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Hannelore Weber ist die erste Rektorin in der 556-jährigen Geschichte der Hochschule

Uni Greifswald wird erstmals von einer Frau geleitet

Der bisherige Rektor Rainer Westermann und die neue Rektorin Hannelore Weber
Der bisherige Rektor Rainer Westermann und die neue Rektorin Hannelore Weber © Foto: dapd
dapd / 25.01.2013, 11:44 Uhr
Greifswald (dapd) Der Talar sitzt nicht perfekt. Der bislang ausschließlich Männern vorbehaltene Rektormantel rutscht Hannelore Weber ein bisschen von den Schultern. Doch die 57-Jährige hat sich vorgenommen, am kommenden Donnerstag trotzdem selbstbewusst und zuversichtlich in der traditionellen Robe zu ihrer Investitur in die altehrwürdige Aula der Universität Greifswald zu schreiten. Einen Tag später wird die aus Rheinland-Pfalz stammende Psychologieprofessorin zur ersten Rektorin der vor 556 Jahren gegründeten und damit viert ältesten Alma Mater Deutschlands ins Amt eingeführt. Vor ihr hatten 351 Männer das Amt inne.

Mit einer Frau an der Spitze präsentiert sich die kleinste deutsche Volluniversität modern. Zugleich aber hält sie - anders als viele anderen deutschen Hochschulen - an jahrhundertealten Traditionen fest. Während die meisten Unis nach der 68er Studentenbewegung ihre mittelalterlichen und etwas muffig anmutenden Rituale abgelegt haben, werden sie in Greifswald weiter hochgehalten. "Ich habe kein Problem damit, vor einem Zeremonienmeister das hohe Amt mit Rektorkette, Talar, Zepter und Rektorring anzutreten", sagt Weber. Eher dürfte die übliche Freibier-Party mit Studenten in der Mensa eine Herausforderung für die rheinländische Weinliebhaberin werden.

Weber übernimmt die rund 11.700 Studenten zählende Universität in einer schwierigen Zeit. Zwar hat ihr Vorgänger und Berufskollege Rainer Westermann in seiner zehnjährigen Amtszeit dafür gesorgt, dass die zuvor im Forschungsbereich eher unbedeutende Hochschule deutlich zugelegt hat und sich in Bereichen wie Plasmaphysik, Medizin, Geowissenschaften und Pharmakologie sogar Spitzenpositionen erkämpfte. Und in den bundesdeutschen Beliebtheits-Rankings liegt das beschauliche Greifswald bei Studenten seit Jahren ziemlich weit vorn, weil im Unterschied zu anonymen Massenuniversitäten hier der Professor seine Studenten meist noch beim Namen kennt. Doch die finanzielle Situation der nach der Uni Rostock zweitgrößten Forschungs- und Lehrreinrichtung im klammen Mecklenburg-Vorpommern bleibt angespannt.

Gemessen an den Landeszuschüssen pro Professur steht die Uni nur auf Platz 73 von 80. Zudem kämpft die Lehreinrichtung mit einem gigantischen Investitionsstau. Zwar wurden Hörsäle renoviert und ein moderner Campus mit Klinikum, Bibliothek und Mensa errichtet. Doch noch immer fehlen für Sanierung und Neubau bis 2019 mehr als 100 Millionen Euro. Das Land kann nur einen kleinen Teil davon stemmen. Die jährliche Steigerungsrate der Landeszuschüsse von 1,5 Prozent reiche bei weitem nicht aus, sagt Westermann angesichts steigender Personal- und Sachkosten und exorbitant wachsender Betriebskosten. "Um den Status Quo zu erhalten bräuchten wir zehn Prozent Zuschusserhöhungen." Und weil auch die Baupreise rasant steigen, fallen auch neue Projekte wie die jetzt beginnende Sanierung und der Umbau alter Kliniken im Stadtzentrum deutlich teurer aus.

Große Sprünge sind in der Ära der ersten Rektorin kaum zu erwarten. Sie wolle sich vor allem für die Förderung bestehender und neuer Forschungskooperationen einsetzen, kündigt die neue Chefin an. Denkbar seien weitere Projekte in den Bereichen Landschaftsökologie und Romanistik, sagt die 57-Jährige. Zudem wolle sie sich verstärkt für die Gewinnung des wissenschaftlichen Nachwuchses einsetzen. Andere lang gehegte Hochschulträume werden dagegen kaum in Erfüllung gehen, etwa die Einrichtung eines Universitätsmuseums. Immerhin will Weber die 16 einzigartigen wissenschaftlichen Sammlungen aus ihren verstaubten Archivdepots holen und der Öffentlichkeit in neuen Ausstellungsräumen präsentieren.

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