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Eine Handvoll Kirche

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Mandy Timm / 20.11.2009, 05:41 Uhr
Kienitz Hohe Fensterbögen, ein geschwungenes Portal und ein Kirchenschiff - im Ganzen: Die Kirchengemeinde in Kienitz ist um eine Attraktion reicher. Sie hat jetzt ein Mini-Kirchenmodell. Mit viel Fingerspitzengefühl haben zwei Männer der Arbeitsinitiative Letschin monatelange daran gearbeitet.

Einen Grundstein mussten Armin Fey und Pierre Pillon nicht legen. Ihr Kirchenbau hält auch ohne Stein und Zement. Für die Mini-Kirche studierten beide Männer stattdessen alte Fotos, Texte und sogar Schieferplatten. Auf denen hatte die rührige Pfarrersfrau und Malerin Erna Roder ihre ersten Skizzen angefertigt. "Die Schieferplatten waren wichtig", erklärt Christiane Axmann, "weil die Männer dadurch wussten, mit welchem Material und welcher Farbe das Kirchdach einst gedeckt war."

Graue Schieferplatten - sie schützten früher also das Kienitzer Gotteshaus. Heute ist das Dach rot. Ihr kleines Abbild aber, die Kienitzer Mini-Kirche, hat wieder ein graues Dach bekommen. Und sogar ein komplettes Kirchenschiff. Nachdem die Kirche, so wie der Rest der Dorfes, nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche lag, standen nur noch der Kirchturm samt Spitze und die Grundmauern. 1951 begann der Wiederaufbau des Gotteshauses. Nach Plänen des Architekten Gustav Gebhardt und unter Leitung des Pfarrers Wilhelm Roder. Das Kirchenschiff wurde geteilt. Im oberen Teil entstand der Kirchensaal, unten eine Wohnung. Das hintere Schiff ist bis heute eine Ruine.

Armin Fey und Pierre Pillon von der Arbeitsinitiative Letschin haben seit Mai an dem Kirchen-Modell gearbeitet. Sie schauten sich die Kirche genauer an und erstellten erste Pläne im Maßstab 1 zu 35. Akribisch arbeiteten sie an dem Projekt. Die Modellbauer formten das Schiff, das Dach und aus schmaleren Stücken den Turm samt Spitze. Als die Einzelstücke ihrer Ansicht nach gelungen waren, leimten sie sie zusammen. "Wände mussten zugeschnitten und das Dach aus Feinwellpappe angefertigt werden", erklärt Christiane Axmann von der Arbeitsinitiative Letschin. "Der Grundriss war ziemlich schnell fertig. Aber die vielen, winzigen Details, die dauerten."

Besonders viel Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand brauchten die Männer bei der Bemalung der Fenster und Türen. Hilfreich waren da nicht nur die Modellbau-Kenntnisse von Armin Fey, sondern auch Hinweise von Zeitzeugen wie dem ältesten Gemeindeglied Karl Fürstenberg.

So wie die weiße Kirche der Pfarrersfrau Erna Roder mitten im Dorf nach und nach wieder aufgebaute wurde, soll nun auch das Modell die Aufmerksamkeit der Gemeindemitglieder und Gäste erlangen - vor allem aber Radtouristen. Denn die sollen noch häufiger nach Kienitz kommen, wünschen sich Kirche und Gemeinde. Es gibt bereits Pläne, offiziell Radfahrerkirche zu werden. Vorher stehen allerdings noch dringend Sanierungsarbeiten an. Das Gemäuer am Schiff ist nass, muss unbedingt trockengelegt und saniert werden. Schäden sind bereits sichtbar. Vor allem im hinteren Teil bröckelt Putz. Eine neue Heizung ist außerdem notwendig. Im Moment wärmt eine Ofenheizung den Saal.

Nach ersten Schätzungen kosten die umfangreichen Bauarbeiten der Kirchengemeinde etwa 150 000 Euro. Um sie zu finanzieren wird zurzeit ein Fördermittelantrag vorbereitet. Wann der Bau losgehen kann, steht allerdings in den Sternen.

Das Mini-Kirchenmodell ist unterdessen im Kirchensaal aufgestellt, sehr zur Freude von Frank Schneider. Der Pfarrer bedankte sich im Namen der Kirchengemeinde bei den Modellbauern und der Arbeitsinitiative für das kleine Kunstwerk, dass nun übergeben wurde. Die Idee dazu kam anlässlich der 775-Jahrfeier, die die Kienitzer dieses Jahr feierten.

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