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Spurlos im Oderland verschwunden

Ralf Loock / 14.11.2009, 07:35 Uhr
Müllrose An diesem Sonntag gedenkt Deutschland seiner Gefallenen. Auch 64 Jahre nach Kriegsende sind viele Schicksale ungeklärt. So sucht Simone Schan Augenzeugen, die etwas über den Verbleib einer JU 52 berichten können, die am 30. Januar 1945 im Oderland verschwand.

Januar 1945. Die sowjetischen Truppen starteten am 17. Januar ihre Offensive Richtung Oder. Rasch erreichen die Regimenter Posen und Danzig. Ende Januar standen sie am Fluss. Viele Menschen in Ost- und Westpreußen, in Danzig und Pommern ergriff Panik, sie fühlten sich abgeschnitten. Eine Flucht über die Landstraßen erschien ihnen kaum möglich. Blieb der Seeweg. Oder ein Flieger. Karl Lyß, damals beim Bodenpersonal der Luftwaffe in Pillau/Ostpreußen tätig, hatte eine Idee. Eine Transportmaschine, eine JU-52 mit der Bezeichnung G 6-QV, die zur III. Transportgruppe 4 in Cottbus gehörte, hatte Fracht nach Danzig gebracht. Nun stand der Rückflug an. Da die Maschine leer war, nahm man 16 Zivilisten mit an Bord. Karl Lyß schaffte es, dass seine Frau Ada und die drei Söhne Ulrich (geboren 1939), Roland (1941) und Hartmut (1943) mit ausgeflogen werden sollten. Ziel war Cottbus, später sollte es weiter nach Bremen gehen. Doch die Maschine kam in Cottbus nie an. Sie ist an jenem 30. Januar 1945 irgendwo im Oderland verschwunden.

Karl Lyß ließ Frau und Kinder 1952 für tot erklären. Er sprach fortan nicht mehr über dieses tragische Ereignis, das ihn trotz seines Schweigens bis zu seinem Tode sichtbar mitnahm.

64 Jahre später. "Ich habe Karl Lyß noch kennengelernt. Er war der Bruder meiner Oma", berichtet die 39-jährige Simone Schan, die in Ganderkesee bei Bremen lebt. Sie erforscht die Familiengeschichte. Das am 30. Januar 1945 verschwundene Flugzeug beschäftigt sie besonders. "Ich suche Augenzeugen, die mir etwas zu dieser JU 52 berichten können", bittet sie um Mithilfe. In dem Gerichtsbeschluss zur Todeserklärung von 1952 heißt es u.a.: "Nach der hier vorliegenden Mitteilung des Suchdienstes Hamburg des Deutschen Roten Kreuzes vom 29. Februar 1952 ist das Flugzeug über Cottbus in einen Feindverband geraten und abgeschossen worden."

Doch wo ist das Wrack? Dazu fehlt bis heute jede Klarheit. Simone Schan hat in den vergangenen Jahren einige Informationen zu diesem Flug zusammengetragen. Der Pilot der Maschine war Oberfeldwebel Paul Mika, geboren in Hannover. Auch er gilt beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seit dem 30. Januar 1945 als verschollen.

Simone Schan erhielt aus Brandenburg den Hinweis, dass in den ersten Monaten des Jahres 1945 in Dubrow, dem späteren Truppenübungsplatz, noch von der Wehrmacht Wrackteile einer JU 52 geborgen worden waren. Besonders erstaunlich ist in diesem Zusammenhang ein Ausstellungsstück im Heimatmuseum Müllrose. Dort kann man in der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung ein Teil eines Höhenleitwerks einer JU 52 sehen. Doch woher stammt es, hat es etwa mit dem verschwundenen Flugzeug zu tun? Romy Werner vom Heimatmuseum Müllrose bedauert: "Leider kann ich dazu keine weiteren Angaben geben. Im Museum befinden sich keine Aufzeichnungen darüber." Allerdings habe sie doch einen kleinen Hinweis zur Herkunft, das Leitwerk soll bei Brieskow-Finkenheerd gefunden worden sein, berichtete Romy Werner.

Simone Schan will die Hoffnung noch nicht aufgeben, vielleicht findet sich sich ja doch noch ein Augenzeuge, der etwas zum Verbleib der JU 52 beitragen kann.

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