Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Vor 75 Jahren wurde der Schöneicher Weidensee unter Schutz gestellt / Neue Broschüre erschienen

Schöneicher Naturidyll - bedroht und gerettet

Lebensraum vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten: der Weidensee in Schöneiche
Lebensraum vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten: der Weidensee in Schöneiche © Foto: MOZ
Michael Gabel / 12.03.2013, 07:02 Uhr - Aktualisiert 16.03.2013, 14:02
Schöneiche (MOZ) Um ein Haar würde es den Schöneicher Weidensee gar nicht mehr geben. Denn Ende der 1970er-Jahre war das Gewässer völlig ausgetrocknet. Diese und weitere Geschichten erzählt ein von Wolfgang Cajar geschriebenes und vom Naturschutzaktiv herausgegebenes Heft, das jetzt erschienen ist.

Eine dicke, weiße Schneeschicht überzieht das Ufer des Weidensees. Die angenehme Ruhe wird nur vom ganz in der Ferne wahrzunehmenden Rauschen des Verkehrs auf der B1 etwas gestört. Das Gewässer liegt in der Nähe der Kulturgießerei und doch ein wenig versteckt. Es ist der größte der einst 15 Pfuhle, die es in diesem Bereich gab. Doch während beispielsweise der Küsterteich, die "Hölle" und der "Klare" schon lange nicht mehr existieren, etwa weil sie einfach im Zuge der Großraumwirtschaft der LPGen zugepflügt wurden, so liegt der 10 000 Jahre alte Weidensee immer noch malerisch da und bieten vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten eine Heimstatt.

Doch um ein Haar wäre auch das 120 Meter lange und 50 Meter breite Gewässer nur noch ein Fall für die Geschichtsbücher. "Als in den 190er-Jahren die Stallkomplexe der LPG/Tierproduktion aufgebaut wurden, wurde der See in Mitleidenschaft gezogen", erzählt Cajar in seinem Heft. "Die Fundamentpfosten der neuen Stallgebäude wurden in den Boden gerammt, ohne auf die unter dem Gelände hindurchführenden Rohrleitungen Rücksicht zu nehmen." Diese aber versorgten den See mit zusätzlichem Frischwasser. Die Folge: Die Rohrleitung wurde an einigen Stellen zerstört. Der See trocknete aus.

Manchem sei das ganz recht gewesen, ist Cajar überzeugt. "Die LPG überlegte sogar, das leere Becken als Ablagerungsbecken für Gülle zu benutzen." Zum Glück gab es seit 1967 das Schöneicher Naturschutzaktiv, das sich der Idee entgegen setzte. Die damals etwa 30 Mitglieder wollten das Gewässer, das am 7. November 1938 unter Naturschutz gestellt worden war, unbedingt erhalten. Anfang der 1980er-Jahre säuberten sie innerhalb von drei Jahren die ehemals verschlammte Senke, schachteten Zuflussgräben aus und verschönerten die Uferzone. Sie hatten dabei manche Helfer, darunter Genossenschaftsbauern und Mitglieder der Produktionsgenossenschaft Flora.

Doch noch war der See nicht dauerhaft gerettet. Nach der Wende war lange nicht klar, wie intensiv in dem Gewässer gefischt werden darf. Erst nach vielen Gesprächen wurde vereinbart, dass nur "einmal im Jahr die Großfische aus dem See abgefischt werden dürfen, um in der übrigen Jahreszeit den zahlreichen anderen Tierarten ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten zu geben", wie Cajar schreibt.

Die Liste der Tierarten, die sich mittlerweile am Weidensee niedergelassen haben, ist beeindruckend. Auf ihr stehen verschiedene Froscharten, Molche, Knoblauchkröte und Erdkröte, Ringelnatter und Zauneidechse. Dazu kommen noch viele Brutvogelarten. An Pflanzen finden sich an dem Gewässer natürlich Weidenarten - Bruch- und Grauweide - sowie Rot- und Stieleiche, Pappel und Ulme. Längst ist der See wieder unter Schutz gestellt.

"Geschichte(n) um den Schöneicher Weidensee" ist unter anderem im Heimathaus und in der Kutourkate zu erhalten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG