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Clooney will nach Rüdersdorf

 Beliebte Kulisse: Das Rüdersdorfer Chemiewerk wird immer wieder für Film- und Fotoaufnahmen genutzt - hier für einen ZDF-Krimi. Die Industrieruine gehört einer Kölner Erdbau- und Transportfirma
Beliebte Kulisse: Das Rüdersdorfer Chemiewerk wird immer wieder für Film- und Fotoaufnahmen genutzt - hier für einen ZDF-Krimi. Die Industrieruine gehört einer Kölner Erdbau- und Transportfirma © Foto: GMD/Gerd Markert
Andreas Wendt / 28.01.2013, 21:00 Uhr - Aktualisiert 28.01.2013, 22:11
Rüdersdorf (MOZ) Szenen des neuesten Filmprojekts von Oscar-Preisträger George Clooney werden in der Ruine des alten Chemiewerks in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) gedreht. Ein Gutachten listet bis Mitte Februar die Sicherheitsrisiken in der Industriebrache auf.

Geht es nach Andreas Kirscht vom Rüdersdorfer Ordnungsamt, kommt niemand auf das weitläufige Gelände der früheren Außenstelle des volkseigenen Betriebes Chemiewerk Coswig. Auch wenn er einen prominenten Namen wie Hollywoodstar George Clooney trägt, bei dessen Blick so manche Frau schwach wird. Andreas Kirscht macht da keine Ausnahme. "Das Objekt ist einsturzgefährdet, das ist hochgefährlich", warnt er.

Im Auftrag der Filmstudios Babelsberg untersucht derzeit Helmut Seiffarth die Standsicherheit der Ruinen, in denen bis 1989 Futterphosphat hergestellt wurde und das seitdem beliebte Kulisse für Film- und Fotoaufnahmen ist. Vor zwölf Jahren entstanden hier Szenen des Kriegsfilms "Duell - Enemy at the Gates". Nun will George Clooney an gleicher Stelle Teile seines Weltkriegsdramas "The Monuments Men" umsetzen. In den Babelsberger Filmstudios bestätigt das niemand. "Zu möglichen Drehorten äußern wir uns nicht, egal ob es sich um einen kleinen Studentenfilm oder einen bekannten Regisseur handelt", wiegelt Sprecher Eike Wolf konkrete Nachfragen ab und verweist auf Produzent Clooney, der am Wochenende mal hier, mal dort mit seinem Fotoapparat auf Motivsuche gesichtet worden ist. Natürlich kämen für einen solchen Film diverse Orte in Frage - "das heißt aber nicht, dass wir das am Ende auch wirklich nehmen."

Zumindest Gutachter Seiffarth ist ziemlich fest davon überzeugt, dass in der Rüdersdorfer Industriebrache auf jeden Fall gedreht wird. "Mein erster Eindruck: das klappt", sagt der Berliner, der nicht zum ersten Mal mit den Filmemachern aus Babelsberg zusammenarbeitet. Und wenn seine Untersuchungen zu einem anderen Ergebnis kommen? "Dann müssen wir schauen, welche Sicherheitsauflagen nötig sind", sagt er. Die eindringliche Warnung des Rüdersdorfer Ordnungsamtes kann er verstehen. Er würde wohl genauso handeln, wenn er in der Behörde sitze. Unabhängig davon, ob sich mit Cate Blanchett, Matt Damon oder Bill Murray und natürlich dem großen George ausgerechnet die Creme de la creme der internationalen Filmbranche unter der wackeligen Ruine versammelt. Und zwischen März und Mai Clooneys bislang größten Film mit einem Etat von bis zu 80 Millionen Dollar dreht.

Handeln wird "The Monuments Men" von einer britisch-amerikanischen Spezialeinheit, die Kunstschätze aus Europa vor dem Zugriff der Nazis in Sicherheit bringen will. Gedreht wird Medienberichten zufolge nicht nur im Studio Babelsberg, sondern zugleich an Originalschauplätzen wie dem Berliner Dom. Und vermutlich auch in Rüdersdorf, wo zur Jahrtausendwende auf dem Gelände des ehemaligen Futterphosphatwerkes einer der größten Umweltskandale Brandenburgs aufgedeckt worden war: Aus rund 80 undichten Fässern, die auf dem Areal neben dem Museumspark lagerten, sickerte Öl ins Erdreich und in Gullys. Zudem stießen Ermittler auf ein komplett ausgestattetes Chemielabor mit hochgiftigen Substanzen. "Vieles wurde gesprengt, aber im Boden sind auch eine Menge Löcher", begründet Andreas Kirscht aus dem Rüdersdorfer Rathaus das von ihm verhängte Betretungsverbot.

Der Verwalter des eingezäunten Objekts spricht dagegen von anrüchigen Schauermärchen, die über das ehemalige Werk verbreitet und so nicht stimmen würden. Und er verrät, dass neben dem Statikgutachten mittlerweile Erdproben entnommen wurden und sich auch ein Sicherheitsexperte von Sony schon auf dem Areal umgesehen hat. "Wir sind mitten in der Vorbereitungsphase", sagt er.

Die Dreharbeiten selbst dürften in aller Stille stattfinden. "Wir kommen schnell und leise, drehen und sind auch schon wieder verschwunden", umschreibt Babelsberg-Sprecher Wolf die gängige Praxis. Zuschauer sind erst im Kino erwünscht.

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