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Gedenken an jüdischen Petershagener mit Gästen aus Polen

Erinnerung über Landesgrenzen

Uwe Spranger / 11.03.2013, 07:45 Uhr
Petershagen-Eggersdorf (MOZ) Etwa 50 Bürger haben am Sonnabend am "Stolperstein" in der Brunnerstraße des 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommenen jüdischen Petershageners Moritz Haike gedacht. Neben Einwohnern aus dem Doppeldorf nahmen erstmals auch Fredersdorf-Vogelsdorfer sowie eine Delegation aus dessen angehendem polnischen Partnerort Skwierzyn an der von der Petershagen-Eggersdorfer Arbeitsgruppe (AG) Erinnerungskultur vorbereiteten Feierstunde teil. In Skwierzyn, damals Schwerin an der Warthe, war Haike am 6. März 1867 geboren worden.

An weitere Stationen im Leben des Kaufmanns und Kommunalpolitikers, der von 1914 bis zu seiner Denunzierung mit Frau und zwei Töchtern in dem Haus in der Brunnerstraße 79 gelebt hatte, erinnerte Günter Knobloch. Im Januar 1944 war Haike mit 62 Leidensgenossen nach Theresienstadt deportiert worden, wo er am 11. Mai den Tod fand.

Nicht allgemein zu erinnern, sondern Geschichte auf den Ort herunterzubrechen sei das Ziel der AG, erklärte Karin Reimann. Zuvor hatte sie einem Achtjährigen aus Vogelsdorf persönlich das Ansinnen des Stolpersteins verdeutlicht. 2013 bieten 80 Jahre Machtergreifung der Nazis und 75 Jahre Novemberpogrome zudem besonderen Anlass zum Gedenken.

Bürgermeister Olaf Borchardt zeigte sich gerührt und dankte der AG für die Erinnerung, die nunmehr über Landesgrenzen hinausgehe. Sein Fredersdorf-Vogelsdorfer Amtskollege Uwe Klett befand, so etwas sollte in der Region viel öfter passieren. Schließlich lebe man in einem "Grenzland, in dem sich deutsche, polnische und jüdische Geschichte auch auf so katastrophale Weise verbindet". Skwierzyns Bürgermeister Tomasz Watros erinnerte an eine Aktion deutscher und polnischer Jugendlicher auf dem jüdischen Friedhof in seinem Ort. Man sollte ähnliche Projekte fördern, "damit sich die Vergangenheit nie wiederholt".

Musik wie das ursprünglich jiddische "Donna, Donna" von Joan Baez und Chopinetüden der Pianistin Alice Herz-Sommer, älteste Überlebende von Teresienstadt, sowie Brecht-Worte von Pfarrerin Thekla Knuth gaben dem Gedenken den passenden Rahmen.

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