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Bundespräsident besucht Bad Belzig

Der Bundespräsident im Gespräch mit den Bewohnern des Übergangswohnheimes in Bad Belzig. Er nahm sich Zeit, informierte sich über die Lebensgeschichten und Zukunftswünsche.
Der Bundespräsident im Gespräch mit den Bewohnern des Übergangswohnheimes in Bad Belzig. Er nahm sich Zeit, informierte sich über die Lebensgeschichten und Zukunftswünsche. © Foto: MZV
Juliane Keiner / 14.12.2012, 09:40 Uhr - Aktualisiert 14.12.2012, 10:35
Bad Belzig (MZV) Dem Übergangswohnheim, in dem derzeit 135 Personen aus 26 Nationen eine Unterkunft gefunden haben, stattete Bundespräsident Joachim Gauck einen Besuch ab.

Sie kommen aus Kenia, aus Afghanistan, aus Kamerun, dem Irak, Syrien und weiteren krisengebeutelten Ländern, sind oft Opfer von Gewalt und Verfolgung, suchen in Deutschland eine neue, eine sichere Heimat. Die Flüchtlinge werden nach der Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt nach einem festgelegten Schlüssel in Kommunen untergebracht, wie zum Beispiel im Übergangswohnheim Bad Belzig.

Ein Haupthaus und einzelne Wohneinheiten sind auf dem Gelände zu finden. „Die Aufenthaltsdauer ist unterschiedlich, einige leben hier nur wenige Monate, andere bereits seit zehn Jahren“, sagt Sozialarbeiterin Elvira Müller. Der Alltag gestaltete sich friedlich, trotz der Vielfältigkeit der Bewohner. Und dennoch brodelt es bei einigen Bewohnern. So hat der Inder Singh Happy den Rundgang des Bundespräsidenten zum Anlass genommen, kräftig über seine Wohnsituation und das ihm zur Verfügung stehende Geld zu schimpfen. Er gewährte Einblick in sein Zimmer, welches er allein bewohnt. Spartanische Einrichtung, Dreck, leere Zigarettenpackungen sind neben den 178 Euro pro Monat für ihn nicht genug Unterstützung. Aus seinem Land sei er wegen „Problemen“ geflohen. Dass die Bewohner für die Sauberkeit ihrer Unterkünfte allein zuständig sind und er eine erhebliche Geldkürzung wegen Verschleierung der Identität hinnehmen muss, verschweigt er.

Das Gros der Bewohner suchte friedlich das Gespräch mit Joachim Gauck. Größte vorherrschende Probleme sind die Residenzpflicht für Asylbewerber, sie dürfen eine bestimmtes von der Behörde festgelegtes Gebiet nicht verlassen, und die fehlende Arbeitserlaubnis. Erst nach einem Jahr Aufenthalt und nach Genehmigung durch das Jobcenter und die Ausländerbehörde dürfen sich Asylbewerber eine Arbeit suchen.

Gauck zeigte sich bewegt von den Problemen vor Ort. Teils hoch qualifizierte Leute dürfen aufgrund einer fehlenden Erlaubnis nicht arbeiten gehen, wobei in Deutschland in vielen Bereich Fachkräftemangel herrscht, und die Menschen arbeiten wollen. Der Bundespräsident kann an der Politik, an der Residenzpflicht und den Anforderungen an eine Arbeitserlaubnis nichts ändern, aber er kann und möchte - so zum Beispiel mit seinem Besuch in Bad Belzig - sensibilisieren. Mit großer Aufmerksamkeit und ?Sympathie für die Probleme der Bewohner nimmt sich Gauck viel Zeit für Gespräche. „Die Begegnungen haben mich weit mehr berührt, als ich es mir vorgestellt hatte. Es ist ein Unterschied, ob mir ein Problem begegnet oder ein Mensch“, sagte Gauck. „Es geht nicht darum die Probleme aller Länder zu lösen, aber die derer, die hier Unterkunft finden. Es sind zwar keinen Landsleute, aber wir sind alles Menschenkinder. Lassen Sie uns diese Menschen mit offenem, nicht mit engem Herzen aufnehmen“.

Bei der Verabschiedung hob der Bundespräsident die tägliche Arbeit der Mitarbeiter des Übergangswohnheimes unter der kommissarischen Leitung von Rose Dittfurth hervor und wünschte weiterhin viel Kraft.

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