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Bei der Gesellschaft für berufliche Bildung im Fürstenwalder Pintschring erhalten Ausländer Deutsch-Unterricht

Diktat ist noch ein Schreckenswort

Schwierige Lektionen: Deutschlehrer Dietmar Fritz mit seinen Schülern Linbov Rau aus Russland, Achmed Shaaban aus Ägypten und Van Le aus Vietnam
Schwierige Lektionen: Deutschlehrer Dietmar Fritz mit seinen Schülern Linbov Rau aus Russland, Achmed Shaaban aus Ägypten und Van Le aus Vietnam © Foto: Kerstin Schreiber
Kerstin Schreiber / 02.01.2013, 19:40 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Heißt es der, die oder das Toastbrot? Was ist ein Gasthof und welches Wort kann man dafür noch benutzen? Schwierige Fragen, wenn man der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig ist. Im Fürstenwalder Pintschring entdeckt ein Dutzend Frauen und Männer, allesamt Migranten, die deutsche Rechtschreibung und Grammatik für sich.

Sie kommen unter anderem aus Syrien, Polen, Russland, Rumänien, Vietnam und Ägypten, leben seit einiger Zeit in der Region - und sitzen nun zusammen in einem Fürstenwalder Klassenzimmer der Gesellschaft für berufliche Bildung mbH (GBB). Unterrichtet werden die erwachsenen Schüler zwischen 21 und 42 Jahren von Dietmar Fritz, einem ausgebildeten Deutschlehrer, seit Jahren bei der GBB unter Vertrag. Ende November saßen seine derzeitigen Schüler zum ersten Mal gemeinsam im Klassenzimmer in der 2. Etage des Pintschring 13.

In mehr als 600 Unterrichtsstunden erlernen sie nun - jeweils von montags bis freitags - die Grundlagen der Sprache, dazu kommen Lektionen über deutsche Lebensart und das gesellschaftliche Leben. Spezielle Lehrmaterialien stehen ihnen dafür zur Verfügung, durch die sie sich Lektion für Lektion kämpfen. Gerade lernten sie Vokabeln und Redewendungen, die mit einem Gaststättenbesuch im Zusammenhang stehen. Dazu gehörte es auch, eine Speisekarte lesen und Wunschgerichte bestellen zu können.

Aber was ist überhaupt eine Speisekarte? Was ist ein Hauptgericht und wie spricht man Kotelett richtig aus? Ein paar Wiederholungen braucht es schon, ehe die aus Syrien stammende Adla Simon ihre fiktive Bestellung zusammen hat. Auch der Ägypter Achmed Shaaban, Linbov Rau aus Russland und der Vietnamese Van Le üben sich in den noch ungewohnten Worten. Und um zu wissen, dass die Ziffernfolge 5-0 "Fünfzig" und nicht "Fünfzehn" heißt, bedarf es einiger Übung. Freundlich aber bestimmt fordert Dietmar Fritz seine Schüler immer wieder aufs Neue heraus - und wenn es anstrengend wird, sorgt er mit einem Witz für ein Lächeln.

Sie müssen im Übrigen nicht nur Deutsch sprechen, sondern auch schreiben. "Diktat" sei noch ein Schreckenswort, geben unter anderem Adla und Achmed zu. Das Sprechen beherrscht Adla beispielsweise ganz gut, auch weil sie in Fürstenwalde wohnt und sich im Alltag verständigen kann. Aber das Schreiben sei schon eine ganz andere Nummer und viel, viel schwerer. Beim Diktat waren die Sätze relativ kurz und haben gut an der Tafel Platz. "Wo finde ich Fisch und Wein?" steht da beispielsweise in korrekter Form. In den Heften der Teilnehmer sieht es noch nicht ganz so perfekt aus.

Aber ein bisschen Zeit zum Deutschlernen ist noch. Erst am 5. Juli stehen die Abschlusstests an, die im Idealfall mit dem Sprachstufenabschlusses B1 enden. Der wiederum ist eine der Voraussetzungen für die Beantragung der deutschen Staatsbürgerschaft. Der derzeitige Durchgang ist im Übrigen der insgesamt 21. "Integrationskurs Deutsch" der GBB. Den Großteil der Kosten trägt das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

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