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Am Eberswalder Bahnhof rosten fünf Waggons und eine Lok vor sich hin / Kampf gegen Verschrottung

Streit um Denkmäler auf Schienen

Waggons des Anstoßes: Diese historischen Schienenfahrzeuge stehen am Eberswalder Güterbahnhof. Eigentlich sollten sie umgehend verschrottet werden. Doch gegen das Vorhaben gibt es Widerstand.
Waggons des Anstoßes: Diese historischen Schienenfahrzeuge stehen am Eberswalder Güterbahnhof. Eigentlich sollten sie umgehend verschrottet werden. Doch gegen das Vorhaben gibt es Widerstand. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 16.02.2013, 04:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Auf einem Abstellgleis am Güterbahnhof der Barnimer Kreisstadt stehen eine Dampfspeicherlok und fünf Eisenbahnwagen, um die ein erbitterter Streit tobt. Noch ist nicht entschieden, ob die Museumsstücke als Kulturgut erhalten oder verschrottet und zu Geld gemacht werden.

Die Gemengelage ist verworren. Als einigermaßen gesichert gilt immerhin die Erkenntnis, dass die fünf Waggons zum Bestand eines in Röbeln an der Müritz ansässigen Eisenbahnvereins mit dem eher kuriosen Namen "Hei Na Ganzlin" gehören. Für die Lok hingegen hat das Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg Eigentumsrechte angemeldet. Belegt ist überdies, dass alle historischen Fahrzeuge seit fast einem Jahr in einer ausgemusterten Triebwagenhalle in Bernau untergebracht waren.

"Von dort aus wurden die Lok und die Waggons offenkundig zum Verschrotten nach Eberswalde gebracht", sagt Sebastian Thon, Sprecher der Polizei-Inspektion Barnim mit Sitz in Bernau. Bundespolizei und Kripo würden zu den Eigentumsverhältnissen ermitteln, auch die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. Zu weiteren Auskünften sieht sich der Sprecher wegen der komplizierten Verflechtungen derzeit nicht imstande.

Auch Matthias Manske aus Schönow kann kaum Licht ins Dunkel bringen. "Über die Fahrzeuge gibt es vereinsinterne Auseinandersetzungen, die Rechtslage ist unklar, Verfahren sind am Laufen", sagt der Eisenbahnfreund, der Wert darauf legt, nie Mitglied von "Hei Na Ganzlin" gewesen zu sein. Der gelernte Facharbeiter für Eisenbahntransporttechnik arbeitet inzwischen zwar als Erzieher. Für die Welt der Bahnschienen aber interessiert er sich weiter brennend. Und so hat er auch mitbekommen, welche rollenden Denkmäler in der Bernauer Halle zu finden waren. Vor allem aber, dass einige Mitglieder des Vereins deren Verschrottung anstreben. "Damit würden jedoch endgültige Fakten geschaffen und historisches Material vernichtet werden", sagt Matthias Manske.

Seinen Recherchen zufolge ist vor allem ein unscheinbar aussehender, etwa 50 Jahre alter Waggon wertvoll, weil er im Auftrag des LEW Henningsdorf einst zum Messwagen umgebaut wurde. "Es ist das einzige Fahrzeug dieser Art, das über einen Führerstand verfügt. Dadurch brauchte die Zugmaschine bei einem Fahrtrichtungswechsel nicht zu wenden", berichtet der Schönower. Und die Dampfspeicherlok, hat der Eisenbahn-Kenner in Erfahrung gebracht, stamme aus der Papierfabrik Eberswalde. "Sie funktionierte wie eine klassische Dampflok, nur dass er Dampf von außen eingeleitet wurde", sagt er.

Sein Kampf gegen eine Verschrottung der Museumsstücke führt Matthias Manske nicht allein. "An der Rettungsaktion sind viele beteiligt: Lokführer, denen die Fahrzeuge aufgefallen sind und die Bescheid gaben, sowie andere Eisenbahnverrückte aus Eberswalde und Umgebung, die auf Online-Foren Alarm schlugen", betont der Schönower, der deswegen unter keinen Umständen als der "Held von Eberswalde" gefeiert werden wíll. Auch ihm fehlen offizielle Ansprechpartner bei "Hei Na Ganzlin", an die er sich wenden könnte, um belastbare Auskünfte zu den Vereinszielen mit den rollenden Denkmälern zu erhalten. Nicht einmal der Vereinsvorsitz ist unumstritten.

Vor der Verschrottung würde nur eine einstweilige Verfügung sicher schützen. Doch wer sollte diese per Gericht erwirken?

Wenigstens fürs Erste scheint die Gefahr aber gebannt. Die historische Technik war für die Schrottpresse von Theo Steil bestimmt. Aus der Konzernzentrale in Trier heißt es, dass die Faktenlage "extrem undurchsichtig" sei und erst einmal geprüft werde.

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Leserforum

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klaus tretner 20.04.2013 - 12:03:30

@Oderbruchbahner

Leider habe ich erst jetzt ihren(deinen) Kommentar gelesen. Sie, Du, sollten eines begreifen, Nicknamen offen zu legen, sollten beide Seiten betreiben, und nicht nur Sie oder Du mit deiner Besserwisserei. Du hast Dir doch nur selbst geschadet. Bei mir hast Du da einen unbrauchbaren "Partner" gefunden. Nicknamen schieße ich ab, wenn ich den eigentlichen Bürger dahinter raus bekomme. Schreibe mir, zu deinem Vorteil, ansonsten stehst Du weiter unter Beschuß. Meine Email findest Du im Internet. Hier gebe ich sie nicht an. Einfach zu viele Doofköpfe unterwegs. Sicher auch jetzt. Wir hätten uns ja treffen können am 7. April, aber Du mußt gleich unter die Gürtellinie gehen. Was bist Du wirklich für ein Mensch? Nur um anderen nachzusagen, dass sie anscheinend keine Ahnung von Physik haben, die Du selbst nicht hast? Wenn Du dich nicht meldest, tust Du mir echt leid. Deine Schreibweise erkenne ich mit dem Blindenstock.

Oderbruchbahner 18.02.2013 - 18:24:43

Beim Thema bleiben

1. Ich kommentiere an dieserr stelle bereits einige Jahre unter dem Nickname ,,Oderbruchbahner", auf Grund des unüblichen Verfahrens mit dem die MOZ ihre Kommentarseite betreibt, kann ich niemanden verbieten, ebenfalls unter diesem Namen zu posten- finde es aber nicht lustig! Zumal derjenige an dieser Stelle etwas betreibt, was mir absolut fern liegt, nämlich Erbsenzählerei. 2. Es ist für den Sinn des Artikels erstmal völlig wurscht, ob die Bezeichnung wissenschaftlich korrekt ist- sicherlich bieten technische Fachzeitschriften auch Diskussionsseiten an, wo sich interessierte Leute über diese Dinge austauschen können. Hier geht es doch eher darum, auszuloten, wie diese Technischen Denkmale erhalten werden können. 3. Demzufolge möchte ich hier feststellen, dass ich mit dem , der sich ,,echter Oderbruchbahner" nennt, nichts zu tun habe!

matthias manske 17.02.2013 - 15:29:16

Lüge

Wiki: "Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben...soll. Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen." Ein kleiner sachdienlicher Hinweis hätte gereicht. Unter Pseudonym die MOZ als Lügner zu beschreiben, zeugt nicht gerade von Charakter.

echter Oderbruchbahner 17.02.2013 - 14:54:46

Dampfspeicherlok

Ist eine Lüge. Aus WIKI "Der Kessel ist ein einfacher Druckbehälter. Er wird jedoch nicht einfach mit Dampf gefüllt, sondern von außen zugeführter Dampf erhitzt das im Kessel befindliche Wasser, welches etwa 2/3 des Kesselvolumens ausmacht. Durch das druckdichte System wird das Wasser dabei auf ca. 180 Grad Celsius erhitzt. Wird nun durch Fahren Dampf verbraucht, so kocht das Kesselwasser sofort nach. Durch dieses Prinzip können Dampfspeicherloks mehrere Stunden ohne Nachfüllen eingesetzt werden. Das Verhältnis der entnehmbaren Dampfmenge bezogen auf das Speichervolumen kann für die jeweils geltenden Randbedingungen recht genau berechnet werden." Es ist ein Wärmespeicher, wo man die Eigenschaften des Wassers bei Überhitzung ausnutzt. Darum ist ein Einsatz mit Druckluft fast unmöglich.

matthias manske 17.02.2013 - 14:24:31

Dampfspeicherlok

Diese Lok stammt definitiv aus Schwedt/O - Papier und Karton GmbH. Steht auch so dran. INA 14 - Lok Nr. 3. Bilder finden sich unter http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?4,6275341,page=1 auch bei bahnbilder.de > Dampfloks > Dampfspeicherloks ist sie zu finden.

Oderbruchbahner 17.02.2013 - 12:01:09

@NewEberswalder

Nein ich meine natürlich: es existieren verschiedene Meinungen- man muss aber auch nicht jedes hier geschriebene Wort auf die Goldwaage legen!

new-eberswalder 17.02.2013 - 04:39:44

Denkmäler

@Oderbruchbahner mmhhh wer streitet denn hier ?? ick sehe davon nix .. Aber man sollte die Fakten doch lassen und richtig sehen ;) Ich selber bin 106 und Kö gefahren und wo sind sie ??? nix mehr da . alles nur noch Schrott bis auf einige Kö ... aber alle 106 verschrottet .. :( das die alten Waggons vernichtet werden sollen das finde ich auch nicht gut und sie könnten erhalten bleiben .. nur dafür sind wir zu klein ...

Oderbruchbahner 16.02.2013 - 17:55:02

Erhaltenswert

Nun streiten sich zwei darum, wo die Dampfspeicherlok einst fuhr- das muss dort gewesen sein, wo die Explosionsgefahr den Betrieb einer Dampf-, Diesel- oder E- Lok nićht zuließ- was als erstes auf die Variante,, Chemische" schließen ließe- nun hat Eberswalde ja bereits eine Dampfspeicherlok als stehendes Denkmal- richtig toll wäre etwas fahrendes. Von der ehemaligen Strecke nach Finowfurt ist kaum noch was übrig. Es gibt in unserer Region Eisenbahnvereine in letschin und Buckow- wichtig fände ich, dass keinesfalls die Schrottpresse den Sieg davon tragen sollte!

new-eberswalder 16.02.2013 - 16:10:23

Dampfspeicherlok

@Ein interessierter Bürger Die Dampfspeicherlok aus der Chemischen steht im Familiengarten.

matthias manske 16.02.2013 - 14:48:34

Verschrottung zunächst abgewendet

Firma Steil ist inzwischen von dem Geschäft zurückgetreten. Die Dampfspeicherlok stammt aus der Papierfabrik Schwedt/O - kleiner Fehler der Redaktion. Es wäre schön, wenn sich in Ebw ein Platz für sie fände - vielleicht im Ausbesserungswerk? Wäre auch eine Attraktion zum 135. Jubiläum der Ausbesserungswerkes dies Jahr. Für die anderen Fahrzeuge ist die Gefahr noch nicht endgültig abgewandt.

Ein interessierter Bürger 16.02.2013 - 11:16:06

Dampfspeicherlok

Hallo, ein sehr interessanter Artikel. Man kann nur hoffen, dass eine vernünftige Regelung für die erhaltenswerte Eisenbahntechnik, insbesondere die Dampfspeicherlok, getroffen wird. Die Dampfspeicherlok gehörte übrigens nicht der Papierfabrik Eberswalde, sondern der VEB Chemische Fabrik Finowtal. Aufgrund der im Werk herrschenden Explosionsgefahr war der Einsatz einer richtigen Dampflok mit Befeuerung nicht möglich. Man baute also diese Dampfspeicherlok. Sie wurde an das Dampferzeugungssystem der VEB Chemische Fabrik Finowtal angeschlossen und mit stationär erzeugten Dampf gefüllt. Daher auch der große Kessel. Die Reichweite war aber trotzdem gering. Die Dampfspeicherlok bediente das Anschlussgleis der VEB Chemische Fabrik Finowtal an die Eberswalder-Finowfurter Eisenbahn, auf der vor der Stillegung noch umfangreicher Güterverkehr betrieben wurde. Sie war also nur auf wenigen hundert Meter im Einsatz. Die Dampfspeicherlok würde sich auch gut neben der Diesellok im Kranbau Eberswalde als Ausstellungsstück machen. Sie ist ein Stück Eberswalder Geschichte. In der VEB Chemische Fabrik Finowtal wurden übrigens Zutaten (wahrscheinlich Isobornylacetat) für den in Badesalzen und anderen kosmetischen Artikel berühmten Fichtennadelduft hergestellt. Diese waren auch zur damaligen Zeit ein Exportschlager und wurden u.a. nach Belgien exportiert.

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