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"Stimmungsmache gegen Kassenärzte"

Viola Petersson / 02.03.2017, 07:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Hausarzt Bernd Pohle ist sauer. Sauer unter anderem auf den Krankenhausbetreiber. Und er macht daraus auch keinen Hehl. Den Beitrag "Wir schicken keine Patienten heim" (MOZ vom 28. Februar 2017) zum "GLG-gesteuerten Zoff" in Sachen Rettungsstelle mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KV) habe er "mit Verärgerung" gelesen. Pohle, der eine Praxis im Leibnizviertel betreibt, vertritt die Interessen der niedergelassenen Kollegen in der KV Brandenburg als gewählter Regionalbeirat für den Mittelbereich Eberswalde.

Vehement widerspricht er der Darstellung der GLG-Geschäftsführung. Nimmt die Aussagen Punkt für Punkt auseinander und fordert die KV zu einer öffentlichen Reaktion auf. Pohle, der die Äußerungen als "Stimmungsmache gegen die KV" bezeichnet, meldet sich seinerseits mit einer acht Aspekte umfassenden Stellungnahme zu Wort. Darin begründet und verteidigt er das Finanzierungssystem der KV. "Die Rettungsstelle ist das, was deren Name sagt: eine Stelle zum Retten von Notfällen und nicht um dienstags ,Kniebeschwerden seit vier Wochen, war noch nicht beim Hausarzt' zu behandeln", schreibt er. "Für diese Fälle ist zurecht die Honorierung abgeschafft worden."

Die meisten der in der Notaufnahme anzutreffenden Patienten haben "schlicht keine Lust, sich beim ambulanten Arzt vorzustellen", so Pohles Erfahrung, "oder wollen eine kostenlose Zweit- und Drittmeinung einholen." Aktuell sei der Kreis Barnim noch zu mehr als hundert Prozent mit Fachärzten versorgt. Die Bedarfsberechnung, so räumt der Mediziner ein, stamme zwar von 1993. Aber dies zu ändern sei "Aufgabe der Politik und der Krankenkassen, die ja das Geld für mehr Ärzte zur Verfügung stellen müssen". Letzteres scheine indes nicht gewollt.

Nicht der Patient bestimme den Notfall, dies sei immer noch eine ärztliche Einschätzung. "Und dann gilt: Notfälle kommen mit Blaulicht ins Krankenhaus und bleiben dort, Akutfälle werden schnell diagnostiziert", so Pohle. In allen anderen Fällen sei eine Terminwartezeit "medizinisch und menschlich zumutbar", sagt er und führt ein Beispiel an. In Eberswalde bekäme ein Patient bei Verdacht auf Gallensteine innerhalb einer Woche einen Termin zum Ultraschall. In England oder in Spanien würden Patienten darauf drei Monate warten. Dies mache auch deutlich, dass Patienten hierzulande auf "Luxusniveau meckern". Auch sie hätten sich daran zu gewöhnen, dass ambulante Versorgung in den Arztpraxen stattfindet.

Im Übrigen sei die KV nicht die Vertretung der Mediziner, sondern der "gesetzliche Vertreter der Rechte und Interessen der niedergelassenen Ärzte". Die Vereinigung sei "nicht verpflichtet, Wunschdienstangebote zu betreiben beziehungsweise mit Geldern der niedergelassenen Ärzte zu bezuschussen".

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