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Hermann Glöde verkörpert die "Alte Schule"

Mit Gespür für Anstand und Sitte

Hermann Glöde aus Neuenhagen
Hermann Glöde aus Neuenhagen © Foto: Irina Voigt/MOZ
Irina Voigt / 14.02.2012, 07:47 Uhr
Neuenhagen (MOZ) "Alte Schule" nennt man das wohl, was der Neuenhagener Hermann Glöde verkörpert. Der gestandene Bauunternehmer hat ein Faible für Anstand. Er legt Wert auf Sachkenntnis und Durchsetzungsvermögen, auch in seinem Hobby Angeln sowie als langjähriger Fischereiaufseher im Ehrenamt.

Vorgenommen hat er es sich ganz fest, etwas kürzer zu treten. Schließlich wird Hermann Glöde nächsten Monat 75. Aber so ganz kann er nicht loslassen. Immer noch steht er in aller Herrgottsfrühe auf, frühstückt zeitig, um dann in die Firma zu gehen. Die Firma, die Neuenhagener Baustoffunion, die er seit Jahren bei seinen beiden Söhnen in guten Händen weiß.

"Ich bin immer noch gern dabei, habe noch ein bisschen zu tun und schau entspannt zu, wie die Jungen zur Arbeit eilen. Wie sie sich einsetzen, und sich anstrengen, das ist ein gutes Gefühl", sagt er, dafür lohne es sich, jeden Tag morgens aus dem Haus zu gehen.

Und der Senior, der das Bauhandwerk von der Pike auf erlernte und bis zur Wende bei der PGH Semper arbeitete, kann es nicht lassen, noch ein wenig erzieherisch mitzumischen. "Mir gefällt ganz und gar nicht, wie der Werteverfall gerade in den vergangenen Jahren vonstatten gegangen ist", sagt er. Und meint Bewerber auf Lehrstellen, die reinkommen, "in jedem Ohr einen Knopf, die Hose auf halb acht, die Schuhe auf halb sieben und Kaugummi kauen." Da sei es passiert, dass er einen wieder vor die Tür schickte, damit der sich überlege sollte, wen er mit seiner Art und Weise und seinem Auftritt für sich gewinnen wolle. "Das begreifen die Jungs schnell", sagt er.

Aber nicht nur die Jugend sei es, die sich manchmal daneben benehme, weil sie es womöglich gar nicht anders wüsste. "Erwachsene sind ja inzwischen auch nicht viel besser", sagt er. Oft hat er Rüpeleien an Gewässern hinnehmen müssen, wenn er als ehrenamtlicher Fischereiaufseher nach dem Rechten sah. Tausende Kilometer ist er im Kreisgebiet zu Kontrollen an den Ufern der ausgewiesenen Angelgewässer unterwegs gewesen. Seit 1963 und bis Sommer vergangenen Jahres hat er das Ehrenamt ausgeübt. "Die Gesetze sind seit Jahrzehnten fast die gleichen, aber der Umgang damit hat sich verändert", musste er feststellen. Auch der Umgang untereinander habe gelitten. "Das kommt auch daher, dass diejenigen, die das Gesetz vertreten sollen, entweder keine Ahnung haben oder aber nicht den nötigen Rückhalt bekommen", hat er mehr als einmal erfahren müssen.

Dass seine ehrenamtliche Tätigkeit hoch geschätzt wurde, beweisen mehrere Auszeichnungen und Ehrungen. "Hermann Glöde ist ein Mann, der sich mit ganzem Herzen für etwas einsetzt", sagt Landrat Gernot Schmidt über den fast 75-jährigen Neuenhagener. Als Landrat steht Schmidt ganz oben an der Spitze der Pyramide aller, die mit der Angelei als Behörde, als Sport, im Verein oder mit der Fischereiaufsicht zu tun haben. Eigentlich müsste es viel mehr solcher Leute wie Glöde geben, sagt Schmidt. "Die geradlinig und ehrlich im Umgang miteinander sind, auch, wenn es anderen manchmal unbequem ist." Er könne Glöde gut verstehen, vielleicht auch, weil "wir beide aus der gleichen Gegend kommen", vermutet Schmidt.

Glöde zog 1957 aus Ückermünde nach Neuenhagen. "Ich hatte zur Zeit des Mauerbaus in Westberlin gearbeitet und wurde gleich am Tag nach der Grenzschließung ins Rathaus zitiert." Weil er erst nach zwei Wochen Urlaub bei seiner neuen Arbeitsstelle anfangen wollte, wurde er mit Handschellen aus dem Rathaus abgeführt. Ein Jahr "Zwangsarbeit" folgte, bis er in einem Brief an Walter Ulbricht seine freie Arbeitsplatzwahl einforderte. "Und das hat geklappt", sagt Glöde, der dann bis zur Wende bei der PGH Semper arbeitete und sich danach selbstständig machte.

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