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"Eine unentdeckte Perle der Stadt"

iris stoff / 04.11.2009, 07:38 Uhr
Storkow Die Stadt will eine neue Friedhofssatzung verabschieden, in der der Status der Erbbegräbnisse geregelt wird. Das hat zu einer Debatte über den Umgang mit der historisch bedeutsamen Friedhofsanlage geführt. Eine Bürgerinitiative hat angeregt, darüber nachzudenken, wie man mit "dem Pfund dieser unentdeckten Perle" wuchern könnte.

"Für mich ist das hier immer ein ganz besonderer Ort gewesen", sagt Berna Kühne-Spicer. Die Ur-Ur-Enkelin von Fritz Kühne steht vor dem Erbbegräbnis ihrer Familie auf dem Storkower Friedhof. Fritz Kühne lebte von 1839 bis 1913. Der Ehrenbürger und Stadtälteste betrieb eine Seilerei am Markt. Sein Sohn Karl hat später das beliebte Ausflugslokal "Karlslust" am Storkower See begründet, das es heute noch gibt. Berna Kühne-Spicer besitzt noch die Quittung aus dem Jahre 1879 für diese Erbbegräbnisstelle. Für 33 Mark hat ihr Ur-Ur-Großvater vor 130 Jahren diesen Platz gekauft, der sich innerhalb der Familie immer weiter vererbte. Einen Text auf der Rückseite der Quittung hat Fritz Kühne seinen "innig geliebten Hinterbliebenen zum Gedenken" gewidmet. Obwohl die Zeitverhältnisse bezüglich der schlechten Geschäfte sehr drückend seien, hätte ihn der Gedanke an seine Familie "wie im Leben so im Tode vereint" bestimmt, diese Erbgrabstelle zu erwerben, schreibt Fritz Kühne.

Berna Kühne-Spicer ist gerührt, wenn sie diese Zeilen liest und ihrem Ur-Ur-Großvater sehr dankbar. Ohne dieses Erbbegräbnis hätte sie heute keinen Ort der Erinnerung an ihre Vorfahren, an ihre Kindheit. Nach dem Tod ihres Großvater habe die Familie 1972 Storkow verlassen, erzählt die Autorin und Übersetzerin, die in Berlin-Rudow lebt. Erst 1996 sei sie wieder nach Storkow gekommen und froh gewesen, dass es die Familiengrabstätte als eine Verbindung zu ihren Wurzeln noch gab.

Doch nun befürchtet Berna Kühne-Spicer, die in ihrer Heimatstadt mittlerweile wieder einen Wohnsitz hat, dass die Tradition der Erbbegräbnisse in Storkow bald verloren gehen könnte. In der neuen Friedhofssatzung soll die Nutzungsdauer für diese Plätze nur noch auf 40 Jahre beschränkt sein. Dann müssen die Stellen neu erworben werden. Auf der letzten Stadtverordnetenversammlung hat sich die engagierte Frau deshalb in der Einwohnerfragestunde zu Wort gemeldet und ein Plädoyer für den Storkower Friedhof abgegeben. Es gelte, das unverwechselbare kulturhistorische Potenzial dieser Anlage zu nutzen, um Storkow über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen, regte sie an. Der Beschluss wurde vertagt. Auf der Parlamentssitzung im Dezember wird er erneut auf der Tagesordnung stehen. Am kommenden Montag beschäftigt sich zuvor der Bauausschuss mit dem Thema

" Viele Jahre lag die Ruine der Burg Storkow wenig beachtet am Rande des Stadtzentrums", heißt es in einem Vorschlagspapier das alle Fraktionen erhalten haben. Dann sei die Burg wieder aufgebaut worden und seitdem Hauptattraktion und der Stolz von Storkow. "Der Storkower Friedhof ist eine ähnlich unentdeckte Perle. Er wurde im Jahre 1861 eingeweiht und ist in seiner Substanz ein selten schöner historischer Friedhof, "ein Pfund, mit dem man wuchern könnte". Die Anlage sei ein idealer Ort für Einwohner und Besucher, in die Storkower Geschichte einzutauchen und über Menschen, die einmal hier gelebt haben, mit der Stadt vertraut zu werden.

Ihr sei sehr wohl bewusst, dass alles auch eine Frage des Geldes sei, so Berna Kühne-Spicer. Die Trauerkultur habe sich verändert, nahezu die Hälfte der Fläche des städtischen Friedhofes sei ungenutzt, die Friedhofskosten für die Stadt seien höher als die Einnahmen aus Nutzungsgebühren. Deshalb müsse ein Vermarktungskonzept für den Storkower Friedhof entwickelt werden, schlägt sie vor. Berna Kühne-Spicer hat eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für den Friedhof stark machen möchte. Unter anderem will sich diese Initiative - in Absprache mit der Friedhofsverwaltung - um die Pflege von Familiengräbern kümmern, die von niemandem mehr betreut werden.

Wer sich der "Bürgerinitiative Storkower Friedhof" anschließen möchte, kann sich unter Tel. 0170 8671970 oder per Mail unter kuehne-spicer@gmx.de mel den.

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