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Die FDP und die Team-Fähigkeit

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Ulrich Thiessen / 11.03.2013, 20:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Vier Wochen vor dem Landesparteitag der FDP und anderthalb Jahre vor der Landtagswahl brechen bei den brandenburgischen Liberalen wieder Personaldebatten auf. Wie schon vor einem halben Jahr steht die Landtagsabgeordnete Linda Teuteberg im Zentrum der Diskussion und Spekulationen.

Der Landesvorstand hatte ein klares Zeichen setzen wollen: Der Vorsitzende Gregor Beyer und der Fraktionschef im Landtag, Andreas Büttner, sollten in den Bundesvorstand gewählt werden. Linda Teuteberg durchkreuzte dieses Vorhaben am Wochenende.

Für Büttner geht es darum, sein Profil zu schärfen und ihn zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2014 aufzubauen. So hatte sich das die Parteispitze zumindest gedacht. Die entsprechenden Beschlüsse im Landesvorstand waren ohne die stellvertretende Landesvorsitzende Linda Teuteberg gefallen. Sie hatte sich als krank entschuldigt. Am nächsten Abend glänzte sie beim Polittalk von Stefan Raab, wo sie ein Rededuell mit Politikerinnen anderer Parteien für sich entschied.

Schon im vergangenen Herbst hatte sich Landeschef Beyer beschwert, dass seine Stellvertreterin zu selten an Sitzungen teilnehme und getroffene Absprachen nicht einhalte. Er hatte indirekt mit einer verkappten Rücktrittsforderung das Thema auf die Tagesordnung des Vorstandes gehoben. Teuteberg wies die Vorwürfe damals in einer öffentlichen Erklärung zurück. Danach herrschte zumindest nach außen Ruhe.

Am Wochenende bewarb sie sich auf dem Bundesparteitag für einen Sitz im Vorstand, mit den nötigen Unterstützerunterschriften und ohne das Votum ihres Landesverbandes. Dafür trat der schleswig-holsteinische Fraktionschef Wolfgang Kubicki auf und warb für die 31-jährige Potsdamerin. Teuteberg und Kubicki sind zwei verwandte Seelen, zwei Medienmenschen, heißt es in der brandenburgischen FDP. Aber leider keine Team-Player, wird hinzugefügt. Teuteberg zog in den Bundesvorstand ein, Büttner nicht. Ein herber Schlag für einen künftigen Spitzenkandidaten.

Zurzeit laufen Gespräche, wie sich der Landesvorstand Anfang April auf seinem nächsten Parteitag neu aufstellen soll. An der Wiederwahl von Beyer wird nicht gezweifelt. Ob er ein Team für den engeren Führungszirkel vorschlagen wird, ist offen. Teuteberg dürfte wohl kaum dazu gehören. Unklar ist, ob sie sich den Delegierten dennoch wieder als Stellvertreterin zur Wahl stellt.

Die Basis konnte schon im vergangenen Herbst nicht nachvollziehen, wieso ein Parteichef und seine Stellvertreterin nicht zusammenarbeiten, ja nicht einmal miteinander kommunizieren können. Beide Seiten waren auch nicht in der Lage, die Situation plausibel darzulegen.

Hinzu kam im vergangenen Jahr eine angespannte Situation in der liberalen Landtagsfraktion. Teuteberg hatte sich im Sommer eine Auszeit ausbedungen, um sich auf ihr zweites juristisches Staatsexamen vorzubereiten. Als sie dann aber gar nicht mehr an Landtags-, Ausschuss- und Fraktionssitzungen teilnahm, kam es zu einem Krisentreffen. In der siebenköpfigen Fraktion wurden zähneknirschend Vertretungsregelungen für Teutebergs Ausschussmitgliedschaften bis zum Dezember 2012 ausgehandelt.

Anfang Januar nahm Teuteberg ihre Arbeit im Landtag wieder auf. In der vergangenen Woche fragten die Fraktionskollegen energisch nach, ob das Staatsexamen denn abgelegt wurde, und erhielten die Antwort, dass das nicht der Fall ist.

Auf Nachfrage betonte Teuteberg am Montag, dass die krankheitsbedingt ausgefallenen Klausuren nachgeschrieben werden, ohne dass die Landtagsarbeit darunter leiden werde. Die Kritik an ihrer Kandidatur für den Bundesvorstand kann sie nicht nachvollziehen. Immerhin hatte sie bei der vorletzten Wahl zum ersten Mal den zweiten Platz für Brandenburg erkämpft und sich nun zur Wiederwahl gestellt - im freien Wettbewerb.

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Stephan Fischer 12.03.2013 - 13:35:12

@Teuteberg

Linda Teuteberg engagiert sich! Sie war zuletzt auf Einladung des FDP Ortsverbandes in Eberswalde, um über die Arbeit in der Enquete-Kommission zu berichten. Damals schilderte der über 80jährige Hermann Werth über seine Erfahrungen mit dem DDR-System der Sechziger Jahre: Letztendlich gab es für ihn nur einen Ausweg: Die Flucht nach Westen! Für die DDR-Gesellschaft kam es auf diese Weise auch zu einer Ausblutung von Unternehmergeist und Intelligenz. Meine Bitte an alle Beteiligten, auch in dem aktuellen Streit: Lasst es nicht zu, dass Menschen unmenschlich fertig gemacht werden, nur weil sie vielleicht öfter im Fernsehen und recht hübsch anzusehen sind!!! Schon H. Heine wusste: "Mißhandelt und beschimpft zu werden, ist des Schönen Los auf Erden..."

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