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Ein Pontifikat voller Scherbenhaufen

Christian Stiller
Christian Stiller © Foto: Heinz Köhler
Christian Stiller / 11.02.2013, 20:43 Uhr
(MOZ) Vom gefeierten Popstar zum greisen Mann, der einfach nicht mehr kann - und das in nur fast acht Jahren. So spektakulär, so mutig der Rücktritt Papst Benedikts XVI. ist, so tragisch ist er auch - nicht nur, weil eine anscheinend schwere Erkrankung ihn nötig macht, sondern auch, weil er ein Pontifikat voller Scherbenhaufen und ungelöster Probleme hinterlässt.

Was war nicht alles an Erwartungen in diesen immer wieder als "brillant" gelobten Theologen gesetzt worden - merkwürdigerweise auch von breiten Kreisen der Bevölkerung, die eigentlich kaum etwas mit Kirche am Hut haben, geschweige denn mit der katholischen. Der deutsche Papst, ein medienerzeugtes Bild, das rasch jegliche dogmatische Rigorosität vergessen ließ, mit der der vormalige Kardinal als Chef der Glaubenskongregation Abweichler zur Ordnung rief, nicht selten auch exkommunizierte.

Doch recht bald wurde deutlich, dass Benedikt der Linie seines Vorgängers treu blieb. Ökumene, Frauenbild oder eine differenziertere Auseinandersetzung mit heutigen Lebensvorstellungen - all das unterbleibt. Stattdessen werden den abtrünnigen erzkonservativen Pius-Brüdern, die jahrelang auch Heimat des Holocaust-Leugners Williamson waren, Avancen gemacht, während im Vatikan über anonyme Briefe und herausgeschmuggelte Papst-Dokumente ein offener Machtkampf tobt zwischen Reformern und Hardlinern, deren oftmals sinistre Aura an einstige Politbüromitglieder erinnert. Der Heilige Vater selbst lässt sich so gut wie kaum vernehmen.

Statt das große Ganze, das hinter dem Leben Stehende, eben das Unverfügbare, das große Warum zu verdeutlichen, ihm Raum zu geben, geriert sich die katholische Kirche nach wie vor als unbelehrbare Moralagentur, der man jedoch die Glaubwürdigkeit spätestens seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle, vor allem aber deren Vertuschung nur noch mit sehr viel gutem Willen abnehmen mag.

Diesen wohl größten Imageschaden in der bisherigen modernen Kirchengeschichte hat der Papst gewiss nicht allein zu verantworten, er hat ihm jedoch durch sein auch in diesem Falle viel zu langes Schweigen Vorschub geleistet. Nicht nur sein Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen, auch diese Bilanz zeigt, wie menschlich, aber auch fehlbar ein Papst ist.

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informierter Bürger 12.02.2013 - 16:23:13

“Bilanz von Benedikt ist ernüchternd”

Die Bilanz nach fast 8 Jahren Pontifikat Benedikt XVI. ist leider ernüchternd. Bei all seinem Bemühen, werden eine Reihe von Fehlentscheidungen und Belastungen mit seinem Namen verbunden bleiben: Tridentinischer Ritus, Piusbrüder, Regensburger Rede, sexueller Missbrauchsskandal, Vertrauensverlust in die Institution, Vatileaks, nicht nachvollziehbare Personalentscheidungen, Kommunikationsdefizite im Vatikan, Relativierungstheorie. Nichts ist gelöst von den Themen des weltweit beklagten Reformstaus: Zölibat, Frauenpriestertum, geschiedene Wiederverheiratete, Mitwirkung und Eigenverantwortung aller Getauften und Gefirmten an der Sendung der Kirche. Acht Jahre Benedikt – und ein Rücktritt, der Respekt dort und Häme hier hervorruft. Dabei war dieser deutsche Papst vor allem eines: Weltfremd. Man erlebt hier dasselbe wie bei Schavan, obwohl Benedikt XVI alias Josef Ratzinger ein konservativer Reaktionär war (wobei sich die Frage stellt welcher Papst war kein konservativer Reaktionär) überschlägt sich die Mainstream - presse mit Lobeshymnen. Pope Benedict Stepping Down in Shocking Abdication http://www.alternet.org/news-amp-politics/pope-benedict-stepping-down-shocking-abdication?akid=10041.13669.tjVxRj&rd=1&src=newsletter792857&t=3&paging=off Neben den lobenden Nachrufen auf den „deutschen“ Papst in den etablierten deutschen Medien einmal eine kritischere Meldung aus dem Ausland. http://www.nachdenkseiten.de/?p=16157#h13

Buchhalter 12.02.2013 - 13:58:49

Was regt Ihr euch so künstlich auf ?

- Ich finde diesen Artikel mal richtig gut, weil zutreffend. Was kann denn der Redakteur dafür, dass der Pontifikat nicht die großen Probleme der Welt hat ändern können. Seine Vorgänger konnten es ja auch nicht. Er ist nicht Gott, nicht sein Stellvertreter, sondern ein Mensch. Wie wir alle auch. Von Gott geschaffen und unvollkommen. Hoffe aber, dass jetzt mal ein Papst im besten Arbeitsalter das Amt übernehmen würde, um endlich die vielen Menschheitsprobleme der Welt, insbesondere die der Überbevölkerung in der Dritten Welt , der Ressourcenverknappung, der anstehenden Umweltfragen vorrangig angehen würde. Damit Gottes Schöpfung besser geschützt und für die Menschenleben bewahrt bleiben kann.

Frank 12.02.2013 - 12:04:36

Dieser Artikel selbst ist ein Scherbenhaufen

Auf dem Fußballfeld gibt es für bösartiges Nachtreten die rote Karte. Dem Autor scheint der moralische Kompass abhanden gekommen zu sein. Die gegen die katholische Kirche in den GEZ-Medien und politkorrekten Clowns der Mainstream-Zeitungen aktuell gefahrene Propaganda-Kampagne ist nur noch widerlich. Was für ein Journalismus, der soviel Mut bei der Hetze gegen die Kirche beweist, dem aber Knabenbeschneidungen, Verwandtenehen, Ehrenmorde und Militanz einer bestimmten jetzt offiziell zu Deutschland gehörenden anderen Religion schlichtweg egal ist, oder man einfach Schiss vor den Folgen hat. Singhs, Hindus und Buddhisten meine ich dabei übrigens nicht.

Atheist 11.02.2013 - 22:34:27

Der schwarze Kanal

genauso klingt er. Die pure Hetze gegen den Pabst, die hier von sich gegeben wurde. Genau das Politbüro hetzt gegen Christen. Mit kommunistischen Gruss

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