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Besatzung gesucht / Restauriertes Wasserfahrzeug kommt aus der "Integrationswerft"

Heiß auf Rennen im Drachenboot

Ellen Werner / 24.01.2013, 04:38 Uhr
Eberswalde (MOZ) Bis "Wood Board 2" ins Wasser kommt, dauert es noch. Das Drachenboot durchläuft zur Zeit eine Schönheitskur. Mit dem Freizeitprojekt will die Fortbildungsakademie FAW Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zusammenbringen. Noch sind aber einige Bootsbänke frei.

Noch ist das Boot hellgrau und etwas angekratzt. Die für Drachenboote typische originelle Bemalung steht noch genauso aus wie einige Restaurationsarbeiten an dem langgestreckten Wasserfahrzeug. Eine Drachenboothymne, gerappt, gibt es aber schon. Geschrieben hat sie Arek Chudzinski.

Seit acht Monaten schaut der 16-Jährige regelmäßig in der Projektwerkstatt der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) vorbei. Das Bauen am Boot "macht manchmal Spaß, manchmal ist es anstrengend", sagt er. Nicht immer hat der Gymnasiast Lust dazu. "Die ganzen Leute hier" sind für ihn der Grund, herzukommen. Und vor allem die Drachenbootrennen, die die Eberswalder Crew gemeinsam bestreitet. "Wir hatten davor schon ein Boot fertig. Damit sind wir auch aufs Wasser gegangen", sagt der gebürtige Pole, der als Zweijähriger nach Eberswalde kam. Am Funcup in Stolzenhagen (Wandlitz) nahm das Team teil. "Das war cool", sagt Arek. Der siebte Platz von 15 Mannschaften - das ist ziemlich gut fürs erste Mal, findet er.

"Die Rennen sind immer das Highlight", sagt Projektbetreuerin Astrid Kusche. "Zum Teil sind dann auch die Eltern mit voller Begeisterung dabei." Die Sozialpädagogin hat lange einen Jugendklub in Schwedt geleitet. Im September kam sie als Pädagogische Mitarbeiterin zur FAW in Eberswalde. "Es ist wirklich ein schönes Projekt", sagt die 52-Jährige über ihre neue Aufgabe. Der Haken: Es mangelt an Besuchern. "Im Moment laufen sechs Teilnehmer im Drachenbootprojekt mit."

2011 startete die Fortbildungsakademie mit einem ersten Boot. Inzwischen finanziert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Projekt mit dem langen Titel "Integrationswerft - Schiffbau statt Schiffbruch". Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund sind angesprochen. Geld gibt es für zwei Jahre, von 2012 bis 2014, danach soll möglichst ein eigenständiger Verein übernehmen.

"Das funktioniert natürlich nur mit Leuten, die wirklich begeistert sind", sagt Astrid Kusche. Mit vielen Leuten - "das Boot muss ja mit mindestens 20 Teilnehmern besetzt sein, damit es wirklich funktionstüchtig ist."

Mit Angeboten wie einer Fitnessecke, Tischkicker, dem Computer und auch mal Extraprojekten wie dem Videodreh, bei dem Arek seine Rap-Kenntnisse einbringen konnte, begleitet die Sozialpädagogin das offene Freizeitangebot. "Eine Stunde bauen wir erst einmal konsequent am Boot. Wer dann keine Lust mehr hat, geht in den Klubraum", berichtet sie. Für die technische Anleitung steht ihr ein Ausbilder zur Seite, außerdem hilft ein Tischler bei den handwerklichen Arbeiten. "Das Schöne ist, dass hier verschiedene Menschen mit verschiedenen Charakteren als Mannschaft zusammenwachsen können."

Auch die meisten Mitglieder des Integrationsnetzwerkes im Landkreis befinden die Idee für gut, bestätigt Marieta Böttger, Barnims Beauftragte für Migration und Integration. "Die Schwierigkeit besteht jetzt in der Umsetzung." Die Jugendlichen aus der Zielgruppe fehlen. "Vielleicht hätte das vor zehn Jahren besser gepasst", sagt Marieta Böttger. Sie weist aber auch auf die steigenden Zahlen Asylsuchender im Landkreis hin. Das Freizeitangebot soll demzufolge Jugendlichen aus dem Asylbereich unterbreitet werden. "Wenn das klappt, wäre es wieder perfekt". In dem Bereich wäre das Jugendhilfeprojekt eines von wenigen.

Im Frühjahr trainieren die Drachenbootsbauer bei einem Sportverein. Danach geht es auch zu Wettkämpfen aufs Wasser. "Ich freue mich die ganze Zeit schon auf den Sommer", sagt Max, der bald zwölf wird. Zur Zeit grundiert er ein kleineres Bootsmodell. Auch das soll bunt angemalt werden, kommt aber nicht aufs Wasser, sondern ans Tor zur Straße. "Damit man uns findet", sagt Astrid Kusche.

Die Bootsbauer treffen sich montags (16- bis 27-Jährige) und dienstags (12- bis 16-Jährige) jeweils zwischen 16 und 19 Uhr. Zu finden ist das Drachenbootprojekt auf dem Hof der FAW, Eberswalder Straße 28 bis 30. Nachfragen kann man auch unter Telefon 03334 2798716.

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