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Anwohner des Schöneicher Kieferndamms regen Verzicht auf einen Radweg an

Schöneicher wollen Kieferndamm-Plan ändern

Joachim Eggers / 05.02.2013, 07:49 Uhr
Schöneiche (MOZ) Der bevorstehende Ausbau des Kieferndamms schlägt in Schöneiche Wellen - und zwar nicht nur, weil dabei 120 Bäume fallen sollen. Am Mittwoch und am Donnerstag wird es Anliegerversammlungen geben.

Gisela Paschke hat sich informiert. Die 80-jährige Schöneicherin kennt ihr Umfeld genau und beobachtet, was sich vor ihrem Grundstück im Kieferndamm so tut. Die Kinder aus der angrenzenden Demos-Siedlung Hohenberge würden gar nicht in großer Zahl mit dem Fahrrad in die Schule an der Prager Straße fahren. Und diejenigen, die es tun, würden ohnehin auf der nördlichen Straßenseite fahren. "Ein Radweg auf einer Seite reicht", ist Gisela Paschke überzeugt. Sie habe sich bereits mit den Nachbarn abgesprochen: Bei der Einwohnerversammlung am Mittwoch soll dieser Vorschlag vorgetragen werden.

Günther Severin, der einige Häuser weiter wohnt, gehört nicht zu den Nachbarn, mit denen Gisela Paschke abgestimmt hat. Er ist aber der gleichen Meinung und verweist auf die Weigerung Berlins, einen beidseitigen Radweg im nächsten Bauabschnitt zuzulassen. "Wenn der Radweg nicht durchgezogen werden kann, dann hat das doch sowieso keinen Zweck", meint Severin. Ein Radweg weniger - das könnte den Ausbau billiger machen, sagt der Schöneicher und ist damit bei einem Punkt angelangt, der viele Bürger brennend interessiert: die Kosten. Die treiben auch Angela und Jürgen Henkel um, die den Ausbau ansonsten durchaus befürworten. Wie viele andere Anwohner auch sind sie die aktuelle Situation mit den riesigen Pfützen - am verregneten Montag sehr zu gut zu beobachten - gründlich leid.

Dass auf 750 Metern 120 Bäume gefällt werden sollen, sieht Jürgen Henkel nicht als das ganz große Problem. Er kann die amtliche Begründung, dass viele Bäume alt seien, durchaus nachvollziehen. "Die Birken sind doch nichts wert. Und die große Eiche bei uns vor dem Haus wird erhalten."

Was mit den Kosten wird - das dürfte auch noch davon abhängen, ob die Gemeinde noch Antwort aus Potsdam bekommt. Seit vielen Jahren hat sich Schöneiche um Fördermittel für diesen Straßenausbau bemüht. "Ich habe zuletzt noch an den Minister persönlich geschrieben", sagt Bürgermeister Heinrich Jüttner. Mit dem damaligen Staatssekretär Rainer Bretschneider habe er schon zusammengesessen - bisher alles vergebens. "Es gibt nicht einmal eine Ablehnung, einfach keine Antwort", sagt Jüttner. Sehr optimistisch ist er daher nicht: "Ich gehe davon aus, dass es nichts gibt."

Dem langsamen Mahlen der behördlichen Mühlen schreibt er es auch zu, dass erst jetzt ausgeführt werden kann, was schon vor drei und vier Jahren geplant wurde. Weil die Berliner Forsten jedweden Eingriff in ihr Gelände verweigert haben, musste der Ausbau des Kieferndamms in zwei Abschnitte unterteilt werden - einer, der an Berlin angrenzt und wo ein Radweg auf der Südseite nicht möglich ist, und der jetzt zum Bau anstehende, der noch nicht an Berlin grenzt.

Kann jetzt noch auf der Grundlage von Beschlüssen gebaut werden, die mehrere Jahre zurückliegen? Jüttner sieht da kein grundsätzliches Problem. Natürlich habe es in der Zwischenzeit Zu- und Wegzüge gegeben, "Deshalb machen wir noch einmal die Bürgerversammlungen." Im Juni soll Teil eins gebaut werden; Jüttner hofft, nächstes Jahr Teil zwei zu erledigen.

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1st.mike 11.02.2013 - 14:43:17

Aha, Herr Jütner hat dem Herrn Minister einen Brief geschrieben,

um Fördermittel für den Ausbau des Kieferndamms zu erhalten...und leider hat Herr Jüttner, trotz aller Bemühungen, keine Antwort erhalten, nicht mal eine Ablehnung. Nun ja, woran mag das liegen. Gilt nicht auch für den Herrn Bürgermeister der volle persönliche Einsatz, früher, "die volle Hingabe zum Dienst"? Hat man das ganze auf die leichte Schulter genommen oder findet Herr Bürgermeister einfach In Potsdam kein Gehör, weil es dort niemanden interessiert, was der Herr Bürgermeister zu berichten und zu beantragen hat? Ein Gemeindevertreter der sich - ohne überhaupt eine Antwort zu einer Anfrage zu erhalten - zufriedenstellen lässt, scheint leichte Anzeichen von Amtsmüdigkeit aufzuweisen. Paradox erscheint auch, den Kieferndamm in Schöneiche beidseitig mit einem Fahrradweg zu versehen, wohlwissend, dass der zweite Fahrradweg irgendwo hinter dem Heideweg im Nirvana endet. Was hätte der gute alte Goscinny dem dicken Obelix in die Sprechblase geschrieben? "Die spinnen die Schöneicher..."

Hans-Joachim Schlaak 05.02.2013 - 23:03:34

Schade!

Schade, dass im Artikel kein Kieferndamm-Anwohner das Fällen der 120 Bäume bedauert. Diese Bäume sind mehrheitlich noch nicht so alt und könnten noch lange Zeit Schatten spenden und das grüne Ortsbild erhalten.

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