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Reden ist Gold

Zwei Studenten der Universit‰t Freiburg (Baden-W¸rttemberg) sind Vize-Weltmeister im Debattieren.  Jannis Benedikt Limperg (19) (links) und Johannes Smalenski (27) undmussten sich bei der studentischen Debattier-Weltmeisterschaft in Berlin nur Konkurrente
Zwei Studenten der Universit‰t Freiburg (Baden-W¸rttemberg) sind Vize-Weltmeister im Debattieren. Jannis Benedikt Limperg (19) (links) und Johannes Smalenski (27) undmussten sich bei der studentischen Debattier-Weltmeisterschaft in Berlin nur Konkurrente © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 04.01.2013, 19:15 Uhr
Berlin (MOZ) 800 Debattierer aus 82 Ländern haben sich in den vergangenen acht Tagen in der Hauptstadt gemessen. Bei dem ersten in Deutschland ausgetragenen Turnier wurden zwei Freiburger Studenten Vizeweltmeister.

Johannes Samlenski und Jannis Limperg kommen an diesem Freitagvormittag im Hotel vor lauter Interviewanfragen gar nicht zum Kofferpacken. Das Reden vor den Journalisten fällt zwei Studenten aus Freiburg nicht schwer. Schließlich sind sie gerade Vize-Weltmeister im Debattieren geworden. Damit ließen sie bei der studentischen Weltmeisterschaft im Berliner Maritim Hotel rund 400 Debattier-Teams aus aller Welt hinter sich. Das deutsche Duo unterlag einzig den Konkurrenten aus Porto. In der Kategorie "Englisch als Fremdsprache" hatten Samlenski und Limperg am Donnerstagabend mit Zweierteams aus Portugal, Rumänien und Japan über den Niedergang der USA als Supermacht diskutiert.

Für Samlenski, der Politik studiert und gerade seinen Master in Volkswirtschaftslehre macht, eine annehmbare Aufgabe. Seine siebenminütigen Reden, die zur WM zusätzlich auf eine große Leinwand im Ballsaal des Hotels übertragen wurden, zeichneten sich besonders durch präzise Argumente und Humor aus. Samlenskis Vorbilder in Rhetorik sind Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, auch wenn er inhaltlich nichts mit ihnen gemeinsam hat. Mit seinen Händen unterstreicht der 27-Jährige das Gesagte oder fasst sich nachdenklich ans Kinn.

Sein 19-jähriger Partner Jannis Limperg überzeugt vor allem durch sein perfektes Englisch. Es ist die Turniersprache des Rede-Sportes, der an britischen Universitäten seinen Ursprung fand und auch an den amerikanischen Unis sehr verbreitet ist. In der Kategorie "Englisch als Muttersprache" triumphierten nach den insgesamt acht Wettkampftagen allerdings zwei Studenten aus Melbourne. In der Kategorie "Englisch als Zweitsprache" gewann am Donnerstagabend ein Team aus Bangladesch. Die Jungs in den gelben Trachten mussten mit Holländern und Israelis darüber diskutieren, ob Immigranten in einer Demokratie eine eigene Vertretung im Parlament bekommen sollen. Ob nun die junge Frau im roten Abendkleid oder der blonde Schlacks im Kapuzenshirt - nachdem die Stoppuhr gedrückt wurde, steigern sich bei allen die Worte zum Redeschwall. Manch einer fuchtelt wild mit den Händen - bei anderen kommt die Rede besonders emotional rüber. Gegenfragen werden nur selten zugelassen, aber dann auch beantwortet. Immer wieder braust spontaner Applaus im gut gefüllten Saal mit Studenten aus 82 Ländern auf, unter anderem aus Simbabwe, Tadjikistan oder Myanmar.

Berlin hat seine Anziehungskraft auch in Bezug auf dieses Turnier nicht verfehlt. "Kaum ein anderer Ort könnte einen wirkungsvolleren Rahmen für die Botschaft des Debattierens bieten als die Stadt des friedlichen Freiheitskampfes, eine Weltmetropole voller Widersprüche", heißt es vom World Universities Debating Championship (WUDC), der die Weltmeisterschaft seit 1981 veranstaltet.

Das Debattieren über politische, ökonomische und gesellschaftliche Themen nach festen Regeln wird auch bei deutschen Studenten immer beliebter. Zwischen 2004 und 2012 stieg die Zahl der Mitglieder in den deutschen Debattierclubs von 900 auf 3500. Elf Teams von neun deutschen Universitäten nahmen an der WM in Berlin teil. "Debattieren ist mehr als ein reiner Disput", sagt Jury-Mitglied und ehemaliger "Zeit"-Herausgeber Theo Sommer. "Es ist das ureigenste Wesen der Demokratie."

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