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Tauziehen um Alleenschutz

Umstrittenes Kulturgut: Mehr als 2000 Kilometer Alleen gibt es in Brandenburg, so viel wie in keinem anderen Bundesland. Doch der Bestand ist wegen Überalterung gefährdet.Foto: dpa
Umstrittenes Kulturgut: Mehr als 2000 Kilometer Alleen gibt es in Brandenburg, so viel wie in keinem anderen Bundesland. Doch der Bestand ist wegen Überalterung gefährdet.Foto: dpa © Foto: dpa
Mathias Hausding / 01.03.2013, 20:10 Uhr - Aktualisiert 01.03.2013, 19:22
Potsdam (MOZ) Seit mehr als einem Jahr ist die überarbeitete Version des Alleenkonzepts der Landesregierung überfällig. Umweltschützer und die Opposition im Landtag protestieren. Laut Verkehrsministerium soll in den nächsten Monaten ein erster Entwurf zur Diskussion gestellt werden.

Der Auftrag des Landtags an die Regierung war eindeutig. Nach dem Scheitern der Volksinitiative zur Rettung von Brandenburgs Alleen verlangte das Parlament im Jahre 2011 eine Bestandsaufnahme sowie ein konkretes und langfristiges Konzept für die Finanzierung des Alleenschutzes. Mehr als ein Jahr nach Fristablauf befindet sich der Entwurf dafür nach wie vor in der sogenannten Ressortabstimmung, wie Jens-Uwe Schade, Sprecher des Verkehrsministeriums, am Freitag einräumte. "In einer der nächsten Sitzungen des Verkehrsausschusses wird der Entwurf vorgestellt", verspricht Schade.

Ärgerlich sei die Verzögerung, sagt der bündnisgrüne Verkehrsexperte Michael Jungclaus. "Wir wollen endlich wissen, wie sich die Landesregierung den Alleenschutz vorstellt." Die Verzögerungen seien Beleg dafür, "dass sich die beteiligten Ministerien nicht einig sind und dass die Alleen auf der Prioritätenliste der Landesregierung hinten anstehen", kritisierte Jungclaus. Er habe die Sorge, dass der Alleenschutz mit Verweis auf die Kosten "unter die Räder kommt".

Kern des Problems ist, dass altersbedingt immer mehr Alleebäume gefällt werden müssen. Das aktuelle Konzept sieht vor, die Zahl der Nachpflanzungen von der Zahl der Fällungen zu entkoppeln und jährlich 5000 Bäume zu pflanzen. Da aber pro Jahr teilweise fast doppelt so viele Bäume verschwinden, leidet der Bestand. So kam es zur Volksinitiative, die jenes Konzept als verheerend geißelte und einen 1:1-Austausch von alten und neuen Bäumen forderte.

Aber das ist teuer. Rund 500 Euro kostet laut Alleenkonzept ein neuer Baum. Nicht eingerechnet sind dabei Kosten für einen eventuell notwendigen Flächenerwerb. Denn wird heutzutage eine Allee neu bepflanzt, müssen die Bäume vor allem aus Sicherheitsgründen viereinhalb Meter vom jeweiligen Straßenrand entfernt eingesetzt werden, wie Cornelia Mitschka, Sprecherin des Landesbetriebs Straßenwesen, betont.

Umstritten ist außerdem, aus welchem Topf das Geld für die Alleen künftig kommen soll. Und auch die Frage, ob eher ganze Alleen ersetzt oder besser Lücken im Altbestand gefüllt werden sollten, spaltet die Politiker im Landtag. Der FDP-Verkehrsexperte Gregor Beyer, ein Alleenfreund, wie er sagt, plädiert für mehr Mut dazu, überalterte Alleen komplett wegzunehmen und neu zu bepflanzen. "Auch wenn es 60 Jahre dauert, bis die Bäume richtig groß sind." Eine Verjüngung bestehender Alleen sei nicht sinnvoll. "Das sind dann keine Alleen mehr, weil der Kronenschluss fehlt."

Für die Finanzierung der Pflanzungen setzt Beyer auf Naturschutzgelder statt wie bislang praktiziert auf Mittel aus dem Verkehrshaushalt des Landes, denn der sei überstrapaziert. "Das Geld reicht bekanntlich nicht einmal dafür, die bestehenden Straßen zu unterhalten, geschweige denn, neue zu bauen." Stelle man die Bürger vor die Frage, ob sie gute Straßen oder Alleebäume wollen, würde die Antwort zu Gunsten der Verkehrswege ausfallen, ist Beyer überzeugt. Aber ihm sei klar, dass Alleenschutz ein sehr emotionales Thema sei. Er bekomme häufig Post von verärgerten Alleenfreunden, gesteht Beyer.

Auch Michael Jungclaus widerspricht ihm. "Das Geld muss aus dem Verkehrsministerium kommen", stellt er klar. Würde man auf den in seinen Augen unnötigen Neubau von Straßen verzichten, bliebe genug Geld für die Alleen. In der Frage, Allee-Verjüngung oder Komplett-Austausch plädiert er für einen Mittelweg. "Wenn einzelne Bäume ersetzt werden, stört das nicht den Gesamteindruck der Allee", findet Jungclaus. "Gesunde Bäume fällen, das geht nicht."

Jungclaus fordert außerdem, Alleen nicht nur als Kostenfaktor zu sehen. "Sie spielen für den Tourismus im Land eine entscheidende Rolle. Das muss in der überarbeiteten Konzeption berücksichtigt werden."

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Tja ... 02.03.2013 - 23:46:11

Preußenkönig

Der Preußenkönig hatte eben noch Verstand.

Hans-Joachim Schlaak 02.03.2013 - 23:13:44

Allenerlass von 1841!

Was befahl der preußische König Friedrich Wilhelm IV bereits 1841: Alleenerlass von 1841 Des Ministeriums des königlichen Hauses und des Finanzministeriums an sämtliche königlichen Regierungen vom 26.2.1841 "Des Königs Majestät haben mit Missfallen wahrgenommen, dass häufig bei der Anlegung neuer Chausseen die alten mit Alleen bepflanzten Wege nicht beibehalten und die Bäume alsdann umgehauen oder sonst weggeschafft worden sind. Damit nicht auf diese Weise die Länder und Wege ihrer Zierde beraubt werden, haben Allerhöchstdieselben befohlen, bei Anlagen von Chausseen oder Eisenbahnen streng darauf zu achten, dass von den alten Straßen nicht wie öfters geschehen, bloß deshalb abgewichen werde, um ganz geringe Biegungen zu vermeiden, dieselben vielmehr nur da, wo sich eine wirkliche Notwendigkeit ergibt, verlassen werden. Wenn ein solcher Fall eintritt, wollen des Königs Majestät insofern der Grund und Boden zu den Domänen oder Staatswaldungen gehört, die vorhandenen alten Alleen jedenfalls erhalten wissen,….. Indem der königlichen Regierung dies zur Beachtung eröffnet wird, wird ihr zugleich eingeschärft, aufs Strengste darauf zu sehen, dass Lichten und Aushauen prachtvoller Alleen, wie solches seine Majestät hier und da bemerkt habe, künftig durchaus unterbleibe." Berlin, den 26. Februar 1841 Gez. Von Ladenberg und Graf von Albensleben

Dr. Andreas Steiner 02.03.2013 - 19:04:07

Antwort an Herrn Hasselmann

Hallo Herr Hasselmann, es ist nicht gesagt, dass alte (Straßen)bäume zukünftig mehr CO2 binden können als jüngere. Hier kommt es immer darauf an, welchen Zuwachs pro Zeiteinheit die jeweiligen zu betrachtenden Bäume haben. Hat ein Baum seinen Zenit überschritten und wächst er kaum oder nicht mehr, wird er keine weitere CO2-Bindung mehr aufweisen. Das Bindungspotenzial wird wie gesagt immer adäquat zum Holzzuwachs sein. Aber das ist im Prinzip nicht der relevante Punkt. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass man Alleebäume so lange wie möglich stehen lassen sollte, denn das in der Vergangenheit gespeicherte CO2 ist im Holz und wird nicht in die Atmosphäre freigesetzt. Jedes Jahr mehr wäre dann, wenn man an die Klimaschädlichkeit von CO2 glaubt, somit ein gewonnenes Jahr. Gleiches gilt für Altagsgegenstände: Möbel, die über viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte in Gebrauch sind, sind als ökologisch verträglicher als bspsw. Wegwerfverpackungen oder Katonagen zu werten, die i.d.R. nach einmaligen Gebrauch der thermischen Verwertung (sprich: Verbrennung) zugeführt werden. Zur Melasse: Alles hat ein für und wieder und nichts wird die perfekte Lösung sein. Salz ist für die Umwelt ohne Frage schädlich, wird diese Schädlichkeit von Melasse übertroffen? Weiterhin wäre es ja möglich, mit Melasse-Sand-Salz-Mischungen zu arbeiten. Ziel: Höchste Effektivität gegen Sträßenglätte bei geringmöglicher Umweltbelastung. Zu all diesen Fragestellungen könnten Forschungen ansetzen.

Mathias Hasselmann 02.03.2013 - 14:52:26

Umwelteinflüsse von Melasse und CO2-Bilanz von Altbäumen

Sehr geehrter Dr. Steine, vielen Dank für die Informationen. Der Ansatz Streusalz mit Rübenzucker zu versetzen, um Baumschäden zu verringern war mir bislang nicht bekannt - aber ich bin auch Laie. Nur sind die Schweizer wirklich so zufrieden mit dieser Technik, wie sie vermuten? Nach kürzester Recherche zum Thema stieß ich auf einen Erfahrungsbericht des Kantons Bern, welcher herausstellt, dass es bei allen positiven Aspekten des Melasseeinsatzes, auch einige bedenkenswerte Umweltprobleme gibt: So scheint es, dass die Melasse das Algenwachstum in Gewässern verstärkt und somit Seen umkippen lassen könnte. Zudem soll die Melasse - laut dem Bericht - Probleme in den Kläranlagen verursachen. http://kommunale-infrastruktur.ch/cmsfiles/06_roesti.pdf Beim Stutzen meines Flieders sind mir auch Bedenken bezüglich der vorgeblich so hervorragenden CO2-Bilanz von alten Alleebäumen gekommen: Bäume binden CO2, indem sie Glukose bilden und hieraus Blättern und Zweigen bilden. Das Laub fällt im Herbst und im Rahmen der Baumpflege werden die Altbestände auch regelmässig kräftig zurückgeschnitten. Forstwissenschaftler scheinen es ähnlich zu sehen, z.B. http://www.zeit.de/2009/43/U-Waldklima . Gibt es wissenschaftliche Studien, welche Belegen, dass alte __Straßen__bäume mehr CO2 binden, als jüngere, noch wachsende Bäume?

Forstmann 02.03.2013 - 11:01:59

Alleenschutz

Ich kann Herrn Steiner in allen seinen Argumenten zum Erhalt der alten Alleen beipflichten.Wer etwas anderes will,ich will es mal gelinde ausdrücken,hat sich über die Bedeutung von Altbäumen und Alleen nicht im geringsten sachkundig gemacht.Wie Herr Steiner schon schreibt geht es nur um Kostenminimierung auf Teufel komm raus und das geht nur ohne Baumpflege und Totholzentfernung,denn das muß ja in Intervallen je nach Baumart,Alter und Standort durchgeführt werden.Dann lieber gleich alles weg.Nachpflanzung dann inweiter Ferne.Eine Nachpflanzung bedarf auch gewissenhafter Pflege und in trockenen Sommern eine ausreichende Bewässerung.Ich glaube nicht,daß dies viel billiger ist als eine fachgerechte Baumpflege.Erst wenn die Alleen verschwunden sind werden die Brandenburger sehen was sie verloren haben und das in vielen Fällen unwiederbringlich.Man sollte froh sein,daß sich Leute wie Herr Steiner so vehement für Erhalt von alleen einsetzt.

Tja ... 02.03.2013 - 10:59:26

@Mathias Hasselmann:

Hier im Raum MOL sind die Alleen überwiegend Bundesstraßen und sind seit vielen Jahren regelmäßig auf Tempo 80 limitiert, ergänzt durch ein eigens für Brandenburg entwickeltes Zusatzschild, das ein an einen Baum gefahrenes Auto zeigt. Mag sein, daß Land und Landkreise aus Kostengründen solche Schilder an ihren Strecken bisher nicht aufgestellt hatten, das ist jetzt aber auch ohne Belang, da aufgrund des "Vogelsänger-Erlasses" ab 1.1.2013 auf allen Straßen im Land Brandenburg Höchsttempo 70 gilt, soweit Hindernisse weniger als 3 m vom Fahrbahnrand entfernt stehen und nicht durch Leitplanken gesichert sind. Das gilt demnach dann auch für Alleen, auch wenn sich die Umsetzung scheinbar noch etwas schleppend vollzieht, wohl wegen der Kosten. Die Baumlinie weiter entfernt von der Fahrbahn zu setzen ist sicherlich wünschenswert, aber in den allermeisten Fällen schlicht unrealistisch. Keine Straße hat einen Grundstückskorridor der so breit ist, daß man 4,5 m neben der Fahrbahnkante Bäume pflanzen könnte. Um das so umzusetzen, müßte der jeweilige Straßenbaulasträger versuchen Teilbereiche der angrenzenden Ackerflächen zu kaufen, das wäre mit einem gigantischen bürokratischen wie wirtschaftlichen Aufwand verbunden, ganz abgesehen davon daß schon zweifelhaft ist, ob Landeigentümer überhaupt bereit sind Teile ihres Ackers zu verkaufen, da eine Selbstnutzung oder Verpachtung einträglicher ist. Aus meiner Sicht werden perspektivisch die Sparzwänge für die öffentlichen Haushalte noch gravierend zunehmen, so daß mit jedem Jahr des Abwartens die Wahrscheinlichkeit sinkt, daß ein Straßenbaulastträger imstande ist Alleen aufzuforsten. Am ehesten dürfte wohl ein Ersatz einzelner Bäume in Bestandsalleen gelingen, aber auch das scheint in der Praxis schon die Ausnahme zu sein. All unsere gutgemeinten Wünsche nutzen nichts, wenn sie keiner finanzieren kann.

Dr. Andreas Steiner 02.03.2013 - 10:49:37

Schreibfehler

...natürlich muss es Melasse heißen...

Dr. Andreas Steiner 02.03.2013 - 10:48:28

Sehr geehrter Herr Hasselmann,

holprig ist die K6005 (Allee Rüdnitz-Danewitz) nur, weil sich der Landkreis Barnim im Jahr 2006 mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, die Straße unter Erhalt des alten Baumbestandes zu erneuern. Das wäre aber möglich gewesen. Kollisionen mit Alleebäumen gibt es meines Wissens an der Straße nicht, sonst hätten sich die Medien schon auf das "gefundene Fressen" gestürzt. Die Straße als Dorfverbindungsstraße braucht nicht breiter zu sein, dann wird wenigstens nicht gerast. Spart außerdem Kosten für die routinemäßige Erneuerung, wenn es keine allzu breite Straße ist. Äußerst lückenhaft ist der Alleenbestand auch nicht, sondern noch für das Alter der Ahoonbäume recht geschlossen. Ich vermute, Sie haben die Allee nie besucht und machen sich deshalb ein falsches Bild davon. Eine Streusalzproblematik bräuchte es nicht gegen. Man könnte auch mit Molasse (Zuckerersatzstoff) arbeiten, wenn man das wollte. Wurde in der Schweiz schon praktiziert. Soll auch nicht kostenaufwändiger sein, sondern im Gegenteil umweltschonender. Denn Salz schädigt und vernichtet nicht nur Straßenbäume, sondern verseucht landwirtschaftliche Flächen, das Grundwasser und die Vorfluter. Und da sind wir an dem springenden Punkt: Finanzmittel zur Wiederherstellung der Alleen sollten eben bereit gestellt werden, aber auch für eine ausreichende Pflege alter Straßenbäume.

Mathias Hasselmann 02.03.2013 - 10:27:23

Straßenbreite

Sehr geehrter Dr. Steiner, äußerst geschickt wie sie ein wesentliches Argument des Herrn Beyer ausblenden, nämlich die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch das Versetzen der Baumlinie. Die K6005 ist eine enge, unübersichtliche Holperpiste mit äußerst lückenhaftem Baumbestand. Nun kenne ich nicht die Unfallstatistik für diese Straße, aber als gelegentlicher Benutzer würde ich es sehr begrüssen, würde die Baumlinie an derartigen Straßen versetzt. Neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit, würde dies sicherlich Ihr Streusalzproblem lösen. Des weiteren stelle ich mir - volkommen laienhaft - vor, dass man bei einer zeitgemässen Bepflanzung die permanente Beschädigung der Straßendecke durch Wurzelwerk reduzieren würde. Ebenso ignorieren sie, dass Herrn Beyers Anliegen einer sachlichen Alleenplanung auch einen Nachhaltigkeitsaspekt enthält. Niemanden ist geholfen wenn die Alleenbäume aus Überalterung großflächig zusammenbrechen, und dann keine Finanzmittel zur Wiederherstellung der Alleen eingeplant wird. Sie geben vor, die Alleen schützen zu wollen, aber mit der von Ihnen progagierten Untätigkeit ist doch vielmehr zu erwarten, dass es in 20, 30 Jahren keine brandenburgischen Alleen mehr geben wird: Abgestorben und wegrationalisiert

Leser 02.03.2013 - 10:03:47

Was für ein albernes Theater!

Dass ein deutlich höheres Unfallrisiko an sicht besteht, wenn Bäume unmittelbar am Fahrbahnrand und nicht drei oder vier Meter neben der Straße stehen, muss einem Dr. tatsächlich noch bewiesen werden? Und weil es an sachlichen Argumenten fehlt, wird dem Abgeordneten Beyer schnell unterstellt, es ginge ihm um die eigene Karriere und nicht um die Sache? Was für ein Armutszeugnis, Dr. Steiner!

Radfahrer 02.03.2013 - 09:34:40

Herr Akademiker

Erstellen wir mal ein Alleenkonzept, wie einen Plan zum Umgang mit dem Wolf, dem Biber usw.. Aber wie Herr Steiner schon sagt, rechtzeitiges Nachpflanzen erspart baumleere Strassen. Ihr Konzept, Herr Beyer, ist theoretisch am Schreibtisch erdacht - frei nach dem Motto: Wir planen jetzt einen Plan. Das geht aber nicht auf. Sie holzen doch auch keinen Wald komplett ab und forsten ihn nach einigen Jahren wieder auf. Und der Verkehrsicherungspflicht kommt man mit fachgerechtem Beschnitt nach. Aber eben daran mangelt es. Vor zwei Tagen konnten wir in der MOZ lesen, dass auf Grund eines Missverständnisses statt 20% gar 80% nicht be- sondern verschnitten wurden. Viele Bäume an unseren Alleen würden noch stehen, wären sie vom Fachmann und nicht vom Straßenarbeiter beschnitten worden.

Dr. Andreas Steiner 02.03.2013 - 09:24:10

Einfach mal beobachten und wissenschaftlich analysieren

Lieber Gregor Beyer, nach Deiner Argumentation wäre die Allee Rüdnitz-Danewitz im Barnim jetzt Geschichte. Doch zum Glück steht sie noch, weil um sie gekämpft worden ist. Viele Tonnen CO2, die jetzt noch viele Jahre im Holz der Bäume gebunden, und nicht in der Atmosphäre gelandet sind. Dafür könntest Du eine Menge schneller spritfressender Autos fahren, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben ;-). Alte Alleen komplett fällen zu wollen mit der Vorgabe, man will damit doch "was Gutes tun" und den Naturschutz in der Zukunft bedienen, eben damit nachhaltig handeln, ist für mich eine ganz schlimme Form von Tatsachenverdrehung und Greenwashing. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen Du hier als fachlich fundierter Ökologe die Positionen der Gegenseite bedienst. Vielleicht Karrieregründe? Wer hat denn festgeschrieben, dass Alleen immer gleichaltrig sein müssen? Diese Festschreibung kenne ich nicht. Deine Argumentation, alte Alleen in Form einer sukzessiven Entwicklungssteuerung nicht erneuen zu können, ist für mich nicht plausibel. Vielerorts wird es von den Straßenmeistereien praktiziert, ein gut gelungenes Beispiel kann man kurz vor dem Ortseingangsschild Sandkrug (von Eberswalde kommend) auf der rechten Straßenseite anschauen. Die jungen Bäume füllen sehr gut die Lücken aus, wo einst die alten standen, die gefällt worden sind. Es ergibt sich somit ein höchst harmonisches Gesamtbild. Das Wachstum der Bäume, die immer genügend Licht erhalten, ist im Vergleich zu den ausgewachsenen Nachbarbäumen so rasant, dass sie die Lücken schön ausfüllen. Einig sind wir nur darin, dass solche Bäume, die die Verkehrssicherheit gefährden, entfernt werden müssen. Dass aber in Brandenburg zu viel und zu früh gefällt wird, diese Position vertrete ich. Man will alte Alleebäume erst gar nicht in das Alter kommen lassen, weil man deren Pflegeaufwand (Totholzentfernung, Kronenschnitte) scheut. Deshalb werden vom Landesbetrieb Straßenwesen auch völlig gesunde Straßenbäume, die noch keine Fäulnisschäden oder Bruchmerkmale aufweisen, gefällt. Die Fällquote muss einfach jedes Jahr stimmen. Jeder, der mit wachem Auge durch die Landschaft fährt, wird solche gefällten Exemplare am Straßenrand sehen, teilweise in Stücke geschnitten, dass man sich ein gutes Bild über den jeweiligen Vitalitätszustand machen kann. Dass man Alleen zukünfig in 4,50 m Abstand zu pflanzen hat, ist so auch nicht richtig. Schau Dich mal im Land Brandenburg um, dann wirst Du neu angelegte Alleen finden, die in einem Abstand gepflanzt werden wie immer. Übrigens: Die Folgeschäden bei 4,50 m Abstand dürften ähnlich hoch sein, wenn ein Auto mit 80 km/h die Straße verlässt und gegen einen Alleebaum prallt. Beweise mir bitte erst einmal, dass ich diesbezüglich mit meiner Argumentation im Unrecht liege. Zudem wirst Du auch kaum Standorte finden, um neue Alleen mit diesem Abstand begründen zu können. Dazu müssten die Bauern Teile ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche verkaufen, wozu viele nicht bereit sein werden. Also ist dieses Vorhaben "4,50 m" ein totgeborenes Kind, entworfen auf dem Reißbrett praxisferner Verwaltungsbürokraten.

Mathias Hasselmann 02.03.2013 - 01:41:21

Tempo 80 auf Alleen?

Tempo 80 auf brandenburgischen Alleen? Was? Wie? Wo? An den recht engen und hügeligen Land- und Kreisstraßen im Barnim stehen jedenfalls nur wenige Geschwindigkeitsbegrenzungen. Obwohl es vielerorts angemessen wäre.

Gregor Beyer 02.03.2013 - 00:14:25

Einfach mal durchatmen :-)

Lieber Andreas Steiner! Einfach mal durchatmen und dann ganz nüchtern und sachlich –so wie es sich für einen Wissenschaftler gehört- die Sachlage analysieren. Alleen leben von der Gleichaltrigkeit ihrer Bestandesglieder, weil genau dies zum dauerhaften Kronenschluss führt, der während der Vegetationsphase den herrlichen Charakter einer Alle bildet. Gleichzeitig bestreitet niemand, dass insbesondere alte Bäume von besonderem ökologischem Wert sind! Nur können wir ganz im Gegensatz zu geschlossenen Wäldern an Straßen aus Verkehrssicherungsgründen eben nicht zulassen, dass Einzelbäume in die finale Zerfallsphase übergehen (ein Zustand der übrigens ökologisch noch bedeutsamer ist als die Alterungsphase). Daher lässt es sich realpraktisch nicht verhindern, dass jede Allee am Ende in Gänze abgängig sein wird. Wenn ich beispielsweise in die Lücken einer über 150 jährigen Eichenallee neue Eichen pflanze, dann wachsen die neuen erst in die „Alleenreife“ rein, wenn die ehemals 150 jährigen endgültig abgängig sind (ich hoffe wir sind uns fachlich einig, dass Eichen an Straßen aus vorgenannten Sicherheitsgründen nicht mit 1.000 Jahren kalkuliert werden können). Unter Akademikern müsste klar sein, dass man banale Naturgesetze respektieren muss und nicht durch unsere Wunschträume ersetzen kann. Daher macht es eben Sinn auch –nicht nur, aber eben auch- verstärkt darüber nachzudenken Alleen initial an geeigneten Straßen neu zu begründen. Dieses übrigens auch deshalb, weil wir beim Neubegründen heutige Sicherheitsabstände berücksichtigen können, die vor 150 Jahren verständlicher Weise noch keine Rolle spielten. Und was die Aussage anbelangt, dass wir ja nicht sicher sein können, ob eine neu begründete Allee auch wirklich in die Altersphase reinwächst, kann ich nur sehr beruhigt feststellen, dass unsere Altvorderen solche Bedenken offensichtlich nicht hatten –weil, sonst gäbe es heute gar keine Alleen! Wenn wir also endlich mal den Mut hätten eine Konzeption zu erstellen, mit der wir berechnet auf den gewünschten Endbestand von Alleen in Brandenburg festlegen würden, wie viele Alleen wir jedes Jahr neu pflanzen müssten –und dieses unter Klärung der Finanzierung auch tun würden- dann hätten alle nachfolgenden Generationen einen gesicherten Alleenbestand der dieses Wort auch verdient! Übrigens wäre das im 300ten Jahr der Nachhaltigkeit eine besonders lohnenswerte Arbeit. Man müsste nämlich nur in alte forstliche Lehrbücher reinschauen und bräuchte eine solche Konzeption noch nicht mal neu erfinden. Wenn wir dann einen Zustand erreichen (zugegebener Maßen erst in 100 Jahren, aber das sind für Förster ja keine erschreckenden Zeiträume), bei dem ausreichend Alleen in allen Altersklassen vorhanden sind, dann könnten wir auch ganz emotionslos Alleen die in die Zerfallsphase übergehen für neue in der jüngsten Phase in Gänze entnehmen. Und das wäre dann nachhaltig im besten Sinne des Wortes. Aber dafür müssten wir halt einfach mal anfangen: Genau so wie es unsere Vorgenerationen getan haben, als sie Alleen pflanzten im sicheren Wissen, dass sie sie nie erleben werden, aber im Glauben, dass wir uns Heute daran erfreuen werden! In diesem Sinne mit herzlichem Gruß zu später Stunde aus Weimar! Gregor Beyer

Tja ... 01.03.2013 - 22:57:58

Anfahrschäden

Anfahrschäden sind durch die Verringerung der Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 70 km/h doch zukünftig nicht mehr zu erwarten, darum ja der entsprechende Erlaß von Verkehrsminister Vogelsänger. Ansonsten stimme ich voll mit Ihnen überein.

Dr. Andreas Steiner 01.03.2013 - 22:05:33

Gregor Beyer outet sich eher als Alleenfeind

Eine Schande ist das: Es geht mir nicht in den Kopf, wie sich Gregor Beyer als Alleenfreund bezeichnen kann, wenn er dafür plädiert, intakte alte Alleen fällen zu lassen. Alte Bäume sollten schon alleine aus ökologischen und landschaftsästhetischen Gründen so lange wie möglich stehen bleiben. Und für deren Erhalt und Pflege sollte alles getan werden. Ich bin, wie Beyer, auch für die Neuanlage von Alleen. Aber dafür müssen doch keine alten Alleen geopfert werden! Neuanlagen könnten dort realisiert werden, wo Platz dafür da ist. Denn wie viele Jahre braucht eine junge Allee, um den Wert einer alten Allee zu erreichen? Natürlich viele viele Jahrzehnte. Selbst eine 50-jährige Allee hat noch kaum ökologische Funktionen anzubieten. Zwischenpflanzungen in Alleenlücken müssen erfolgen! Zudem sind Neupflanzungen immer mit Risiken verbunden. Wir wissen nicht, ob die Bäume jemals das Erwachsenenalter erreichen werden. Bei den permanenten Angriffen durch Streusalz und Anfahrschäden... In diesem Zusammenhang ein Hinweis auf meinen Artikel: Brandenburg wird bald frei von alten Alleebäumen sein http://www.bar-blog.de/2013/02/23/brandenburg-wird-bald-frei-von-alten-alleebaeumen-sein Dr. Andreas Steiner GRÜNE LIGA Brandenburg

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