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Wildpark um Erhalt der ältesten Hausrindrasse der Welt bemüht

Weiße Parkrinder - Schutzraum für Bonnie und ihre Vorfahren

Ellen Werner / 11.01.2013, 04:14 Uhr
Groß Schönebeck (MOZ) Im Wildpark hat die älteste heute noch erhaltene Hausrindrasse Nachwuchs: Kälbchen Bonnie kam im November zur Welt. An seinem Geburtsort gründet sich zur Zeit der Verein "Weißes Parkrind". Die sieben Mitglieder in spé kommen aus allen Teilen Deutschlands.

Bonnie hält sich nah bei den Eltern. Entweder passt Mutter Margot auf, dass niemand ihrem Kälbchen zu nahe kommt. Oder das zwei Monate alte Tier schmiegt sich an Boromir, den Bullen. Bonnies Vater, ein hellhaariges Zotteltier mit breitem Schädel und imposanten Hörnern, lässt sein Publikum am Gehege nicht aus den Augen, auch wenn er zwischendurch, beinahe demonstrativ, mal ein paar Strohhalme ins Maul nimmt. "Boromir hat die Aufgabe, für Nachwuchs zu sorgen und die Herde zu bewachen - das macht er eben auch", sagt Tierpfleger Benjamin Schütze-Schulze.

Die Parkrinder haben es dem Wildparkmitarbeiter angetan. "In diesen Rindern steckt eine gut 800 Jahre alte Genetik", sagt er voller Respekt vor der Naturgeschichte. "Seit 1220 leben die Tiere in England ohne Einfluss anderer Rassen. Und es ist die nachweislich älteste Hausrindrasse der Welt." Schon vor 2500 Jahren grasten die Nutztiere manchen Landstrich ab.

Vermutlich, so beschreibt es Schütze-Schulze, stammen sie vom südlichen Auerochsen ab. Das voreiszeitliche Wildtier gilt seit 1627 als ausgerottet. Im Zweistromland, das als typische Wiege der Haustierzucht gilt, lebte später auch das Parkrind als Nachfahre des wilden Stammvaters. Es heißt, die Kelten hätten die "weißen Auerochsen" als Symbol der Reinheit verehrt. "Die Römer sollen die Tiere auf ihren Feldzügen bis nach England mitgebracht haben", erzählt Schütze-Schulze.

Dort leben auch nach wie vor die meisten Parkrinder - mit rund 800 Tieren mehr als die Hälfte der Mitte 2012 offiziell registrierten 1485 schwarzohrigen Wiederkäuer weltweit. Mit solchen Bestandszahlen gilt das Weiße Parkrind jedoch als gefährdet. Um den Erhalt einer Rasse zu sichern, setzen Experten je nach Rasse Bestände zwischen 3000 und 7500 Tieren an.

Der Erhaltung des ältesten Hausrindes will sich nun ein Verein mit Züchtern aus verschiedenen Teilen Deutschlands widmen. "Das Gründungstreffen fand im Sommer bei uns statt", sagt der künftige Vorsitzende Benjamin Schütze-Schulze. Ziel sei eine artenreine Zucht. Unterstützt werde das Vorhaben von der Uni Göttingen. Sie habe auch den "biometrischen Pass", eine DNA-Analyse für Bonnie erstellt.

Sieben Mitglieder hat die Runde zur Zeit. Die meisten sind Privatleute, kleinere Landwirtschaftsunternehmen. Außer dem Wildpark ist mit dem Greenpeace-Tierpark "Arche Warder" (Schleswig-Holstein) auch noch eine weitere zoologische Einrichtung vertreten. "Im Augenblick warten wir auf die Zusage vom Amtsgericht", sagt Benjamin Schütze-Schulze. Wenn alles gut geht, findet im Februar die erweiterte Gründungsversammlung statt." Angesprochen hatte den Wildpark, der neben Großwildtieren immer schon bedrohte Haustierrassen beherbergt, Uwe Hesse aus Frankenberg (Hessen). Der Pfarrer und Biolandwirt züchtet selbst seltene Haustierrassen und bemühte sich, die Parkrindzüchter Deutschlands unter ein Dach zu bekommen.

"2011 haben wir den Bullen von ihm bekommen", sagt Tierpfleger Schütze-Schulze. Nach einem halben Jahr Eingewöhnung zeugte Boromir, benannt nach einem Heerführer der Fantasy-Trilogie "Herr der Ringe", im Februar sein erstes Kalb.

Nachwuchs ist bei den robusten Weidetieren seltener zu erwarten als bei gewöhnlichen Rindern. "Sie wachsen sehr langsam, demzufolge ist die Fleischqualität auch hervorragend", sagt Benjamin Schütze-Schulze. "Ein Bulle ist erst mit fünf Jahren ausgewachsen und erreicht sein Endkörpergewicht erst mit neun Jahren."

Gerade mal 85 Tiere zählt der Bestand in Deutschland, zehn davon stehen in der Schorfheide. Neben der Hauptzuchtgruppe - Margot und ihre Schwester, Boromir und Bonnie - wären da drei Tiere, die im Wildpark wegen komplizierter verwandschaftlicher Beziehungen von der Zucht ausgenommen sowie "die drei Teenies", die noch zu jung dafür sind. "Sie stehen noch unter Quarantäne, da spielen wir Sittenpolizei", scherzt Wildparkchefin Imke Heyter. "Die Tiere hören nämlich auf zu wachsen, wenn sie schwanger werden."

Kälbchen Bonnie darf noch ein Jahr bei seinen Eltern bleiben. "Boromir geben wir nach zwei Jahren wieder ab", sagt Imke Heyter. "Er würde sonst seine eigenen Töchter decken."

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