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Etwa 60 Biberfamilien im Oderbruch

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IRATHN / 09.04.2008, 19:14 Uhr
Die "immer stärker auftretenden Biber werden zur Gefahr", hatte die Fraktion des Bauernverbandes im Kreistag unlängst in einer Stellungnahme erklärt. Und "Maßnahmen zur gezielten Bekämpfung" gefordert. Spätestens seit dem Seelower "Biber-gipfel" mit Vertretern des LUA, der unteren Naturschutzbehörde des Kreises sowie des Gewässer- und Deichverbandes Oderbruch (GEDO) am Montag steht fest: Eine Bekämpfung des Bibers wird es nicht geben. "Es kommt weder ein Einfangen noch das Töten der Biber infrage", sagt Peter Streckenbach.

Der Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde verweist auf den europäischen Schutzstatus der Tiere. Und darauf, dass es "sinnlos" wäre, den Bestand künstlich zu reduzieren. Dann würde sich die Natur helfen, indem bei den Bibern im deutsch-polnischen Grenzgebiet binnen kurzer Zeit die Geburtenrate steigen würde, erklärte der Experte, der zudem meint: "Wir haben eine gute, gesunde Biberpopulation."

Streckenbach bezieht sich auf die Untersuchungen des Biologen Dr. Thomas Hofmann. Der ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es im Oderbruch - und nur in diesem, nicht auf der Höhe - etwa 60 Biberansiedlungen mit insgesamt nicht mehr als 250 Tieren gibt.

Dass die Nager zum Teil erhebliche Schäden anrichten, ignorieren die Naturschützer nicht. "Wo der Biber Probleme macht, werden wir einvernehmliche Lösungen finden", sichert Peter Streckenbach zu. Er ist seit Kurzem für die Genehmigung der entsprechenden Maßnahmen zuständig.

"Biberdämme dürfen auf eine verträgliche Grundhöhe geöffnet und im Extremfall auch ganz beseitigt werden", nennt der Vertreter der unteren Naturschutzbehörde eine mögliche Maßnahme. Als die "verträglichste Variante" bezeichnet er den Einbau von Kunststoff-Drainröhren in die Biberdämme. Durch sie soll das Wasser abfließen. Allerdings seien alle bisherigen Versuche mit den Drainröhren "nicht lange erfolgreich" gewesen, muss Streckenbach einräumen. Der Biber setze die Röhren zu schnell wieder zu. An der Elbe, wo es die größten Bibervorkommen Deutschlands gibt, hat man das Drainungssystem perfektioniert. Das wollen sich Vertreter aus dem Oderbruch Anfang Mai ansehen, kündigt Peter Streckenbach an.

Er erinnert sich noch gut daran, dass nach dem Hochwasser 1997 Vertreter des Landesumweltamtes für die geplante Deichsanierung den wasserseitigen Einbau von Drahtgittern in den Deichfuß gefordert hatten. Fakt ist: Auf den rund 70 sanierten Deichkilometern im Oderbruch ist der teure Wühltierschutz nur an drei neuralgischen Punkten auf insgesamt einem Kilometer Deich eingebaut worden.

Aus dem LUA kennt der Vertreter der unteren Natuschutzbehörde Pläne, nun noch einen weiteren Deichabschnitt auf diese Weise zu schützen - den bei Güstebieser Loose. Dort sind am Kilometer 55,3 die durch den Biber angerichteten Schäden offensichtlich: Die Biberkessel haben die Grasnarbe im Deich zerstört, tiefe Löcher sind entstanden.

"Der beste Schutz vor Biber und auch Bisamratte wären allerdings Vorschüttungen aus Wasserbausteinen", weiß Peter Streckenbach. Doch gegen die gibt es aus Sicht des Hochwasserschutzes Einwände. Vor allem, weil sie den Querschnitt des Oderbettes verkleinern würden.

So bleibt es beim "Bibermanagement" von Fall zu Fall. Beim "Bibergipfel" am Montag sei auch festgelegt worden, dass dafür der Landschaftspflegeverband "Mittlere Oder" mit ins Boot geholt werden soll, berichtet Streckenbach. Die Mitarbeiter des Verbandes sollen den Kontakt zu den von Biberschäden Betroffenen herstellen, sich die Probleme vor Ort ansehen und der unteren Naturschutzbehörde Entscheidungshilfe geben.

Eines aber wird es nicht mehr geben: Einen "Biber-Export" wie in den 80-er Jahren. Damals waren 46 Elbe-Biber ins fast Biber-lose Oderbruch gebracht worden. Heute könnten die Oderländer einige der Nager abgeben. Doch das hätte fatale Folgen: "Rein rechtlich ist derjenige, der die Tiere in anderen Gebieten aussetzt, für die dort angerichteten Schäden in der Pflicht", macht Peter Streckenbach deutlich.

Untere Naturschutzbehörde in Seelow unter Telefon 03346 850 226 oder 267.

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