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Ab 2014 verkehrt Niederbarnimer Eisenbahn Betriebsgesellschaft in der Uckermark

Gelb verdrängt Rot

© Foto: MOZ
Oliver Schwers / 19.02.2013, 21:00 Uhr - Aktualisiert 19.02.2013, 22:33
Angermünde/Schwedt (MOZ) Die Privatisierung des Eisenbahnverkehrs bringt Farbe in die Uckermark. Ab 2014 verkehren gelbe Züge der Niederbarnimer Eisenbahn Betriebsgesellschaft zwischen Angermünde und Schwedt sowie Angermünde und Prenzlau. Ein Jahr später auch in Templin.

Bisher tauchten morgens und abends gelbe Schienenbusse der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) auf dem Angermünder Bahnhof auf. Ansonsten herrscht hier überwiegend das Rot von DB Regio als Regionalbahn nach Schwedt, Stralsund und Stettin.

Mit dem Zuschlag des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg erhält die Niederbarnimer Eisenbahn Betriebsgesellschaft (NEB) den Auftrag der Bundesländer Berlin und Brandenburg für den Personenverkehr auf dem sogenannten Ostbrandenburg-Netz.

Dazu gehört auch die Verbindung zwischen Angermünde und Schwedt sowie zwischen Angermünde und Prenzlau. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 rollen dann hier die gelben RegioShuttle RS 1. Ebenso verkehrt die NEB auf der Strecke Eberswalde - Joachimsthal und ab Dezember 2015 auf der Linie Berlin - Templin.

Mit ausschlaggebend für den Zuschlag war die hohe Kundenzufriedenheit. Das hatte der Verkehrsverbund bei einer Qualitätserhebung im vergangenen Jahr festgestellt. "Die bequeme Fahrt in modernen Zügen, freundliche Kundenbetreuer und das zusätzliche Angebot von frischem Kaffee und Mineralwasser an Bord der NEB-Züge waren maßgebend für diese sehr gute Bewertung", so Daniela Raphelt, Sprecherin des Unternehmens. Man werde ab 2014 auf den neuen Strecken einen Übergang schaffen, der "bequem für die Fahrgäste" sei.

Auch DB Regio bleibt weiter im Geschäft, so dass es auf uckermärkischen Strecken künftig bunter und mit mehr Wettbewerb zugeht.

Allerdings hat der Verkehrsverbund die ursprünglich mit ausgeschriebene Strecke Angermünde - Stettin wieder zurückgezogen. Das liegt an dem bisher nicht geklärten Ausbautermin für die immer noch eingleisige und ab Passow nicht elektrifizierte Verbindung. Ein deutsch-polnischer Vertrag ist zwar inzwischen unterschrieben, doch niemand kann genau sagen, wann die grenzübergreifende Verbindung modernisiert wird. Das hat Auswirkungen auf die eingesetzte Technik. Bei einer jetzigen Ausschreibung würde kein Unternehmen Gewissheit haben, ab wann welche Züge mit Diesel- oder Elektroantrieb laufen können.

"Wir wollen so schnell wie möglich eine durchgehende Elektrifizierung", sagt Eike Arnold vom VBB. "Wenn wir die Strecke jetzt aber ausschreiben, würden wir den bisherigen Dieseltriebwagen zementieren." Außerdem gibt es zwischen Berlin und Warschau immer noch Unstimmigkeiten wegen unterschiedlicher technischer Sicherungssysteme an den Bahnnetzen. "Wir machen aber weiter Druck", verspricht Eike Arnold.

Deshalb bleiben die Triebwagen von DB Regio vorerst im Einsatz. "Obwohl die Züge von und nach Stettin gut ausgelastet sind, lässt DB Regio abgeschriebene Wagen hier laufen", bemängelt Andreas Schwarze vom Fahrgastverband ProBahn. "Investiert wird nicht und das Personal ist frustriert."

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Benno Koch 21.02.2013 - 23:29:40

Vor Ort

Lieber Herr Rebel, möglicherweise unterscheidet uns schon mal, dass ich zu meinem Namen stehe - und wie Sie aus meinem Link erkennen, wohne ich hin Hönow West, also auf der Ländergrenze Berlin-Brandenburg. Von den 130 Fahrgästen am vergangenen Sonntag Abend im RB66 aus Stettin waren 120 Fahrgäste in Stettin eingestiegen und in Berlin wieder ausgestiegen - vor Ort ist offensichtlich dort, wo der Zug herkommt und hinfährt. Und normal wäre am Sonntag Abend zur Hauptreisezeit eine 100-Prozent-Auslastung wenigstens der 260 Sitzplätze. Noch normaler wäre zwischen einer 400.000 Einwohnerstadt Stettin (also fast sieben Mal mehr Einwohner als Frankfurt Oder) und Berlin Fahrgastzahlen von ein paar Zehntausend pro Tag. Falls Sie mit vor Ort das sehr engagierte Amt Gartz (Oder) und die Fahrgäste meinen, die in Tantow einsteigen, gab es dort die gleichen Forderungen wie von mir wiederholt - es fehlen der Früh- und Spätzug und die Anschlüsse stimmen nicht. Siehe auch http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1082757/ . Was konkret den 18:24 Uhr RB66 ab Stettin Hbf. betrifft, so fällt dieser aus der Systematik mit einer Abfahrt zur Minute 32 (zu der der Anschluss vom mit 300 Fahrgästen besetzten Regionalzug aus Koszalin passen würde) heraus und benötigt für die Strecke nach Angermünde 65 Minuten. "Normal" auf den kaputten Gleisen sind hier 51 bis 57 Minuten - also 8 bis 14 Minuten schneller. Der 18:24 Uhr RB66 bummelt übrigens unfassbare 6 Minuten im Bahnhof Tantow ab, um auf den Gegenzug zu warten. Dass mit solchen Kleinigkeiten seit Jahren offenbar versucht wird, eine normale Entwicklung für die Bahnlinie Berlin-Stettin zu verhindern, ist mein Eindruck nicht erst seit dem letzten Fahrplanwechsel im Dezember 2012. Und schade, dass die Märkische Oderzeitung bei Artikeln zur Bahn noch immer einfachste Dinge wie Gelb und Blau-Weiß verwechselt.

Eduard Rebel 21.02.2013 - 11:39:55

Zu: Benno Koch-Kritik

Herr Koch ist nicht schlecht darin, Bestehendes schlecht zu reden. Soweit zum Lob. In der Sache sieht es leider ein wenig anders aus. Und eben auch die Verantwortlichkeiten. Fahrplanänderungen auf der RB 66 wurden in den letzten Jahren in der Regel auf Wunsch der vor Ort handelnden Personen vorgenommen. Wo wohnt genau Benno Koch? Wenn sich etwas ändert, ändern sich auch die Anschlüsse. 50 % Besetzung heißen rund 150 Fahrgäste. Ein großartiger Wert. Ansonsten können die Züge innerhalb Polens nach Stettin gegen 18.27 Uhr auch etwas früher ankommen, dann wäre der Anschluss ja da. Herr Koch als Experte sollte den Zusammenhang zwischen 40 km/h bei Passow und fehlendem Anschlüsse selbst erkennen.

Benno Koch 20.02.2013 - 10:52:40

Weniger (Farben-) Blindheit

Damit sich die Redaktion der Märkischen Oderzeitung schon mal vorab die Augen reiben kann, finden Sie unter http://fotos.benno-koch.de/v/Gefuehrte_Radtouren/Eintagesradtouren/Benno_Koch/Radtouren_in_Brandenburg_Oderbruchbahn-Radweg/P1300102.JPG.html ein Foto der blau-weißen Züge der Niederbarnimer Eisenbahn. Das bisherige Gelb der ODEG hat hier die Ausschreibung soeben verloren. Man kann ja nicht alles wissen. Was die Auslastung der RB66 von Berlin bzw. Angermünde nach Stettin betrifft, so ist diese schlecht. Zumindest schlechter als sie sein könnte, wenn der VBB wüsste was er tut. Nämlich ist der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und damit die Länder Berlin und Brandenburg Besteller des Regionalverkehrs mit der RB66 nach Stettin. Am vergangenen Wochenende waren zum Beispiel am Sonntag Abend die rund 260 Sitzplätze des durchgehenden RB/RE66 um 19:56 Uhr (und damit der letzte (!) Zug) von Stettin nach Berlin wie immer etwa zur Hälfte besetzt. In den 1. Klasse Abteilen saß niemand. Wenigstens waren nicht wie auf der Hinfahrt am Samstag Morgen die Toiletten kaputt - weil man ganz offensichtlich keinen Reinigungsplan hat. Die Auslastung des RB66 am Samstag Morgen lag bei 10 Prozent. Das Hauptproblem der Minizüge zwischen Stettin und Berlin sind allerdings nicht die aktuellen Streckengeschwindigkeiten von unter 40 km/h im Bereich Passow oder die kaputten Toiletten, sondern die fehlenden Anschlüsse in Stettin Hauptbahnhof. Es ist die fehlende Fahrplanabstimmung des VBB mit den polnischen Bahnen. So erreicht der durchgängige Regionalzug aus Koszalin (109.183 Einwohner) unter anderem über Białogard (24.821 Einwohner) und Stargard Szczeciński (69.766 Einwohner) genau um 18:27 Uhr Stettin Hauptbahnhof - unfassbare 3 Minuten vorher ist der Anschlusszug nach Berlin weg. Für viele andere Anschlüsse aus Swinemünde, Misdroy, Kolberg und anderen touristisch interessanten Orten ist es ähnlich. Der Frühzug am Sonntag Morgen ab Berlin mit Umsteigen in Angermünde und die Spätzüge nach 19.56 Uhr ab Stettin nach Berlin wurden gleich ganz gestrichen. Der VBB muss ganz offensichtlich nicht zuerst Druck bei anderen machen, sondern bei sich selbst.

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