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Ein Politikerstreit verhindert die Umgestaltung des früheren Grenzübergangs Swiecko

Wechselstuben als Hindernis

Wegen ihnen wird der Verkehr umgeleitet: Die Geldwechselstuben am früheren Grenzübergang an der Autobahn stehen praktisch direkt auf der Straße.
Wegen ihnen wird der Verkehr umgeleitet: Die Geldwechselstuben am früheren Grenzübergang an der Autobahn stehen praktisch direkt auf der Straße. © Foto: Michael Benk
Dietrich Schröder / 28.12.2012, 07:03 Uhr
Slubice/Swiecko (MOZ) Für den Verkehr auf der Autobahn in Richtung Polen sind sie ein Hindernis: Die Wechselstuben in den früheren Grenzkontrollanlagen am östlichen Oderufer. Doch die dort Beschäftigten kämpfen um ihre Arbeitsplätze.

Als vor fünf Jahren die Personenkontrollen an der Oder wegfielen, standen die Häuschen, in denen früher Zöllner und Grenzpolizisten ihren Dienst taten, nur kurze Zeit leer. Findige polnische Geschäftsleute richteten hier Geldwechselstuben (Kantore) und Versicherungsbüros ein. Für Besucher des Nachbarlandes war die Möglichkeit, gleich an der Oder Euro in Zloty zu tauschen, zunächst recht praktisch.

Doch seit es endlich eine Verlängerung der deutschen A 12 in Richtung Posen und Warschau gibt, stellen die Buden nur noch ein Verkehrshindernis dar. Tausende Pkw und Lkw müssen täglich einen Bogen um die alten Hütten fahren, der Verkehr wird dafür auf 30 km/h abgebremst.

Ginge es nach Marcin Jablonski, dem Wojewoden der Nachbarregion Lebuser Land, dann wäre dieses optisch hässliche Eingangstor seines Landes längst modernisiert und umgebaut worden. Doch obwohl der aus Slubice stammende Wojewode als Regierungsvertreter für viele regionale Belange die Verantwortung trägt, sind ihm ausgerechnet an dieser Stelle die Hände gebunden.

Denn das nur wenige Kilometer lange Verbindungsstück von der deutschen A 12 und der polnischen A 2, die erst mit der Auffahrt Slubice beginnt, ist offiziell eine Landesstraße. Und für deren Erhaltung und Gestaltung sind im Nachbarland die Kreisverwaltungen zuständig. Der zuständige Landrat (polnisch: Starosta) des Kreises Slubice, Andrzej Bycka, aber ist schon seit Jahren eine Art Intimfeind Jablonskis. Die gegenseitige Abneigung der beiden Politiker stammt noch aus der Zeit, in der beide der Partei "Platforma Obywatelska" (Bürgerplattform) angehörten. Bycka war seinerzeit bereits Landrat, Jablonski aber noch stellvertretender Bürgermeister von Slubice.

Die beiden Slubicer lassen kaum eine Gelegenheit aus, um sich Steine in den Weg zu werfen. Obwohl Jablonski auf die Begradigung der Straße an der Grenze drängt, ließ Bycka die Pachtverträge mit den hier ansässigen Unternehmen um drei weitere Jahre verlängern. Auch zwei Demonstrationen der Beschäftigten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze unterstützte er.

Im Gegenzug sorgte Jablonski vor wenigen Wochen dafür, dass die bisherigen Parkmöglichkeiten direkt an der Grenze blockiert wurden. Neuerdings übt auch die in Warschau ansässige Generaldirektion der Fernstraßen- und Autobahnverwaltung Druck auf den Landrat aus. Dies geschieht laut der Zeitung "Gazeta Lubuska" ebenfalls auf Drängen des Wojewoden.

Dem Landrat könnte freilich auch daran gelegen sein, dass die Landesbehörde dem Kreis die ungeliebten Immobilien endlich zu einem guten Preis abkauft. Eine Lösung des Streits ist bisher jedenfalls nicht in Sicht.

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