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Gesundheitsgefahren in der ZABH / Familienhaus wurde 1992 von Penz gebaut und ist völlig marode

Mit Kindern im Schimmelzimmer

Kleinfamilie: Bernadette Ngo Batje sitzt mit ihren Söhnen Arnaud (1) und Jean Baptiste (2) auf dem Bett. Hinter ihr ist die Wand von Schimmel befallen.
Kleinfamilie: Bernadette Ngo Batje sitzt mit ihren Söhnen Arnaud (1) und Jean Baptiste (2) auf dem Bett. Hinter ihr ist die Wand von Schimmel befallen. © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 17.12.2012, 19:59 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Bernadette Ngo Batje lebt mit ihren Kindern in der ZABH. Die Wände ihres Zimmers sind von Schimmel befallen. Zu Hause war sie zwangsverheiratet.

Bernadette Ngo Batje will sich nicht beklagen. "Ich bin froh, dass ich hier sein kann", betont sie immer wieder. Dabei streichelt und liebkost sie ihre beiden Jungs, die auf ihren Oberschenkeln sitzen und friedlich an ihren Daumen lutschen. Arnaud und Jean Baptiste heißen die zwei, sind ein und zwei Jahre alt und bekommen von den Problemen, die es im Wohnheim der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH) - der zentralen Erstaufnahmestelle für Asylbewerber im Land Brandenburg - gibt, nichts mit.

Ihre Mutter, 26 Jahre alt, wirkt erschöpft. Aus dem afrikanischen Kamerun kam sie vor sieben Wochen nach Eisenhüttenstadt. Zu Hause, in ihrem Dorf, wollte sie sich als Frau nicht länger unterdrücken lassen. "Ich wurde mit einem älteren Mann verheiratet", erzählt sie leise, "mit einem Mann, der sehr viel älter ist als ich." Ob sie ihn wollte, war den Familien egal - sie wurde zwangsverheiratet. Irgendwann ertrug sie das verordnete Leben mit dem Greis, die ständigen Erniedrigungen nicht mehr. Umgerechnet 2500 Euro brachte sie auf, um aus ihrer Zwangsehe fliehen und sich nach Deutschland bringen lassen zu können. "Das ist sehr viel Geld", bestätigt sie. Mit einem Kleinbus ging es zum Flughafen, dann in einem Flugzeug nach Europa und mit einem Auto nach Eisenhüttenstadt.

Zusammen mit ihren Kindern bewohnt sie in der ZABH ein kleines Zimmer im Familienhaus. Weil es nur zwei Betten gibt, schläft die 26-Jährige auf dem Fußboden, der zur Hälfte von einem Stück Auslegware-Rest bedeckt wird. "Zu Hause in Kamerun schlafen wir auch auf dem Boden", sagt sie. Auch sonst ist das Zimmer spärlich eingerichtet: ein alter Schrank, ein altersschwacher Tisch mit zwei hölzernen Stühlen, wie sie in den DDR-Schulen standen, ein Holzhocker aus Volkspolizei-Zeiten, ein kleiner Kühlschrank. An den Wänden befinden sich Spuren diverser Flüssigkeiten.

Das alles nimmt Bernadette Ngo Batje hin, ohne sich zu beklagen. Sie ist ja froh, dass sie dieses Zimmer ganz für ihre kleine Familie hat. Und dass sie hier auch zwei Kochplatten hat, auf denen sie das Essen für ihre Jungs selbst zubereiten kann. Gegen die Unsauberkeit in den Sanitärraumen, von denen es viel zu wenig gibt, hat sie ein einfaches Mittel: "Bevor ich mit meinen Kindern auf Toilette gehe, mache ich dort selbst sauber."

Was sie aber auf keinen Fall hinnehmen darf, ist der Schimmel. Großflächig überzieht er in einer Ecke neben dem Fenster die Wand, hässlich-schwarz breitet er sich immer weiter aus. Das ist gefährlich besonders für die Familie mit Kleinkindern, die in einigen Wochen Zuwachs bekommen wird: Die 26-jährige Kamerunerin ist schwanger in die ZABH gekommen und wird deshalb vorläufig auch bleiben.

Das Familienhaus mit seinen schimmligen Wänden ist völlig marode, wird im nächsten Jahr abgerissen. Dabei war es erst Anfang der 1990er-Jahre gebaut worden - als Billigbau im Auftrag der Pewobe GmbH, die damals am Betrieb des Asylbewerberheim beteiligt war und die damals genauso wie die BOSS GmbH, die bis heute Betreiber der ZABH ist, zum Firmengeflecht des Berliner Unternehmers Helmuth Penz gehörte.

"Ich bin zufrieden", betont Bernadette Ngo Batje bescheiden. "Ich will in Deutschland leben und arbeiten." Zu Weihnachten wird sie für ihre Kinder was Schönes kochen. "Unser Geschenk ist die Familie", sagt sie.

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Jürgen Napieralla 18.12.2012 - 19:45:08

Nicht Politikermittelpunkte schaffen- endlich den Schimmelbefall komplett beseitigen!

Der beste und der einfachste Weg ist doch, nicht daran zu denken, " sich in den Mittelpunkt zu rücken ", schon gar nicht " Politiker ", auch " wild " handeln hilft nicht, sondern: (1) das Schimmelbefallproblem erkennen, (2) es als Realität anerkennen, (3) einen Sofortlösungsbeschluss zur Schimmelbeseitigung fassen und (4) das Ganze, zum Nutzen der gefährdeten Menschen, SOFORT in die Tat umsetzten. Ja! Der Betreiber / der Vermieter sollte / muss handeln, ja, SOFORT. Jürgen Napieralla

S.R. 18.12.2012 - 11:14:06

Liebe Politiker....

Das ist DIE Chance, sich wieder in den Mittelpunkt zu rücken und wilde Versprechungen zu machen. Auf gehts....

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