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Beim Ausbau des Kieferndamms gilt der massive Eingriff als unvermeidlich / Ersatzpflanzungen geplant

Schöneiche lässt 120 Bäume roden

Vertrauter Anblick - und bald Vergangenheit: der Kieferndamm im Ausbau-Bereich, hier nahe der Steinstraße. Die Bäume werden verschwinden - aber auch das Kopfsteinpflastert
Vertrauter Anblick - und bald Vergangenheit: der Kieferndamm im Ausbau-Bereich, hier nahe der Steinstraße. Die Bäume werden verschwinden - aber auch das Kopfsteinpflastert © Foto: MOZ/Eggers
Joachim Eggers / 27.01.2013, 19:44 Uhr
Schöneiche (MOZ) Ausgerechnet Schöneiche, der Ort, der sich als Waldgartenkulturgemeinde bezeichnet, lässt beim bevorstehenden Ausbau des Kieferndamms auf einem Teilabschnitt von 750 Metern 120 Bäume fällen.

Nach einer langen Planungsphase soll der grundhafte Ausbau des Kieferndamms im Abschnitt zwischen Prager und Woltersdorfer Straße im Juni beginnen. Die Straße ist Teil des sogenannten Südrings, der den Verkehr zwischen Rüdersdorf und Berlin-Rahnsdorf bündeln soll. Bisher ist nur ein kleiner Teil davon ausgebaut; auch nach Abschluss des jetzt bevorstehenden Bauabschnitts bleiben noch etwa 280 Meter Kopfsteinpflaster-Strecke bis zur Stockholmer Straße.

Vor dem Ausbau kommt aber ein massiver Eingriff in die Natur. Bis Ende Februar, wenn die Vegetationsperiode beginnt, sollen die Fällungen abgeschlossen sein, sagt Bürgermeister Heinricht Jüttner (parteilos). "Der gewohnte grüne Anblick der Straße wird zunächst verschwinden", so Jüttner. Von insgesamt 140 Bäumen im betreffenden Straßenabschnitt werden 20 besonders wertvolle Bäume erhalten, aber 120 werden gefällt. Alle erforderlichen Genehmigungen liegen vor, betont der Bürgermeister - ein Teil der Strecke unterlag dem besonderen Schutz als Allee.

Jüttner hebt hervor, dass die Gemeindevertretung und -verwaltung es sich bei der Entscheidung nicht leicht gemacht hätten; sie sei aber unvermeidbar. Geplant sind demnach ein beidseitiger Geh- und Radweg und die Versickerung des Regenwassers vor Ort. Das sei nicht vereinbar mit dem Wunsch, die Bäume zu erhalten. Auch hätten sie zum größten Teil die Standzeit erreicht, die ein Baum erleben könne. "Der Eingriff, den eine Baumaßnahme in seinen Kronen- und Wurzelraum bedeutet, ist so schwerwiegend, dass es nicht sicher ist, ob Bäume am Ende nicht doch eingehen", so Jüttner. Der Schutz wäre sehr teuer. Auch deshalb habe man entschieden, das Geld besser in eine Neupflanzung starker Bäume zu investieren.

Als Ersatz sollen 90 Bäume zwischen Woltersdorfer Straße und Heideweg neu gepflanzt und sieben Jahre lang gepflegt werden. Weitere 50 Bäume werden noch im Frühjahr an verschiedenen Orten im Gemeindegebiet gepflanzt, kündigt Jüttner an. Es bleibe ein Ausgleichsbedarf in Höhe 30 700 Euro. Dieser Betrag soll bald für eine sinnvolle ökologische Ersatzmaßnahme verwendet werden, die aber noch nicht feststeht.

Auch Thomas Fischer, Gemeindevertreter der Schöneicher Grünen, unterstützt den massiven Eingriff in den Baumbestand. "Es ist nicht richtig schön, aber es muss leider sein." Auch die Anlieger wollten "endlich mal etwas bewegt sehen". In der Gemeindevertretung hatte es jüngst noch einmal Streit um die Planung gegeben - aber nicht wegen der Bäume, sondern wegen der Radweg-Variante.

Das Straßenbau-Vorhaben soll rund 1,2 Millionen Euro kosten. 380 000 Euro sollen über Straßenausbaubeiträge und Kostenerstattungen zurückkommen. Am 6. Februar soll der Hauptausschuss in einer Sondersitzung über die Vergabe der Baumfällarbeiten entscheiden.

Wegen des hohen Alters der Schöneicher Bäume sieht Bürgermeister Jüttner ähnliche Konflikte noch öfter auf die Gemeinde zukommen.

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Sabine Fischer 31.01.2013 - 11:49:22

Kommunale Projekte

Guten Tag, als Mitglied von Bündnis89/DieGrünen und Einwohnerin von Schöneiche schreibe ich meine Gedanken zu diesem Thema nieder. Kontraproduktiv empfinde ich Schuldzuweisungen. Politik ist ein schwieriges Geschäft, weil es immer um viele unterschiedliche Sichtweisen geht und um viel gesetzliche Regelungen. In diesem hier diskutierten Fall, wurden bereits im Jahr 2006!!! alle Weichen gestellt. Und das empfinde ich als echtes Problem. Vor 7 Jahren.... warum brauchen wir so eine lange Zeitstrecke, bis der erste Spatenstich gemacht wird? Viele Einwohner von Schöneiche sind erst nach 2006 hierhergezogen (ich z.B.) Ausschußsitzungen habe ich auch zum Teil als Zuschauerin begleitet. Es waren immer extrem wenige Einwohner dabei. Ich werde dies aber nicht als Zeichen von "mangelnden BürgerInnen-Engagement" bewerten. Eher als nichtwissen und vielleicht auch als Verantwortung an die Gemeindevertreter abgeben. Es gibt eben zu viele Brennpunktthemen (Fluglärm z.B. , da waren viele BürgerInnen richtig engagiert dabei) und zu wenig Zeitfenster, um möglichst viele Bereiche erfassend zu begleiten. Seit 2011 haben wir endlich einen Bündnisgrünen Ortsverband gründen können. Dies ist ein erster Schritt zu mehr Vernetzung im Sinne von Informationsaustausch. Mit nur einer bündnisgrünen Stimme in der Gemeindevertretung, ist es schwer alle Ziele zu erreichen. In der Politik, so meine Beobachtung, braucht es einen langen Atem. Ich bin dafür viel zu ungeduldig. Die Fraktion Bündnis90/DieGrünen/FFW/Neues Forum, geniessen jedoch mein volles Vertrauen. Ich wünsche dieser Fraktion mehr Unterstützung durch die Einwohner/Einwohnerinnen von Schöneiche. Dafür bieten sich viele Veranstaltungen und Ansprechpartner in Schöneiche an. Nutzt sie bitte. Gruss Sabine Fischer

Thomas Fischer 30.01.2013 - 19:46:11

"Pro Baumschutz" ???

Sehr geehrter Herr Dr. Steiner, ich hatte seinerzeit mit und für meine Fraktion den Entwurf für eine eigene Baumschutzsatzung vorgelegt, die die bestehende Landesregelung, die zum Jahresende 2010 ausgelaufen wäre, hätte ersetzen sollen und insbesondere im Schutzumfang sehr viel umfassender und weitreichender gewesen wäre. In diesem Sinne, jawohl, ich bin sehr für einen wirklichen Baumschutz. Wenn ich es jetzt recht erinnere, hat es zur gleichen Zeit tatsächlich die von Ihnen erwähnte Initiative "Pro Baumschutz" gebildet, die aber mit echtem Baumschutz nicht viel am Hut hatte und später im BürgerBündnisSchöneiche BBS aufgegangen ist. Diese Leute und auch maßgeblich der Fraktionsvorsitzende der CDU/FDP in der GV, Herr Andreas Ritter hat sodann durch ein angezetteltes Bürgerbegehren diese von uns eingebrachte und von der Verwaltung übernommene Baumschutzsatzung zu Fall gebracht. Soviel zu meinem Engagement zum Thema Baumschutz. Was hier nun den Kieferndamm angeht, befinde ich mich in einem mehrfachen Dilemma: Erstens war ich bei den maßgeblichen B-Plan Verfahren in der letzten "Legislatur" kein Mitglied der Gemeindevertretung! Und vor allem: Hier wird wieder einmal der Spagat deutlich zwischen der reinen parteipolitischen "Grundsatzdoktrin" (absoluter Baumschutz) und dem Abstimmungsverhalten vieler anderer Gemeinderatsmitglieder in einem schwierigen baurechtlichen Planungsverfahren, was manchmal eben auch zu Kompromissen führt. Aber, auch das ist gelebte Demokratie. Sie werden dazu wohl eher eine andere Auffassung haben, die ich respektiere. Aber ich lasse mir nicht nachsagen, daß hier meine Glaubwürdigkeit auf dem Spiel steht. Ich hoffe, daß auch Sie das respektieren können. Viele Grüße Thomas Fischer

Thomas Fischer 30.01.2013 - 19:12:57

@ Herr Weitseher

Hallo Herr Weitseher, mit der "Weitsichtigkeit" bzgl. der Beschlußvorlagen, deren Inhalt Sie nicht so ohne weiteres kennen, und dem von Ihnen beschriebenen "Durchwinken" haben Sie in der Tat ein Problem angesprochen. Aber, dem helfen wir, meine Fraktion (bestehend aus Neuem Forum und Freiwilliger Feuerwehr) und ich ab! Und zwar in der jetzt kommenden Sitzungsrunde, wir haben eine entsprechende Beschlußvorlage eingebracht mit dem alleinigen Ziel, künftig alle Beschlußvorlagen ins Internet zu stellen, also auf einen dafür einzurichtenden Bereich auf der Homepage der Gemeinde. Damit können Sie sich als Internet-User und alle anderen auch zuhause in aller Ruhe mit dem Inhalt der BV'en vertraut machen. Dies ist übrigens eine "Frucht" aus meinem Wahlkampf als Bürgermeisterkandidat, ich hatte mich ja für mehr Transparenz eingesetzt. Zum Thema "Kieferndamm" zurück, ich war und bin skeptisch, ob wir als Gemeindevertretung eine jahrelange Planung mal so einfach eben "umschmeißen" können. Ich denke, da hätten wir mindestens bei den Anliegern des Kieferndamms ein echtes Vermittlungsproblem. Viele Grüße Thomas Fischer

Dr. Andreas Steiner 30.01.2013 - 19:04:40

Leute, wehrt Euch!

Hallo Herr Fischer, Ihre Ausführungen zum Thema und an mich gerichtet sind umfassend. Sie überzeugen mich aber nicht, dass Sie gewillt sind, wie ein aufrechter Grüner im Sinne des Baumschutzes zu handeln und sich zu bemühen, fortschrittliche bauliche Alternativen aufzuzeigen, trotz begrüßenswerter Modernisierung des Kieferndammes den alten Alleebaumbestand zu erhalten. Es ist ernüchternd, stattdessen übernehmen Sie vorgekaute Tabula-Rasa-Pläne der Stadtverwaltung. Waren Sie nicht Mitbegründer bzw. Unterstützer der Initiative Pro Baumschutz? Weiterhin haben Sie seinerzeit als Bürgermeisterkandidat das Wahlversprechen „Schöneiche soll grüner werden“ geprägt. Bezog sich dieses etwa nicht auf öffentliches Grün, sondern lag Ihnen vielmehr daran, mehr Wählerstimmen für Ihre grüne Partei zu erlangen? War das alles nur Wahlkampfgeplänkel für den honorigen Bürgermeisterposten? Herr Fischer, Ihre Glaubwürdigkeit als Kommunalpolitiker steht auf dem Spiel! An Alle: Da es im vorliegenden Fall scheinbar 5 vor 12 ist, kann ich denjenigen, die eine alternative Straßenplanung anstreben und die die Hoffnung darauf noch nicht aufgegeben haben empfehlen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören eine massive Penetranz und Repräsentanz in den Ausschüssen des Stadtparlamentes sowie zu den monatlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung. Weiterhin Protestdemonstrationen am Kieferndamm mit Plakaten, Klagen gegen die Rodungen sowie eine einstweilige Verfügung (Einlegung von Rechtsmitteln) gegen diese Fehlplanung. Die Naturschutzverbände müssen eingebunden werden. Was sagen denn der regionale NABU und BUND zu diesem geplanten Baummassaker? Segnen die das etwa ab? Die Gegenmaßnahmen können vielfältig sein. Je mehr Presserummel, um so besser. Ich erinnere mich noch an die Baumbesetzungen in der Allee Rüdnitz-Danewitz im Barnim, die hilfreich durch Robin Wood unterstützt wurden. Leute, wehrt Euch! Es kann nicht sein, dass die kommunalen Verwaltungen so wenig Transparenz gegenüber den Bürgern zeigen und die Anwohner bei Stadtplanungen immer vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

"Weitseher" 30.01.2013 - 18:00:00

@ Herr Fischer

… jetzt wissen Sie warum „Weitseher“ … Mit einer solchen Reaktion habe ich gerechnet. Bei der „Verwaltung“ bekomme ich eine ebenso schwammige Aussage wie bei Ihnen…. An den öffentlichen Ausschusssitzungen kann man nur als Zuhörer teilnehmen und wenn einem die „öffentliche“ Vorlage nicht bekannt ist, kann man kaum dem Thema folgen…. (an der Stelle bitte mal über den Begriff Sachlichkeit nachdenken, denn dieser wird schnell gebraucht, wenn das Wissen des Anderen unbequem wird) Wenn die Vorlage bei der GVV angekommen ist, gibt es nur ein kurzes Geplänkel und wird ohne weitere Erläuterung für den „Zuhörer“ durch gewunken. Zumal dann soviel Zeit ins Land gegangen ist (wie Sie selbst bemerkt haben), dass dann bei Ankündigung entsprechender Maßnahme, sich niemand mehr daran erinnern kann, was überhaupt beschlossen wurde. Im schlimmsten Fall die entsprechenden Beschlüsse teilweise nicht mehr den aktuellen Bedingungen gerecht werden. Zum Thema Kieferndamm wäre doch ein entsprechender Antrag (oder Beschlussvorlage) durch die Fraktion Bü´90/Grüne eine Maßnahme. Ich denke, dass sich noch mehr Gemeindevertreter für eine abgespeckte Variante des Ausbaus entscheiden würden. Somit Vielleicht auch kostengünstiger für Gemeinde und Anlieger, jetzt und in Zukunft….

Thomas Fischer 30.01.2013 - 15:32:51

Hallo Herr "Weitseher"...

... diesmal nur ganz kurz, weder kenne ich Gerüchte um eine angebliche Umwandlung von Teilen des Märchenwaldes in Bauland noch gar irgendwelche Planungen dazu. Mich hat auch keine Anfrage dazu erreicht. Fragen Sie doch bei der Verwaltung nach. Und zum Thema LIDL, die Verwaltung hat verschiedene Varianten einer Bauleitplanung erarbeitet, die demnächst in der nächsten Sitzungsrunde in allen Ausschüssen und danach in der Gemeindevertretung selbst erörtert werden. Das wird ein Schritt von vielen weiteren sein, die dann vielleicht einmal in der tatsächlichen Erstellung eines Bebauungsplans münden. Ich hatte es schon ausgeführt, diese Ausschußsitzungen sind öffentlich, gehen Sie hin, machen Sie sich selbst ein Bild davon, dann können Sie vielleicht ihre "Alarmglocken" wieder abstellen. (Auch Lärm kann krank machen ;-) Und mal im Ernst, wieso sollten Sie für eine vernünftige und qualifizierte Argumentation Hasstiraden ernten? Ich persönlich finde es schade, wenn sich engagierte Bürger nicht namentlich zu ihrer Überzeugung bekennen. Unsachliche Äußerungen fallen doch eher auf den Urheber zurück. Mit freundlichen Grüßen, Thomas Fischer Gemeindevertreter für Bü90/Grüne

"Weitseher" 30.01.2013 - 15:11:07

Allen Bemühungen zum Trotz

Vielen Dank für die vielen vernünftigen Stimmen für den Erhalt der Bäume und des für Schöneiche charakteristischen Straßenbildes. Ein normaler Ausbau in Form der Änderung des Straßenbelags und den Beibehalt der 30´ßiger Zone würde vollkommen ausreichen um Anwohner, Autofahrer und Umwelt zu schonen. Stattdessen erfolgt eine unnütze Erweiterung um viele Meter in die Breite. Das schädigt natürlich die Wurzeln und den Standplatz alter Bäume. Mal abgesehen davon, dass zu beiden Enden des Ausbaus die Fortführung von Rad und Gehweg fehlt. (Im übrigen wird in Berlin seit Jahren dafür gesorgt, dass die Verkehrsflächen für PKW kleiner werden.) Zu Herrn Fischer (Grüne???)kann ich nur sagen, dass ich bis heute keine Aussage darüber bekommen habe, ob etwas an den Gerüchten dran ist, dass Teile des Märchenwaldes in Bauland umgewandelt werden sollen. Bei der Erstellung des B-Plans für das alte Gutsdorf im Zusammenhang mit Lidl gehen bei mir alle Alarmglocken an. Aber auch von dieser Planung wird man nichts mitbekommen bis es zu spät ist. Soviel zur Transparenz…. Aus Gründen des Vorwurfs von „Hasstieraden“ melde ich mich hier nur als Synonym. @ Herr Brandes: Vielen Dank für die Einladung. Aber solange es durch ständiges Ignorieren, Hinhalten und durch Pseudobeteiligungen nur zur Verarschung des Bürgers kommt, werde ich mich auf meine Art und Weise am Baumschutz beteiligen aber nicht zusammen mit dem Gemeindevertreter Herrn Fischer (welchem Bündnis er auch immer angehören möge). Sonst schätze ich Ihre persönliche Arbeit zu diesen Themen. MfG

Thomas Fischer 30.01.2013 - 14:19:36

Ja, was sind das mittlerweile bloß für Grüne...

Sehr geehrter Herr Dr. Steiner, … das frag ich mich auch manchmal, aber im Ernst bzw. zur Sache: meine Äußerung, die Sie besonders heftig kritisieren, ist in der Tat während eines längeren Telefonats mit dem Redakteur gefallen und ich habe keineswegs die Absicht, mich hier irgendwie herausreden zu wollen nach dem Motto: „… aus dem Zusammenhang gerissen oder ähnlich“. Ich habe in diesem Gespräch erläutert, daß dem demnächst erfolgenden Ausbau umfangreiche Planungen und Beteiligungen der Öffentlichkeit wie auch der Fachbehörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange vorausgingen. Dies ist bei jedem Bauplan-Verfahren gesetzlich vorgeschrieben und insbesondere werden dabei die Anwohner und alle sonst Interessierten mit ihren Einwänden und Vorschlägen individuell im Abwägungsverfahren berücksichtigt. Diese Abwägungsverfahren, ich betone es noch einmal, finden nicht hinter verschlossenen Türen, geheim, in irgendwelchen Hinterzimmern statt, sondern sind öffentlich und finden auch rege Beachtung in der öffentlichen Berichterstattung. Das scheint allerdings, bei allem Respekt, bei einigen, die das Thema jetzt „entdeckt“ haben, vorbei gelaufen zu sein. Und eben falls möchte ich in Erinnerung rufen, daß dieses Verfahren bereits in der letzten Gemeindevertretungsperiode bis 2008 gelaufen ist, dieser Gemeindevertretung habe ich noch nicht angehört, ich bin erst im Jahr 2008 nach Schöneiche gezogen. Abschließend noch ein paar inhaltliche Bemerkungen. Auch ich favorisiere Radstreifen, die auf der Fahrbahn der Straße verlaufen. Das setzt allerdings ein Straßenprofil voraus, was erheblich breiter wäre, als die jetzt geplante Ausbaumaßnahme und hätte noch weitergehende Eingriffe in die Natur bzw. den Baumbestand zur Folge gehabt. Der Kieferndamm in diesem Bereich gehört zum Einzugsgebiet der Bürgel-Schule in der Prager Str., ich habe mich bei meiner Zustimmung in der Gemeindevertretung auch von Argumenten der Eltern leiten lassen, die ihre Kinder im Grundschulalter (!), die aus dem Gebiet des Höhenweges, der Seitenstraßen des Kieferndamms und aus Hohenberge mit dem Rad kommen, aus Gründen eines (zugegeben) subjektiven Sicherheitsempfindens nicht auf einem Radstreifen auf der Fahrbahn sehen wollen, auf der neben PKW’s auch Busse und LKW’s im Begegnungsverkehr fahren. Man könnte noch viele weitere Argumente anführen, die sich teils widersprechen, die aber alle abgewogen werden mußten. Aber ich will den Rahmen hier nicht noch weiter sprengen. Ich will aber auch einmal ganz klar eine Lanze brechen für die lärmgeplagten Anwohner des Kieferndamms, die seit vielen Jahren auf den Ausbau warten und immer wieder vertröstet wurden und ja, das sage ich auch als Grüner(!), eine Lanze brechen für den Durchgangsverkehr nach Woltersdorf und Rüdersdorf, der ja jetzt auch schon diesen „Südring“ nutzt und weiter nutzen wird und dadurch auch jede Menge Durchgangsverkehr aus den Seitenstraßen des Kieferndamms heraushalten wird. Sie sehen, man kann sich die Argumentation auch leicht machen. Thomas Fischer Gemeindevertreter für Bü90/Grüne

Dr.-Ing. Hans-Joachim Schlaak 29.01.2013 - 23:57:22

Wird es wirklich leiser?

Das Kieferndamm-Pflaster ist zweifellos eine Tortur für Autofahrer - aber für die Anwohner wird‘s mit dem neuen Straßenbelag nicht leiser. Ich habe den Verkehrslärm am Kieferndamm gemessen. Die dort mit 30 km/h über das Kopfsteinpflaster fahrenden Pkw’s und Lkw’s erzeugen die gleichen Lärmpegel wie mit Tempo 50 über eine Asphalt-Straße fahrende Kraftfahrzeuge. Da aber mehr Leute die ausgebaute Straße benutzen werden, kann es kaum leiser werden.

Stefan Brandes 29.01.2013 - 22:00:39

Danke...

für die Unterstützung. Wir haben leider nur einen grünen Gemeindevertreter. Nicht alle Schöneicher Bündnisgrünen unterstützen die Abholzung. Wir haben auch versucht, etwas dagegen zu unternehmen. Leider haben wir zu spät mitbekommen, in welchem Ausmaß das Landschaftsbild durch die geplante Sanierung verändert werden soll. Wir freuen sehr, wenn Sie uns zukünftig beim Baumschutz unterstützen möchten! Sie finden uns per google oder morgen und jeden letzten Mittwoch ab 19.00 im "Erlkönig".

Dr. Andreas Steiner 29.01.2013 - 18:17:01

Denn sie wissen nicht was sie tun...

Brandenburg ist baumfeindlich, dies zeigt sich leider allerorts. Seit der Wende wird hier „auf Teufel komm raus“ abgeholzt. Aus welchen Gründen soll am Kieferndamm ein beidseitiger Rad- und Fußweg, die Betonung liegt auf beidseitig, gebaut werden? Ist denn so viel Luxus notwendig? Haben die Kommunen, die stets über leere Kassen klagen, doch noch so viel Geld, sich solche Luxusplanungen zu leisten und langfristig zu unterhalten? Eine Erneuerung der Straße mit Wegfall des Kopfsteinpflasters und die Schaffung einer Regenversickerung könnten auch baumschonend - beim Verbleib der Bäume - erfolgen. Bürgermeister Jüttner bedient ein häufig verwendetes, abgedroschenes Argument, welches den Wert der stattlichen Bäume herabsetzen soll: Die Bäume hätten ihre Standzeit erreicht! Um sie ist es also, so interpretiere ich seine Argumentation, nicht schade. Dass dem nicht so ist, weiß er wahrscheinlich selbst am besten. Eine Schande insbesondere, dass ein Grüner, Thomas Fischer, diese Abholzungen unterstützt. Sein Spruch: „Es ist nicht richtig schön […] klingt für einen Naturfreund wie Hohn in den Ohren. Weshalb hat er sich nicht um tragfähige Alternativen der Bauplanung bemüht? Was sind das mittlerweile bloß für Grüne... Schade auch, dass die Anwohner sich gegen die Fällungen und somit gegen die Verschandelung ihrer Straße nicht zur Wehr setzen. Erst wenn die Bäume weg sind, werden sie merken, dass sich ihre Lebens- und Wohnqualität mit dem neuen Straßenbild deutlich verschlechtern wird. Eine solch schöne Allee vor Ihrer Tür erleben werden sie zu Lebzeiten nicht mehr.

Stefan Brandes 28.01.2013 - 21:33:35

Tausche Bäume gegen Rennstrecke

Muss das wirklich sein? Die Anwohner beschweren sich über den Verkehrslärm auf dem Kopfsteinpflaster und wollen deshalb den Ausbau. Das ist verständlich. Allerdings soll bei der Gelegenheit die Tempo-30-Beschränkung auf der Straßenaufgehoben werden und selbst die Verwaltung befürchtet, dass die neue Begrenzung von Tempo 50 nicht eingehalten wird. Damit wird die Straße zur Rennstrecke wie jetzt schon die Forststr. oder die Woltersdorfer. Wird es dann wirklich leiser? Zumal die Bäume als natürlicher Lärmschutz wegfallen. Die Radfahrer werden dabei hinter den parkenden Autos bei den Fußgängern versteckt. Das gibt vielen ein subjektives Sicherheitsempfinden, ist allerdings sehr gefährlich, weil Autofahrer oft nicht mit den Radlern rechnen und es auf solchen separaten Radwegen oft zu Abbiegeunfällen kommt. Deshalb werden solche Radwege in Berlin und Potsdam seit Jahren überhaupt nicht mehr neu gebaut. Auch in Schöneiche wird es laut der unteren Verkehrsbehörde wohl keine Benutzungspflicht für diesen Radweg geben. Es gab Stimmen in der Gemeindevertretung, die Planung, die seit 2007 nicht angefasst wurde, mit diesen Argumenten noch einmal zu überdenken. Aber die Mehrheit hat sich für den schnelle Kahlschlag entschieden. Schade.

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