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"Das befreyte Ratenau"

Rene Wernitz / 07.02.2013, 18:21 Uhr - Aktualisiert 07.02.2013, 19:49
Rathenow (kri) Im 21. Jahrhundert darf die Havelstadt Rathenow wie selbstverständlich einen Schwedentag feiern. Für Gedenken an das Gefecht von 1675 wollte bereits ein Dichter und Prosaiker des 18. Jahrhunderts sorgen. "Das befreyte Ratenau", ein Schauspiel in fünf Aufzügen, schrieb Joachim Christian Blum (1739-1790).

Das Stück wurde 1775 in Berlin uraufgeführt, musste aber nach Einspruch des schwedischen Gesandten abgesetzt werden. Das war vorauszusehen, hätten doch die schwedischen Truppen im Stück eine eher peinliche Rolle gespielt. Wie es heißt, wurden sie durch Bürgermeister Sommer und den Landrat, Herrn von Briest, übertölpelt. Als sich der Große Kurfürst der Stadt Rathenow von Westen her näherte, und Feldmarschall Dörflinger vor ihrem dortigen Tor eine schwedische Patrouille überwältigte, lud Herr von Briest den Obersten und Kommandanten der Schweden, Wengelien, zu einem Fest ein. Er machte alle bis zur Besinnungslosigkeit betrunken, sodass Rathenow ohne große Verluste eingenommen werden konnte. Im Vorwort seines Schauspiels schreibt Blum: "Ich bin ein ruhiger, unbeamteter Einwohner des Städtchens, dessen Bürger sich, vor hundert Jahren, um ihren guten und großen Fürsten durch ihre Treue verdient machten". Diese Treue der Rathenower nahm Blum zum Anlass, die Befreiung Rathenows von den Schweden mit einem Schauspiel zu feiern. Protagonisten sind auf brandenburgischer Seite der Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Feldmarschall Dörflinger, der Generalmajor Götz, Oberstleutnant Hennig und Generaladjutant Kanowsky. Für die Schweden kommen unter anderem der Oberst und Kommandant Wengelien, dessen Gemahlin sowie ein Major Löwenhaupt zum Einsatz. Bei den Rathenowern kommen neben Herrn von Briest, dem Bürgermeister Sommer und dessen Tochter Lore die Rathmänner Bach und Brauns zum Bühneneinsatz.

Der gebürtige Rathenower Joachim Christian Blum wurde als Fünfjähriger überritten. Daraus resultierte eine lebenslange schwächliche Gesundheit. Dennoch besuchte Blum das Joachimthalsche Gymnasium in Berlin und studierte Philosophie in Frankfurt/Oder.

Er kehrte in seine Heimatstadt zurück, wohnte bei seiner Mutter, wurde Privatlehrer und widmete sich der Schriftstellerei. Blum war mit Friedrich Eberhard von Rochow auf Reckahn befreundet. Bekannt wurde er durch seine "Spaziergänge" in drei Bänden, seine lyrischen Gedichte und sein Schauspiel "Das befreyte Ratenau" bekannt. Er schrieb auch in Latein und in Französisch und hatte das große Verdienst, dass er in Rathenow einen Lesekreis einrichtete, eine Art Leihbibliothek für interessierte Bürger, für Gelehrte und für Prediger.

Blum blieb bis 1785 ledig, weil seine Einkünfte nicht ausreichten, eine Familie zu gründen. 1787 lernte er in Berlin Dorothea Charlotte Gilbert kennen und bezog mit ihr ein kleines Landgut, das ihm König Friedrich Wilhelm finanzierte. Er lebte dort glücklich und zufrieden, bis er 1790 starb. Für seine Bestattung ließ ihm sein Arzt und Freund Immanuel Meier ein Mausoleum bauen, das auf dem historischen Rathenower Friedhof steht.

Das 1775 in der Weygandschen Buchhandlung (Leipzig) erschienene Buch zum Schauspiel "Das befreyte Ratenau" findet sich in digitalisierter Form auf http://books.google.de.

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