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In der weltbekannten antiken Römerstadt am Golf von Neapel starten die Restaurierungsarbeiten

Pompeji darf wieder hoffen

Ein Besucher steht in Pompeji bei Neapel, Italien, zwischen wilden Hunden . Böse Zungen hatten die weltbekannte antike Römerstadt Pompeji in den vergangenen Jahren zum Symbol eines verfallenden Italiens ernannt. Misswirtschaft und Geldmangel, Kompetenzstr
Ein Besucher steht in Pompeji bei Neapel, Italien, zwischen wilden Hunden . Böse Zungen hatten die weltbekannte antike Römerstadt Pompeji in den vergangenen Jahren zum Symbol eines verfallenden Italiens ernannt. Misswirtschaft und Geldmangel, Kompetenzstr © Foto: dapd
dapd / 05.02.2013, 22:07 Uhr
Rom (dapd) Böse Zungen hatten die weltbekannte antike Römerstadt Pompeji in den vergangenen Jahren zum Symbol eines verfallenden Italiens ernannt. Misswirtschaft und Geldmangel, Kompetenzstreitigkeiten und Vandalismus schienen einen zweiten Untergang der wohl bedeutendsten Ausgrabungsstätte des Landes unausweichlich zu machen.

Und das zwei Jahrtausende nach dem Ausbruch des Vesuvs, der die römische Handelsstadt im ersten Jahrhundert nach Christus zwar im Ascheregen untergehen ließ, aber auch konservierte. Ein Absurdum, urteilte das kunstbeflissene In- und Ausland. Nun sollen am (morgigen) Mittwoch die lang erwarteten Restaurierungsarbeiten starten.

"Grande Progetto Pompei - Großes Projekt Pompeji" heißt der Fünf-Punkte-Plan zur Rettung der 66 Hektar großen Ausgrabungsstätte, den die Regierung von Mario Monti im vergangenen Mai präsentierte. Ganze 105 Millionen Euro stellte Italien gemeinsam mit der EU dafür bereit. 41,8 Millionen kamen aus Brüssel, 63,2 Millionen Euro aus Rom. Monate dauerten dann noch die Ausschreibungen der Regierung Montis, um bei der Vergabe nicht nur die höchstmögliche Effizienz und Transparenz, sondern vor allem auch Legalität zu garantieren.

Es galt, den Zugang zu der Stätte, die als Hauptattraktion der wirtschaftlichen Sorgen-Region Neapel gilt, für Besucher zu garantieren. Trotz seines schlechten Zustands empfängt Pompeji täglich an die 6.000 Besucher, die sich von der Geschichte der Stadt am Golf von Neapel faszinieren lassen wollen. Bis zu 25 Millionen Euro an Eintrittsgeldern fließen jedes Jahr in die Kassen der antiken Stätte - Geld, auf das weder Pompeji noch der angeschlagene Kulturhaushalt des hoch verschuldeten Italiens verzichten kann.

Die faszinierende Geschichte der begrabenen Stadt

Tatsächlich hat die Stätte eine faszinierende Geschichte. Im römischen Reich einst eine blühende Handelsstadt mit mehr als 10.000 Einwohnern, fiel Pompeji am 24. August des Jahres 79 nach Christus einem Ausbruch des Vesuvs zum Opfer, der nach Berichten von Zeitzeugen ganze 18 Stunden dauerte. Pompeji wurde samt den Nachbarorten Herkulaneum und Oplontis unter einer bis zu 25 Meter dicken Schicht aus Asche und Bimsstein begraben. Mindestens 2.500 Menschen wurden in einen grausigen Tod gerissen.

Doch die Katastrophe konservierte den Moment des Untergangs über Jahrhunderte. Erst 1748 wurde die antike Stadt wiederentdeckt und seitdem planmäßig ausgegraben. Seit 1997 gehören die archäologischen Stätten von Pompeji und Herkulaneum zum Unesco-Weltkulturerbe. Eindrucksvoll zeigen heute Zehntausende Ausstellungsstücke das Alltagsleben vor 2.000 Jahren. Wandmalereien und Statuen erzählen von Luxus und Wohlstand, Gipsabdrücke der Asche-Leichen halten den plötzlich Tod der Menschen von damals fest. Kein Wunder, dass die Geschichte bis heute Tausende fasziniert. Kein Wunder, dass so viele die Stadt vor einem zweiten Untergang bewahren wollten.

Restaurierung von Camorra bedroht

Doch der Restaurierungsplan sollte auch "jede kriminelle Infiltration" verhindern, mit anderen Worten: ein Mitmischen der mächtigen neapolitanischen Mafia "Camorra" - wegen schlechter Erfahrungen aus der Vergangenheit. Noch am Tag vor Beginn der Bauarbeiten wurden Ermittlungen gegen den letzten "Verwalter" der antiken Römerstadt bekannt - wegen Korruption, Amtsmissbrauchs und Unterschlagung öffentlicher Gelder. Güter im Wert von 810.000 Euro beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei am Dienstag. Der beschuldigte Verwalter bekleidete das Amt in Pompeji von Februar 2009 bis zum Sommer 2010. Im November 2010 stürzte nach starkem Regen ein rund 2.000 Jahre altes Gladiatorenhaus ein und stellte den Verfall in Pompeji schlagartig ins internationale Rampenlicht.

Die Ursache des Einsturzes der "Schola Armaturum" sei Starkregen gewesen, vermuteten die Experten damals. Eindringendes Wasser habe den Boden aufgeweicht und den Zusammenbruch von Teilen der Wände, der Fassade und des Daches bewirkt. "Eine Schande für Italien", urteilten Kritiker. In dem 40 Quadratmeter großen Raum hatten die "Gladiatoren" genannten Berufskämpfer trainiert, bevor sie sich dem Kampf in dem nahen Amphitheater stellten. Der Einsturz des Gladiatorenhauses war der Anfang eines schier unendlichen Skandals.

Silvio Berlusconis Kultusminister musste im März 2011 darüber seinen Hut nehmen. Mehrfach gab es Inspektionen auf dem Gelände der Unesco-Stätte. Lange schienen die Tausende Quadratmeter Fresken und Wandmalereien schlicht verloren. Noch im vergangenen Juli berichtete der Mailänder "Corriere della Sera" über "katastrophale Zustände": Von etwa 40 antiken Häusern, die laut Plan öffentlich zugänglich sein sollten, seien nur vier begehbar. Lateinische Inschriften wie das bekannte "Cave canem" (Achtung vor dem Hund) verblassten, und die einzigen Toiletten der Anlage seien kaputt.

Auch heute ist das Bild von Pompeji noch vom Verfall geprägt. Besucher müssen über Pfützen springen und stolpern immer wieder über rote Plastikbänder und verrostete Absperrgitter. Auf den von Gestrüpp überwachsenen antiken Straßen lungern streunende Hunde. Doch das soll nun anders werden. Am Mittwoch werden die ersten drei "Baustellen" in der antiken Stadt eröffnet, im Beisein unter anderem von EU-Regionalkommissar Johannes Hahn und dem italienischen Kultusminister Lorenzo Ornaghi. Pompeji darf wieder hoffen.

dapd global

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