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Regionalversammlung Uckermark-Barnim kippt eigenen Beschluss und einigt sich auf Kompromiss

800 Meter Tabuzone für Windkraft

Leben mit der Windkraft: Die riesigen Anlagen haben sich in den vergangenen Jahren überall in der Uckermark ausgebreitet. Hier eine Ansicht von Pinnow. Wegen der wachsenden Höhe verlangen Bürgermeister aus dem Barnim größere Mindestabstände zu Wohngebiete
Leben mit der Windkraft: Die riesigen Anlagen haben sich in den vergangenen Jahren überall in der Uckermark ausgebreitet. Hier eine Ansicht von Pinnow. Wegen der wachsenden Höhe verlangen Bürgermeister aus dem Barnim größere Mindestabstände zu Wohngebiete © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 11.12.2012, 21:00 Uhr
Schwedt (os) Eine strikte 1000-Meter-Tabu-Zone für Windkraftanlagen um Wohngebiete haben zehn Bürgermeister aus dem Barnim gefordert. Vor der Regionalversammlung am Montag in Schwedt hatten sie damit keinen Erfolg. Jetzt sollen 800 Meter Tabu- und 200 Meter Restriktionsfläche gelten.

Die Bürgermeister von Wandlitz, Ahrensfelde, Schorfheide, Panketal, Bernau, Eberswalde, Werneuchen und die Amtsdirektoren von Biesenthal, Britz-Chorin-Oderberg und Joachimsthal verlangen einen vorsorglichen Immissionsschutz im neuen Windplan für die Landkreise Uckermark und Barnim. Sie beziehen sich auf eine Empfehlung der Landesregierung von 1000 Metern, "um die Bevölkerung bestmöglich vor Lärmemissionen zu schützen und die von vielen Bürgern empfundene optische Bedrängungswirkung zu minimieren", heißt es in einem gemeinsamen Antrag an die Regionalversammlung Uckermark-Barnim.

Eigentlich hatte das Gremium, das über die Windplanung entscheidet, einen solchen Beschluss längst gefasst. Doch dann stellte man fest, dass bereits jetzt 274 Anlagen innerhalb der 1000-Meter-Zone stehen. Würde also künftig ein genereller Tabu-Bereich gelten, entfielen vermutlich bis zu 40 Prozent der ausgewiesenen Windflächen. Damit würde die Energiestrategie des Landes Brandenburg nicht aufgehen, warnt Regionalrat Hans-Otto Gerlach (CDU). Außerdem würden die Gemeinden nicht selbst frei entscheiden können, ob sie im Rahmen zwischen 800 und 1000 Metern nicht doch Windräder zulassen. Denn vorhandene Windräder haben Bestandsschutz. Der Planungsausschuss der Regionalversammlung formulierte daraufhin einen Kompromissvorschlag: 800 Meter Tabuzone und 200 Meter Restriktionsfläche. Das bedeutet, dass innerhalb der 1000-Meter-Zone keine neuen Strommühlen entstehen dürfen. Vorhandene Anlagen können aber erneuert oder vergrößert werden.

Doch auch damit sind die zehn Barnimer Bürgermeister und Amtsdirektoren nicht einverstanden. So würden Bürger, "die bereits jetzt von dem geringeren Schutzabstand von 800 Metern betroffen sind, durch die mögliche Ersetzung von vorhandenen Anlagen durch deutlich höhere und größere Anlagen zusätzlich belastet", so ihre Argumentation. Unterstützung erhalten sie von Regionalrat Jens Koeppen (CDU), der aus Protest seinen Vorsitz im Planungsausschuss niedergelegt hat. "Beschlüsse müssen erklärbar sein", so seine Kritik. Die Bürger würden jedoch viele Dinge nicht mehr verstehen und die Umkehr des Beschlusses als Willkür betrachten.

Auf unterschiedliche Prioritäten bei der Betrachtung der Windkraft zwischen Barnim und Uckermark macht der Bernauer Bürgermeister Hubert Handke (CDU) aufmerksam. Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete würden Windkraftvorgaben in die Planungshoheit der Stadt eingreifen.

"Es geht aber nicht darum, neue Windkraftanlagen unter 1000 Meter aufzustellen", beteuert Frank Bretsch (SPD), neu gewählter Vorsitzender des Planungsausschusses. Mit großer Mehrheit stimmte die Regionalversammlung für seinen Kompromissvorschlag, neben der Tabuzone von 800 Metern einen Restriktionsbereich von 200 Metern einzurichten.

Zahlreiche Bürgerinitiativen nutzten die Einwohnerfragestunde, um erneut ihre Sorgen und Proteste zu äußern. Getötete Tiere und fehlende Steuereinnahmen kritisiert Hans-Jürgen Klemm von der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald". Von einer Möglichkeit, einen Teil der Energieproduktion durch neue Bürgeranlagen zu vergesellschaften, spricht Pfarrer Justus Werdin aus Greiffenberg. Und Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative Crussow: "Wie finden wir Frieden neben großindustriellen Anlagen?"

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Till 14.12.2012 - 13:23:53

Viel "Kohle" im Spiel...

Unbelehrbare Sturheit und viel "Kohle", dass sind die Quellen großer Begierde bei dem Windwahn im Land... Wollte man die Bevölkerung wirklich schützen, währen 3.000m Abstand das unterste Maß dessen, ab dem man von beginnender Verträglichkeit bei der Entfernung zu Windkraftanlagen sprechen darf. Wollte man die Bevölkerung finanziell nicht schröpfen und sich nicht einige auf Kosten der Mehrheit bereichern, so wie es mit dem EEG-Umlagen sanktioniert ist, dann würde man sich um bezahlbare Alternativen und um den Vorrang von Einsparung vor Verschwendung intensivst kümmern und nicht sinnlos an einander vorbei planen und bauen, angetrieben von einigen Landesfürsten - wie leider unserem Leitsternsüchtigen SPD-Chef Platzeck. Wollte man "nur" Energiesicherheit ohne Atomindustrie für uns alle herstellen, dann sollte man die 3.000m unter uns schlummernde, für annähernd 100.000 Jahre ergiebige Quelle der Tiefengeothermie in Kombination mit der Oberflächengeothermie, die zudem beide Grundlastfähig sind, wo man die Kraft- / Wärmekopplung auch noch zu Heizzwecken nutzen könnte, endlich aufbauen, anstatt unsere Naturlandschaften immer mehr zu zerstören! Aber will man den auch wirklich etwas für uns tun? Das ist die wahre Frage und ich glaube, hier wird gelogen, dass sich die Balken biegen und die Geldbeutel bei einigen die Hose schon zu Boden zieht?

schwe0815 13.12.2012 - 08:49:11

All das ist Ausdruck...

unserer ostdeutschen Spezialdemokratie. Mit "Sozial-" hat das alles nicht mehr zu tun!

Strausberger Bürger 13.12.2012 - 02:52:33

Auch interessant und zum Thema:

http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/strausberg/artikel8/dg/0/1/1065357/

Strausberger Bürger 13.12.2012 - 01:40:08

Der Kommentar "Wahltag ist Zahltag",

nachzulesen wie folgt, stand auch schonmal an dieser Stelle, leider nun nicht mehr. Deshalb hier der Link zu selbigen: http://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1070359/ Ich denke, man hätte ihn hier auch belassen können/MÜSSEN. Mancher findet, den selben Kommentar zu zwei verschiedenen Artikeln in der MOZ passend. Wer gibt der MOZ das Recht ihn zu entfernen!?

Klaus 12.12.2012 - 18:12:22

wer fragt wo das Geld hingeht, was dort verdient wird?

keine Windmühle für Ortsfremde in der Uckermark Regionalmarke heißt auch regional ansässige Unternehmen ansonsten Finger weg und Veräußerungstop. Es ist verdammt nochmal zum kotzen unser Landschaft mit diesen Spargelstangen zu verunstalten, gleichzeitig Unmenge an Steuerlast den Bürgern aufzuzwingen durch diese Scheißplanung, die selbst nicht mal ein nutzen von diesen entsetzlichen Anlagen haben. Nicht 1000 m Abstand sondern 3000 m wäre der Maßstab. Sollen die Investitionen aus Bayern doch in Ihrem bayerischen Landschaft, also vor ihrer Haustür hinstellen oben auf den Bergen weht immer guter Wind, auf jeden Berg eine Windmühle in Bayern. die Uckermark braucht keine Windmühlen mehr, sie produziert mehr Energie für Deutschland als sie jemals in 100 Jahren abnehmen könnte.

R.Ebeling 12.12.2012 - 09:50:16

- Haben die Antragsteller schon einmal 800m vor so einem Windfeld gestanden??

Die Entscheidung der Regionalversammlung geht an den Bürgern vorbei. Es wurde viel Gedroht mit dem Begriff „Verhinderungsplanung“ aber es wurde zu wenig auf die Gesundheit der Menschen eingegangen. Nach Definition der WHO hat Gesundheit auch etwas mit Wohlbefinden zu tun. Genau dieses Wohlbefinden wird durch die Riesenhaftigkeit und Nähe der geplanten Anlagen gestört. Die Bürger reagieren mit Beklemmungen, Unbehagen und dem Gefühl der Hilflosigkeit. Zu Hause verbinden wir mit Entspannung, Frieden und Ruhe. Wie finden wir Ruhe neben großindustriellen Anlagen. Herr Koeppen hat darauf hingewiesen: Bestandsschutz wird nicht durch veränderte Abstandsregeln gefährdet. Man hätte die 1000m als Tabu-Kriterium also ruhig lassen können, zumal in anderen Länder ganz andere Abstandsregeln gelten. (z.B.Altmark 1500m,England 3000m)

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