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Powern für Fontane

Petra Waschescio / 07.01.2013, 20:14 Uhr
Neuruppin (MZV) Kompetenzzentren aufzubauen, war bislang ein Privileg der klassischen Wirtschaftszweige. Jetzt möchte das Land Brandenburg auch in Kunst und Kultur die Kompetenzen bündeln. In Neuruppin wird seit Anfang des Jahres genau das getan.

Die Stadt ist nicht ganz unerfahren im Bündeln von Stärken: Seit 2005 ist Neuruppin Regionaler Wachstumskern und in dem Zusammenhang auch Motor für eine Gemeinde übergreifende Zusammenarbeit mit Rheinsberg, Lindow, Fehrbellin und dem Amt Temnitz. Seit knapp einem Jahr bemüht sich man sich, gemeinsam mit den Ruppiner Kliniken und anderen Kooperationspartnern in der Fontanestadt ein Gesundheitscluster - also die Ansiedlung und Zusammenarbeit von Firmen und Institutionen - voranzutreiben.

Jetzt will die Stadt diese Erfahrung auch für die Kulturszene in der Region nutzen. Das Zauberwort "Festspielregion Ruppiner Land" hatte Neuruppins Kulturmanager Mario Zetzsche schon im vorigen Jahr fallen lassen. Mittlerweile ist die Idee soweit ausgereift, dass es einen Werkauftrag der Stadt gibt, diese Idee in die Tat umzusetzen. Statt einzeln bei den kulturinteressierten Besuchern des Ruppiner Landes für Theaterabende, Konzert-Highlights oder Opernerlebnisse zu werben, soll für alle zusammen die Werbetrommel gerührt werden.

Ganz uneigennützig ist das von der Stadt nicht. Die Fontane-Festspiele sollen eine größere Reichweite erzielen, mehr Zuschauer anlocken und damit auch mehr Einnahmen aus Eintrittskarten einspielen. Bislang ist das Finanzkonzept zwar immer einigermaßen gut aufgegangen. Eine gesicherte Perspektive für die Organisatoren bot es nicht.

Dieses Problem haben im Übrigen nicht nur die Macher der Fontanefestspiele. Beliebig übertragbar ist das auf die Aequinox-Tage, auf den Theatersommer Netzeband, das Seefestival Wustrau und die Kammeroper Schloss Rheinsberg. Mit finanziellen Zuschüssen versucht das Land Brandenburg, dieses Problem zumindest ansatzweise zu beheben. Das Programm, das der Europäische Sozialfonds unterstützt, heißt: Kompetenzentwicklung Kunst und Kultur. Ziel der Förderung ist laut Landesanstalt für Struktur und Arbeit Brandenburg "die Verbesserung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen im Kulturbereich. Mithilfe der Kompetenzen aus Kunst und Kultur soll die Strategiefähigkeit von Unternehmen und kulturellen Einrichtungen verbessert werden, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu stärken und in der Folge Arbeitsplätze zu schaffen beziehungsweise zu erhalten".

99 000 Euro stellt das Land aus dem Programm über einen Zeitraum von zwei Jahren für das Neuruppiner Vorhaben zur Verfügung. Mit noch einmal 36000 Euro beteiligt sich die Stadt Neuruppin. Per Werkvertrag wurden Otto Wynen und Uta Bartsch, beide seit langem Akteure der Neuruppiner Kulturszene und Mitorganisatoren der Fontane-Festspiele, dafür engagiert. Sie sollen in den kommenden zwei Jahren die Festivals so koordinieren, dass sie sich besser vermarkten können und so auf einem solideren finanziellen Fundament stehen.

Eine ähnliche Perspektive hatte im Herbst 2012 die Kulturentwicklungs-Konzeption des Kreises für die Kulturschwerpunkte der Region entworfen. Dass Neuruppin jetzt mit der Festspielregion Ruppiner Land vorprescht, sieht Kerstin Pein, zuständig für Kulturförderung im Kreis, dennoch nicht als Konkurrenz. "Als Kreis müssen wir den ganzen Landkreis im Blick haben, nicht nur das Ruppiner Land."

Mario Zetzsche erklärte gestern den Vorstoß der Neuruppiner: "Wir hatten den Antrag bereits 2012 gestellt. Damals war der Kreis mit seinem Konzept noch nicht so weit. Wir sind froh, dass unser Antrag bewilligt wurde, denn für das Projekt gab es nur jetzt diese Chance." Da es um die Etablierung der Fontanefestspiele ging, habe man so früh handeln müssen.

Ihren Auftakt hat die Festspielregion Ruppiner Land beim Neujahrsempfang des Neuruppiner Bürgermeisters am 1. Februar. Ein guter Rahmen, meint Zetzsche: Das Thema passe zur Neuruppin-Strategie 2020+, in der ein Schwerpunktthema die Entwicklung von Kulturtourismus ist.

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