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Teilnehmer des Regioforums fordern Erhalt bisheriger Linien über Eberswalde nach Berlin

Wriezen braucht direkte Bahnanbindung

Engagierter Meinungsaustausch: Denny Amstutz (2.v.r.) ist in Bad Freienwalde aufgewachsen und hofft mit seinem Regioforum Anstöße zu geben für eine Entwicklung der Region.
Engagierter Meinungsaustausch: Denny Amstutz (2.v.r.) ist in Bad Freienwalde aufgewachsen und hofft mit seinem Regioforum Anstöße zu geben für eine Entwicklung der Region. © Foto: Sören Tetzlaff
Christina Schmidt / 02.02.2013, 08:00 Uhr
Wriezen (MOZ) Die Anbindung des Oderbruchs mit Bus und Bahn an die Metropole Berlin war am Mittwochabend das Thema einer Diskussionsrunde in Wriezen. "In 60 Minuten Berlin Hauptbahnhof - Vision oder Zukunftsstrategie?" lautete das Motto des "Regioforums".

Rein ins Oderbruch oder wieder raus in Richtung Berlin - wer keinen fahrbaren Untersatz hat, der muss sich auf Bus und Bahn verlassen. Und dafür häufig umsteigen und Zeitverzögerungen hinnehmen. Dabei kann eine gute Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Standortvorteil für die Region sein, wie Denny Amstutz, Initiator des Regioforums, immer wieder betont. Kurze Wege seien gerade für Pendler entscheidend, um sich im Oderbruch anzusiedeln, und nicht zuletzt Touristen anzulocken. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Region weiter abgekoppelt wird", appelliert er zur Einleitung an einen kleinen Kreis von Zuhörern, darunter Wriezener Stadtverordnete und Gewerbetreibende sowie Vertreter der Arbeitsagentur.

Es erscheine illusorisch, dass die Ortsumgehung von Wriezen, im Volksmund auch Meyer-Trasse genannt, zurückgeschraubt werde, um die Stadt so wieder mit einem direkten Bahnanschluss zu versorgen, zweifelt so etwa SPD-Stadtverordnete Karla Stumpe. "Es geht mir nicht darum, Luftschlösser zu bauen, aber wir müssen wenigstens dafür kämpfen, dass die vorhandene Anbindung nicht auch noch wegfällt", entgegnet Amstutz.

Derzeit nutzen Berlin-Reisende die Strecke von Eberswalde, um nach Frankfurt (Oder) oder in die Hauptstadt zu gelangen. In Richtung Berlin können Passagiere entweder den Regionalexpress zum Hauptbahnhof oder aber die Regionalbahn (RB) nach Berlin-Hohenschönhausen oder Lichtenberg benutzen. Das Umsteigen und die damit verbundenen Übergangszeiten inklusive. Nahtlose Übergänge könnten künftig in noch weitere Ferne rücken, denn mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014, hat Amstutz vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) erfahren, wird die Linie RB 60 nur noch zwischen Eberswalde und Frankfurt (Oder) verkehren. Eine neue Linie soll den Abschnitt Eberswalde - Berlin-Lichtenberg abdecken. Eine Durchbindung nach Wriezen wird es in jedem Fall nicht geben, heißt es vom VBB.

Für Amstutz, und einige andere Anwesende, ist das ein negatives Signal für die Region. Der Wriezener Bernd Höhne kritisiert, dass bei der Ausarbeitung des regionalen Entwicklungskonzeptes, an dem die beiden Städte Wriezen und Bad Freienwalde ebenso beteiligt sind wie die Ämter Barnim-Oderbruch und Falkenberg-Höhe, der Nahverkehr zu kurz kommt. "Die Amtsträger sollten den gleichberechtigten Ausbau von Bahn und Bus dringend vorantreiben", sagt er. Effektiv seien die Forderungen aber nur, wenn, so Astrid Goschin von der Wirtschaftsgemeinschaft Bad Freienwalde, auch mehr Menschen den Zug als Transportmittel nutzen. "Zum Beispiel durch den Schülerverkehr, aber auch insgesamt müssen wir mehr Werbung machen für die Bahn", appelliert sie.

Wriezens SPD-Vorsitzende Jutta Werbelow will erfahren haben, dass sich ein privater Investor für die Bahnstrecke Tiefensee-Wriezen interessiert. "In diesem Fall wäre eine Anbindung nach Berlin da, aber man muss sich vor Augen halten, welches Ausmaß an Investitionen und auch Zeit das bedeutet", führt sie an. Der Geschäftsführer der Bad Freienwalde Tourismus GmbH, Jens Lüdecke, ist ebenso wie viele der Diskutanten überzeugt, dass im Nahverkehr viele Entwicklungspotenziale brachliegen. Allein die Vermarktung von touristischen Angeboten, etwa über Wander- und Fahrradbahnhöfe wie sie andere brandenburgische Regionen bereits haben, sei erfolgversprechend.

Viel Anerkennung für sein Engagement, das Oderbruch trotz unterschiedlicher Interessen zu vereinen, erhielt Initiator Denny Amstutz. "Es ist wirklich toll, dass mit dieser Veranstaltung endlich mal etwas losgeht zwischen Bad Freienwalde und Wriezen. Es ist schon viel Potenzial verschenkt worden, obwohl wir nicht drum herum kommen werden zusammenzuarbeiten", sagt Freienwaldes Bauausschussmitglied Sybille Knospe. Die Folge: Die Abgeordneten beider Städte wollen sich in gemeinsamen Sitzungen annähern.

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Oderbruchbahner 03.02.2013 - 13:08:42

Sag niemals nie!

Oftmals ist es eine Frage des politischen Willens. Wenn ich den Einbau einer Brücke in die Ortsumgehung Wriezen von vorn herein als illusorisch abqualifiziere, heißt das übersetzt ich will nicht! Sicher lohnt es nicht allein wegen einigen 100 Fahrgästen, die von Berlin ins Oderbruch wollen. Doch möglicherweise gibt es ja auf polnischer Seite Interesse an einer Durchbindung nach Jädickendorf und weiter ins polnische Hinterland/ Ostseeküste. Wichtig wäre eine Nutzung für den Güterverkehr, was die Kosten für einen Grenzüberrgang Hohenwutzen- Süd sparen würde. Wenn z. B. die Zuckerrübentransporte in die Zuckerfabriken in Sachsen- Anhalt per Bahn statt per LKW abgewickelt würden, würde das ein Stückweit die Straßen schonen und die Reparaturintervalle verlängern. Möglicherweise ergibt sich mit der neuen EU- Richtlinie für den Bahnverkehr, die die Trennung von Netz und Betrieb beinhaltet neue Möglichkeiten- so kann privates Kapital in Bahntrassen fließen.

S. Mai 02.02.2013 - 18:50:08

Bahnfahrer

Man könnte zwar in Eberswalde die Anschlusszeiten verändern, aber entweder man wartet Richtung Lichtenberg oder Richtung Berlin Hbf. Die überdimensionierte Ortsumfahrung ist praktisch zum Sargnagel für die Direktanbindung nach Berlin geworden, wobei man allerdings auch einen Durchstich unter die Trasse machen könnte. Fragt sich nur wer das finanziert? Die Region zwischen Wriezen und Werneuchen wäre ja touristisch durchaus interessant und entwicklungsfähig.

a.duwe 02.02.2013 - 14:44:06

Endlich richtiger Impuls

Diesen Beitrag las ich mit großer Begeisterung, denn hier haben die Beteiligten endlich den richtigen Schritt in eine zukunftsorientierte Richtung gemacht. Ich hoffe der Gedanke unsere Region als Ganzes zu sehen und die vielen touristischen Attraktivitäten sichtbar und nutzbar zu machen, wird weiter in den Focus gesetzt, denn nur hier liegen unsere Chancen. Es funktioniert allerdings nur, wenn wir alle in einem Boot sitzen und persönliche Befindlichkeiten und Machtkämpfe außen vor lassen. Vielen Dank Herr Amstutz.

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