Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Preußen-Prinz jetzt Pfarrer in Brandenburger Gemeinde

Philip Kiril Prinz von Preußen
Philip Kiril Prinz von Preußen © Foto: MZV
10.03.2013, 18:28 Uhr
Birkenwerder (MOZ) Zaghafter Beifall erklingt, als die Kinder singen. Die Anspannung weicht aus dem Gesicht des neuen Pfarrers. Philip Kiril Prinz von Preußen hat gerade seine Predigt beendet, seine sechs Kinder singen mehrstimmig ein englisches Loblied und die Gemeinde klatscht dankbar. Es war ein langer Weg bis zu diesem Moment am Sonntagnachmittag, als der Prinz von Preußen in sein Amt als Pfarrer der evangelischen Gemeinde von Birkenwerder (Oberhavel) eingeführt wird.

Vier Einsprüche hatte es gegen die Wahl des 44-Jährigen gegeben. Sie wurden aus rechtlichen Gründen vom Kirchenrat des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Nord-Ost abgelehnt.

Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers ist wegen seiner Äußerungen und Schriften umstritten. Er schreibt für die konservative Wochenzeitschrift "Junge Freiheit", die von Politikwissenschaftlern als "Sprachrohr der Neuen Rechten mit Brückenfunktion zum Rechtsextremismus" bezeichnet wird. In einer Fernsehsendung von Frank Plasberg hat er sich im vergangenen Jahr öffentlich für die Wiedereinführung der Monarchie ausgesprochen. Auch wegen seiner konsequenten Haltung gegen Abtreibung wird er kritisiert.

Philip von Preußen sieht sich zu Unrecht mit Vorurteilen belegt. Ja - für ihn ist jegliches Leben schützenswert, beruft er sich auf das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten. Und nein - er sei grundsätzlich nicht frauenfeindlich und auch nicht gegen Frauen im Priesteramt. Auch die Ökumene - der Austausch zwischen den christlichen Kirchen - sei ihm ein Anliegen.

Die Kirchengemeinde von Birkenwerder ist jetzt trotzdem gespalten. Etwa 30 Gemeindemitglieder haben sich umgemeldet oder aus dem aktiven Gemeindeleben zurückgezogen, heißt es von den Kritikern. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Sohn vom Prinzen von Preußen konfirmiert wird", sagt eine Frau, die in der Nachbargemeinde von Borgsdorf eine neue geistliche Heimat gefunden hat. Auch zahlreiche Mitglieder des Kirchenchores sind abgewandert. Die Ursache dafür liegt nicht nur in der Wahl von Preußens, bereits um seinen Vorgänger Dirk Kroll hatte es Ärger gegeben. Der war das ganze Gegenteil zu von Preußen, in seinem jugendlichen Überschwang sprang Kroll während einer Predigt auch schon mal auf den Altar. Das war einigen Gemeindemitgliedern zu viel.

An diesem Nachmittag klingen die Querelen der vergangenen Monate an einigen Stellen an. Heike Richter, die stellvertretende Superintendentin, die von Preußen ins Amt einführt, sagt, dass die Menschen bereit sein müssen, mit ihm den Weg zu gehen. Philip von Preußen selbst erklärt: "Wir werden im Laufe der Jahre viel miteinander ringen - wenn sie wiederkommen", atmet tief und lächelt in die Runde.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Waldemar 12.08.2015 - 01:48:47

Ahnungslose Gemeindemitglieder

Der neue Pfarrer liegt mit seiner Ablehnung der Abtreibung auf der Linie der Heiligen Schrift - wie kann es deswegen Ablehnung oder Abmeldung geben?! Was hat denn diese Gemeinde vorher für Prediger gehabt, wenn ihr nicht mal klar ist, daß Abtreibung Mord ist? Es paßt wohl einigen dshalb nicht, weil sie a) selbst abgetrieben haben oder Töchter haben, die es taten... Nur weil meine Familie mütterlicherseits einst aus Borgsdorf kam (Flüchtlinge), habe ich mich überhaupt veranlaßt gesehen, diesen Kommentar aus dem fernen Westdeutschland abzugeben.

Schlechtmensch 12.03.2013 - 09:03:03

Skandal

Ein evangelischer Pfarrer, der nicht bei den Grünen oder der Linkspartei ist! Das geht natürlich gar nicht!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG