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Wieder Fähre von Kienitz nach Hälse

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USTIEHLERN / 10.04.2008, 05:16 Uhr
Kienitz Güstebieser Loose hat seine Oderfähre. Jetzt möchte auch die Gemeinde Letschin eine haben. Die Gemeindevertreter haben der Einrichtung einer Fährverbindung bereits zugestimmt, die zwischen Kienitz und Porzecze (Hälse) eingerichtet werden soll.

Noch heute gibt es im Letschiner Ortsteil Kienitz eine Fährstraße. Sie führt vom südlichen Ende des Dorfes schnurgerade bis zur Oder und endet direkt am Wasser. Sie ist das Überbleibsel, das an die einstige Fähre erinnert, die an dieser Stelle schon vor mehr als 100 Jahren in Betrieb war und Kienitz einst mit dem Dorf Hälse verband, das heute Porzecze heißt. Hälse war im Zuge der Kolonisation des Oderbruchs vor 250 Jahren die einzige Neugründung auf der östlichen Oderseite.

Jetzt will die Gemeinde Letschin diese alte Verbindung wieder neu beleben. Durch den Beitritt Polens zum Schengen-Raum hat sich das Verfahren für die Realisierung eines solchen Projektes deutlich vereinfacht.

Die Reaktivierung der Fährverbindung ist schon geraume Zeit im Gespräch. Bereits vor drei Jahren hatte sich eine deutsch-polnische Expertenkommission für die Wiederaufnahme des Fährbetriebs zwischen Kienitz und Porzecze ausgesprochen.

Nun haben auch die Letschiner Abgeordneten das Projekt befürwortet. Die Kienitzer Fähre soll wie auch die in Güstebieser Loose eine frei fahrende sein. Der Betrieb mit Seil ist nach Aussagen von Letschins Bürgermeister Michael Böttcher bei Kienitz nicht möglich. Aber anders als in Güstebieser Loose setzen die Letschiner auf sanften Tourismus und wollen den Fährbetrieb nur für Fußgänger, Fahrrad- und eventuell Kradfahrer einrichten.

Bereits der Kienitzer Ortsbeirat hatte sich entschieden gegen eine Autofähre ausgesprochen. Durch den zu erwartenden Fahrzeugansturm würde die Natur, wegen der die Besucher an die Oder kommen, zu stark in Mitleidenschaft gezogen, so lauteten die Bedenken. Der Hauptausschuss und die Gemeindevertretung von Letschin folgten der Argumentation. "Reine Fahrradfähren existieren in Deutschland bereits", sagte Böttcher, der seinen Amtskollegen in Boleszkowice (Fürstenfelde) davon überzeugen will, ebenfalls auf eine Autofähre zu verzichten. Noch ist nicht klar, wie sich die polnische Seite den Fährbetrieb vorstellt und wie die Gemeinde Letschin reagiert, sollten die Polen auf einer Autofähre bestehen. Prinzipiell aber ist sie an dem Projekt sehr interessiert, nicht nur, weil die Polen im Letschiner Wirtschaftsraum für sich ein Potenzial sehen", wie Böttcher sagte.

Auch für die polnische Seite liegen die Vorzüge einer Fährverbindung zwischen Kienitz und Porzecze auf der Hand. Auf beiden Seiten der Oder führen Straßen direkt an die frühere Fährstelle heran, die an einer besonders schmalen Stelle der Oder liegt. Die Fährverbindung ließe sich, so Böttcher, also relativ einfach wieder herstellen. Sie würde sich belebend auf den Tourismus auswirken und die Partnergemeinden Letschin und Boleszkowice wieder enger zusammenrücken lassen.

Noch aber sind einige Fragen offen. Ungeklärt ist, wer die Fähre betreiben wird und inwiefern die Fährstraße zur Oder saniert werden müsste. Für Fahrradradfahrer ist die holprige und teils sehr löchrige Kopfsteinpflasterstraße kein Genuss. Michael Böttcher hat bereits zu verstehen gegeben, dass die Gemeinde die Fährstraße ausbessern, aber keineswegs grundhaft sanieren wolle. Dafür wird die Gemeinde einen neuen Anleger mit Zufahrt und eine Beleuchtung bauen müssen. Die Kosten, die Letschin in die Infrastruktur investieren müsste, um den Fährbetrieb wieder zu ermöglichen, könnten über das Interreg-IVa-Programm bis 85 Prozent gefördert werden, erklärte der Bürgermeister.

In ähnlicher Höhe könnte auch die Fähre selbst gefördert werden, teilte Böttcher mit. Auf rund 300 000 Euro schätzt er den Anschaffungspreis, wenn die Kienitzer Fähre von ähnlicher Bauart wie die in die Güstebieser Loose ist.

Wann die Fähre kommt, ist noch offen. Zunächst müssen die Kosten eruiert und Stellungnahmen des Landkreises Märkisch-Oderland und der Wojewodschaft Zachodniopomorski eingeholt und die Einrichtung des Fährbetriebes auf deutscher und polnischer Seite beantragt werden. Die Letschiner Gemeindeverwaltung ist zurzeit dabei, das Projekt zusammen mit der Gemeinde Boleszkowice weiter vorbereiten.

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