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Lesung mit Isabel Garcia im Biesenthaler Rathaus

Antikoloniale Literatur

Andächtig: Aufmerksam verfolgten die Zuhörer die Lesung von Isabel Garcia in der Galerie im Rathaus Biesenthal
Andächtig: Aufmerksam verfolgten die Zuhörer die Lesung von Isabel Garcia in der Galerie im Rathaus Biesenthal © Foto: Renate Parschau
Renate Parschau / 28.01.2013, 23:19 Uhr
Biesenthal (rp) "Wer ist überhaupt dieser Jesus? Ich kenne ihn nicht", wettert der Häuptling der Saba aufgeregt. Schließlich wäre der noch nie hier bei ihm gewesen. Dafür war gerade der Missionar gekommen und hatte seinen Stammesleuten das Schlagwerk zerstört. Aber das werde er nicht noch einmal machen, droht er. Umbringen werde er jeden, der so etwas tut.

Der katholische Pater hat es nicht einfach im Kamerun der 1930er Jahre. Erst tanzen diese Leute wie die Wilden bei Mondschein, trommeln wie toll drauf los, haben an die drei, vier Frauen nebeneinander und entsprechend viele Kinder, keine Zeit für die Kirchenarbeit, zahlen nicht einmal Kirchengeld. Und das, obwohl die Kakaoernte gut war, es den Leuten gut geht und in manchen ihrer Hütten sogar Radios und Grammophonspieler stehen. Aber er ärgert sich auch über die französischen Kolonialbeamten.

Straßen und Eisenbahnen wollen sie bauen - das ist gut. Doch nicht, wenn dazu die Einheimischen zwangsverpflichtet werden. Ein ebenso differenziertes wie anschauliches Bild ist es, das der gebürtige Kameruner Mongo Beti (1932-2001) da zeichnet.

Isabel Garcia begann die Lesereihe "Das eingeschränkte Leben" der Galerie im Rathaus Biesenthal am Freitagabend mit "Antikolonialer Literatur afrikanischer Schriftsteller" mit einem umfänglichen Auszug aus Mongo Betis Roman "Der arme Christ aus Bomba". Ebenfalls mit den - mitunter wunderlichen und gewöhnungsbedürftigen - Sitten und Gebräuchenseiner Landsleute in Kamerun setzt sich Ferdinand Leopold Oyono (1929-2010) auseinander. Der studierte Philosoph und Diplomat wirkte unter anderem als Kulturminister seines Landes. Ein visionäres, poetisch überhöhtes Bild des Senegal hingegen zeichnet der Senegalese Ousmane Sembene (1923-2007). Aus einfachen Verhältnissen stammend und ohne universitäre Bildung, arbeitete er beispielsweise als Hafenarbeiter, wurde später zum Vater des afrikanischen Films und beschreibt in "Gottes Holzstücke" den Eisenbahnerstreik von 1947.

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