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Studie zu Umschlagterminal Schienengüterverkehr Biesenthal vorgestellt / TZMO Deutschland interessiert

46 Lkw-Touren pro Woche weniger

Brigitte Horn / 25.02.2013, 00:05 Uhr
Biesenthal (MOZ) Wie die Wissenschaft der Region mit Kommunen zusammenarbeiten kann, ist derzeit in Biesenthal zu erleben. Ein Student der BTU Cottbus hat in seiner Masterarbeit eine Studie zu einem Gleisanschluss für den Güterverkehr am Biesenthaler Bahnhof entwickelt. Vorgestellt wurde sie am Donnerstag in der TZMO Deutschland GmbH in Biesenthal.

TZMO ist ein polnischer Verbandmittelhersteller, dessen Logistikzentrum für Deutschland unweit des Biesenthaler Bahnhofs angesiedelt ist. Täglich verlassen sechs bis sieben Lkw den Standort. Da scheint es naheliegend, den Wechsel von der Straße zur Schiene zu prüfen. Dem hat sich Christian Menzel am Lehrstuhl Eisenbahn- und Straßenwesen von Professor Hans-Christoph Thiel der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus in seiner Masterarbeit umfassend gestellt. Sie trägt den Titel "Umschlagterminal Schienengüterverkehr Biesenthal". Angefangen mit der Historie, 1843 erhielt Biesenthal einen Bahnhof, über die Bahnverbindung nach Torun, dem Mutterunternehmen von TZMO, bis hin zur Art der Waggons und den Kosten reichte ihr Spektrum.

Die Teilnehmer der Vorstellung der Masterarbeit erfuhren, dass mit dem Wechsel auf die Schienen durch einen Güterzug pro Woche 46 Lkw-Fahrten eingespart werden. Dies würde nicht nur den Straßenverkehr entlasten. Der Kraftstoffverbrauch bezogen auf eine Europalette Transportvolumen beträgt von 0,91 Liter Diesel beim Lkw-Transport, jedoch nur 0,24 Liter Diesel sind es beim Schienentransport, geht aus der Arbeit von Christan Menzel hervor. Weitere Vorteile würden sich durch die zeitweilige Erhöhung der Lagerkapazität in den Güterwaggons ergeben. Ist der Zug in Biesenthal angekommen, müsste er nicht sofort auf einen Schlag entladen werden, sondern innerhalb knapp einer Woche. Diese Einsparung von Lagerkapazität würde übrigens auch in anderen Industrien genutzt, erläuterte Professor Thiel. Dies sei möglich, weil der Gleisanschluss für TZMO völlig vom öffentlichen Schienennetz getrennt wäre. Das Unternehmen könne nach eigenem Gutdünken die Waggons rangieren, erklärte ergänzend der Autor der Masterarbeit.

Mit Blick auf den Vertreter der Deutschen Bahn ging er näher darauf ein, mit welcher Weichen- und Sicherungstechnik ausgeschlossen werde, dass der rangierende Güterzug unkontrolliert ins öffentliche Schienennetz rollen könnte. Zu den derzeit drei Gleisen am Biesenthaler Bahnhof, wovon zwei für den ständigen Verkehr und ein Gleis für das Überholen genutzt werden, würde ein viertes Gleis verlegt, das mit dem Überholgleis verbunden werden kann, aber eine vollkommen eigenständige Einheit sei.

Ein Blick in die Geschichte des Bahnhofs lässt die Planungen nicht unrealistisch erscheinen. Einst hatte der Bahnhof sogar acht Gleise. Das könnte den modernen Verkehrsplanern von heute zugute kommen. Erste Schätzungen der Kosten für das Terminal belaufen sich auf 1,3 bis 1,6 Millionen Euro, wovon 50 Prozent förderfähig seien.

Nicht entgehen lassen wollten sich diese interessante Masterarbeit neben den Fachleuten, wie Planern, unter anderen auch Biesenthals Bürgermeister André Stahl und Vertreter der Verwaltung. Mit Jaroslaw Kuzel hat auch ein Vertreter des Vorstands des weltweit agierenden Unternehmens TZMO teilgenommen. Der kommentierte den Vortrag und die Vorstellung anhand eines Modells mit den Worten: "Unser Interesse ist geweckt."

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Oderbruchbahner 25.02.2013 - 19:07:10

Viel Erfolg für diese gute Idee!

Was der junge Mann vorschlägt, war ja bis 1990 durchaus üblich, nicht nur in der ehemaligen DDR. Leider war dieses Geschäft für die DB AG nicht mehr lukrativ genug. Heute fahren Millionen schwerer LKW als rollende Lager kreuz und quer durch Deutschland, chauffiert von Billigfahrern aus Osteuropa, wir alle Zahlen die Zeche- Staus, Unfälle, Straßen- die in immer kürzeren Abständen saniert werden müssen. Vielleicht vollzieht sich irgendwann in der deutschen Verkehrspolitik ein Paradigmenwechsel, dann trauern wir um jedes in den letzten 25 Jahren verlorene Gleis.

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