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Trauerfeier auf dem Waldcampus der HNE

Eberswalde verneigt sich vor Professor Wolff

Viola Petersson / 12.03.2013, 04:31 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Waldcampus war über Jahrzehnte seine Wirkungsstätte. Genau dort, im heutigen Wilhelm-Pfeil-Auditorium der HNE, haben Honoratioren der Stadt, Weggefährten, Freunde und Angehörige am Montag in einer bewegenden Trauerfeier von Professor Gunther Wolff Abschied genommen.

"Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot. Der ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird", sagt Alt-Pfarrer Eberhard Rau aus Brodowin fast zum Schluss der offiziellen Trauerfeier im großen Hörsaal auf dem Waldcampus der Eberswalder Hochschule. Gründungsrektor Professor Gunther Wolff, der am 20. Februar im Alter von 83 Jahren gestorben war, ist nicht vergessen.

Mehr als 200 Weggefährten erweisen ihm die letzte Ehre. Weggefährten vor allem aus dem Bereich der Wissenschaft, der Forst, wie auch vom Choriner Musiksommer. Unter den Trauernden neben Landrat Bodo Ihrke und Bürgermeister Friedhelm Boginski etwa Professor Klaus Höppner, Albrecht Milnik, Klaus Dewitz, Irene Vahl, Thomas Lenz, Margitta Kasch, Lars Döbler sowie Christoph Drescher, der neue Musiksommer-Intendant.

Sie alle nehmen Abschied von Gunther Wolff. Voller Trauer und Schmerz, aber auch voll Dankbarkeit. Denn der gebürtige Rübeländer hat Spuren hinterlassen. In Eberswalde und darüber hinaus. Bleibende Spuren. Die Honoratioren versuchen, sich noch einmal dem erfüllten Leben und facettenreichen Wirken des Wahl-Eberswalders zu nähern. Streiflichtartig. Und natürlich mit Musik. Das Konzerthausorchester Berlin, das frühere BSO, eines der Stammorchester in Chorin, spielt Mozarts Adagio aus der Fantasie f-Moll. Neben der Urne steht ein Bild, das den Verstorbenen zeigt. Montagsmalerin Stephanie Turzer vom Kunstverein "Die Mühle" hat Wolff vor zwei Jahren porträtiert. Im Rahmen eines Projektes der Stadt. Wolff saß gern Modell - und ihm gefiel das Werk. Er kaufte es später.

Professor Wilhelm-Günther Vahrson skizziert die berufliche Laufbahn Wolffs. Eine aus heutiger Sicht einmalige und beispiellose Karriere, die keineswegs mit der Emeritierung endete, wie der HNE-Präsident sagt. Wolff blieb der Hochschule stets verbunden und verfolgte die Entwicklung interessiert. So habe er sich noch für ein Projekt zur historischen Aufarbeitung der Ereignisse von 1963, als die forstliche Fakultät in Eberswalde geschlossen wurde, engagiert und "ein wichtiges Interview gegeben", berichtet Vahrson.

Überhaupt: Wolff, der einst selbst in Eberswalde Forstwirtschaft studiert hatte und dessen wissenschaftliches Herz für die sogenannte Fernerkundung schlug, war der HNE immer nah. Auf dem Waldcampus lebte er, dort hatte er sein Büro als künstlerischer Leiter des Musiksommers. Die HNE verdanke ihm ihr grünes Profil, den "grünen Faden", wie Wolff es selbst formulierte. Die Hochschule verliere mit ihm ihren Gründungsvater und einen Freund, seine "intellektuelle Schärfe und seinen Humor", aber nicht ihr Vorbild. "Das wird er bleiben", sagt ein sichtlich bewegter Präsident.

Claas Cordes, Kanzler der Hochschule und Vorsitzender des Musiksommer-Vereins, beleuchtet Wolffs zweite große Passion: Chorin. Voller Hochachtung und mit einem Lächeln in der Erinnerung spricht Cordes von jenem "schlanken, vornehmen Herrn in der ersten Reihe mit dem weißen Haar", dem Gesicht der Konzert-Reihe. Er spricht von jenem "legendären Auftrag", den Professor Richter 1964 Wolff erteilte, sowie von dem "Wunder" des kleinen Vereins und des großen Festivals, das nur durch "den Mut, die Sturheit und das Charisma" Wolffs möglich wurde. Er ruft seine erste Begegnung mit Wolff in der Mensa ins Gedächtnis, die so zufällig anmutete. Doch der Musikliebhaber überließ selten etwas dem Zufall. Cordes wurde 2009 Vereinschef und trat damit bereits die organisatorische Nachfolge von Wolff an. Auch wenn es ihm, Wolff, schwerfiel, "er konnte abgeben", und er ging diesen Weg konsequent. "Ich verdanke ihm auch Chorin", verneigt sich Cordes, der zufälligerweise Jahrgang 1964 ist, vor dem Vater des Musiksommers, dessen letzter großer Traum, die 50. Auflage, unerfüllt bleiben musste.

Am Nachmittag wurde die Urne Wolffs im engsten Familienkreis auf dem Waldfriedhof Eberswalde beigesetzt.

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