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Pariser Streichquartett bietet hochklassige Musik in intimem Rahmen

Eberswalder genießen Salonkultur

Exzellentes Zusammenspiel: Über hundert Gäste erleben die vier jungen Musiker vom Pariser Streichquartett Quatuor Hermès in Eberswalde aus nächster Nähe.
Exzellentes Zusammenspiel: Über hundert Gäste erleben die vier jungen Musiker vom Pariser Streichquartett Quatuor Hermès in Eberswalde aus nächster Nähe. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
boris kruse / 18.02.2013, 11:05 Uhr
Eberswalde (moz) Salonkultur für die Waldstadt: Nach ihrem Atelier-Umzug von Berlin in den Rofin-Park hat die Malerin Antoinette nun auch ihre erfolgreiche Privatveranstaltungsreihe nach Eberswalde exportiert.

In ihrem Kreuzberger Atelier gab es in den vergangenen Jahren monatlich Lesungen, Konzerte und Ausstellungen; für die Auswahl der Musiker zeichnet als "Generalmusikdirektor" des Salons der Bratschist Friedemann Weigle vom Artemis-Quartett verantwortlich. Das Quatuor Hermès aus Paris sollte am Freitag die Eberswalder Premiere mit Streichquartetten von Joseph Haydn, Giuseppe Verdi und Claude Debussy gestalten.

Ein großes Ausrufungszeichen hatten Antoinette und Weigle mit diesen Gästen gesetzt: Omer Bouchez, Elise Liu (Violinen), Yung-Hsin Chang (Viola) und Anthony Kondo (Cello) werden als aufstrebende Nachwuchsstars gehandelt, ihre Debut-CD mit Stücken von Beethoven und Haydn heimste Kritikerlob ein. An der Musikschule Hanns Eisler lassen die Mittzwanziger sich von Weigle den letzten Schliff für eine internationale Karriere verpassen. Lässt sich in einem kurzen Zeitungsartikel beschreiben, was für ein Erlebnis es ist, so ein Quartett aus nächster Nähe zu erleben, als Kammermusik im Wortsinne? Nein.

In dem Atelierraum, in dem die vier jungen Musiker spielen, hängen großformatige Bilder aus der Reihe "Europa", für die Antoinette im März in Leipzig einen Preis der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung in Empfang nehmen wird. Detailreiche, farbenprächtige und unruhige Malerei, in der Fabelwesen und rätselhafte Gestalten herumgeistern, bezugsreiche Reisen durch den abendländischen Mythenschatz. Dicht gedrängt sitzen darunter die Besucher und lauschen mit höchster Konzentration. Den Höhepunkt sparen sich Quatuor Hermès für die zweite Hälfte auf: Das Streichquartett in g-Moll op. 10 von Claude Debussy. Ein Stück Musik, das auch nach 120 Jahren noch fremd, bizarr, disparat und wechselhaft klingt. Und den vier Instrumentalisten höchste Präzision im Zusammenspiel abverlangt.

Ob der Abend ein Erfolg werden würde, galt den Veranstaltern im Vorfeld nicht als ausgemacht. Per Bus hat Antoinette deshalb vorsorglich ihre Stammgäste von Berlin in den Barnim bringen lassen. Doch das Konzert hat gezeigt: Auch in Eberswalde gibt es ein aufgeschlossenes, dankbares Publikum für hochklassige Musik im intimen Rahmen. So groß ist der Zuspruch, dass am Ende Pappbecher für den Wein gereicht werden müssen - die im Vorfeld organisierten Gläser reichten schlicht nicht aus. Friedemann Weigle verspricht, beim nächsten Mal werde es "Freiglas" geben. Es wird also ein nächstes Mal geben.

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