Schwedt fahren zwei Buslinien nach Polen! Die 470 nach Stettin, allerdings nur am 1. Samstag im Monat und die 492 nach Krajnik Dolny!

Tramgegner 10.12.2012 - 10:43:01

Görlitz/Zgorzelec lacht über Frankfurt/Slubice

Wer mehr Informationen über längst existierende grenzüberschreitende Buslinien wissen möchte, findet im Internet u.a. auch diese Seite vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) aus Görlitz: http://www.zvon.de/de/Fahrplanseiten-grenzueberschreitende-Buslinien/

KDK 10.12.2012 - 10:20:19

2 falschmeldung

in schwedt fährt auch ein bus nach polen rüber und das schon seid jahren. oder zählt das nicht? naja frankfurt lebe hoch :)

DaW 10.12.2012 - 10:10:16

Erster ÖPNV nach Polen?

Zwischen Görlitz und Zgorzelec fährt schon seit Jahren die Buslinie P. Auch in Schwedt fahren ab und an Busse über die Grenze. Allerdings ist Frankfurt zumindest die erste Stadt, die die grenzüberschreitende Buslinie in den regionalen Verkehrsverbund mit einbezieht und daher keine eigenen Fahrkarten für den Grenzübertritt verlangt. Das ist in der Tat positiv, auch wenn weiterhin nicht verständlich ist, wieso der Bus kurz nach Beginn der Vorlesungen an der Viadrina ankommt und kurz vor ihrem Ende abfährt. Und öffentlichen Verkehr (ohne Nah-) gibt es doch seit eh und je zwischen Deutschland und Polen - und Form von Zügen.

Gerd Cantian 10.12.2012 - 09:37:27

Falschmeldung

1. Der Satz im Artikel: "Die Frankfurter Buslinie 983 ist der erste grenzüberschreitende öffentliche Nahverkehr zwischen Deutschland und Polen." ist falsch = in Görlitz fährt bereits seit den 1990er Jahren eine regelmäiße Buslinie über die Neiße und pendelt somit zwischen Deutschland und Polen! 2. Nicht nur eine Frankfurter Bürgermehrheit lehnt eine grenzüberschreitende Straßenbahn ab, sondern auch eine Bürgermehrheit in Slubice! Sowohl die Slubicer Bürgermehrheit als auch eine Mehrhheit der Slubicer Stadtpolitiker lehnen eine grenzüberschreitende Straßenbahn ab - das ist die Wahrheit!

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