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Bahnhof mit neuem Leben erfüllt

Handwerker arbeiten auf Hochtouren: Am 13. April soll das Gebäude im Rahmen eines Dankeschönfestes der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Handwerker arbeiten auf Hochtouren: Am 13. April soll das Gebäude im Rahmen eines Dankeschönfestes der Öffentlichkeit präsentiert werden. © Foto: MOZ/Jˆrn Tornow
Jörg Kühl / 15.03.2013, 07:19 Uhr
Jamlitz (MOZ) Die Sanierung des Bahnhofs Jamlitz kommt gut voran. Bereits im April will der Jugendhilfeverein Karuna dort erste Seminare mit Jugendlichen in dem Backsteingebäude durchführen.

Anett Quint muss sich in diesen Tagen mit Themen beschäftigen, die eigentlich nicht zu ihrem Hauptaufgabengebiet gehören: Die Sozialpädagogin überwacht Handwerker, die im Untergeschoss des Jamlitzer Bahnhofs letzte Arbeiten durchführen, bespricht sich vor Ort mit den Architekten Uta und Stephan Broniecki und hält telefonisch Kontakt zum Berliner Jugendhilfeverein Karuna, der den Bahnhof 2008 gekauft hatte, um dort ein Jugendbegegnungs- und Bildungszentrum einzurichten.

Anett Quint arbeitete 22 Jahre lang beim Bad Muskauer Verein Turm-Villa, der sich der deutsch-polnischen Jugendbegegnung verschrieben hat. Die 42-Jährige ist von Karuna mit der Leitung des Objekts in Jamlitz beauftragt worden.

Bauherren und Architekten stehen vor der Herausforderung das ehemalige Funktionsgebäude in ein Seminargebäude umzugestalten. Dabei wurde aus Denkmalschutzgründen Wert darauf gelegt, die historische Bausubstanz des Baukörpers, aber auch einzelne Details im Inneren weitgehend zu erhalten. So wird der künftige Empfangsraum deutlich erkennen lassen, dass es sich um die ehemalige Schalterhalle handelt. Der Bahnhof, der ein Teil der Infrastruktur des ehemaligen KZ-Nebenlagers Lieberose sowie des NKWD-Speziallagers Nr. 6 war, gilt als ein besonders sensibles Zeitzeugnis.

Nach der Sicherung des verfallenen Bahnhofsgebäudes wurde das Dach neu eingedeckt. Danach herrschte mehr als ein Jahr Funkstille auf der Baustelle. Erst nachdem die weitere Finanzierung des Projektes geklärt war, konnte im vorigem Jahr weiter am Aus- und Umbau der Immobilie gearbeitet werden, und das mit Hochdruck.

Inzwischen sind die Handwerker so weit, dass das Untergeschoss bis auf einen Raum beinahe fertig gestellt ist. Das muss es auch, denn bereits im April soll das erste Seminar mit Jugendlichen aus Hamburg durchgeführt werden.

Auffällig ist, dass nach der Sanierung des Untergeschosses jeder Raum eine eigene Farbe hat. Das Obergeschoss, in dem mehrere Zimmer zum Übernachten geplant sind, wird laut Anett Quint zu einem späteren Zeitpunkt fertiggestellt, weil die Finanzierung noch ungeklärt sei. Die ersten Gäste werden einstweilen in dem eigentlich als Seminarraum geplanten Saal untergebracht. Die ehemalige Bahnhofsgaststätte wird die künftige Küche mit Speisesaal. Anett Quint plant, die Zubereitung der Speisen in die Seminare pädagogisch einzuflechten.

Der Bahnhof wird künftig den Namen "Justus-Delbrück-Haus, Akademie für Mitbestimmung Bahnhof Jamlitz" tragen, verrät Anett Quint. Justus Delbrück war am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt, wurde verhaftet, überlebte und wurde nach dem Krieg vom NKWD inhaftiert. Er verstarb im Speziallager Jamlitz im Oktober 1945.

Anett Quint beabsichtigt, die tragische Geschichte des Ortes in ihre pädagogische Arbeit und insbesondere in die Demokratiebildung, einzubeziehen. "Nirgendwo kann man so gut zeigen, wie hier, was passiert, wenn Demokratie abhanden kommt", so die Leiterin des Hauses. In diesem Zusammenhang schweben ihr auch Begegnungen Jugendlicher mit Zeitzeugen vor. Innerhalb der Mauern möchte sie mit den Jugendlichen "Demokratie im Kleinen" leben. Selbstverständlich, so Anett Quint, wird im Gebäude ein absolutes Rauch- und Alkoholverbot herrschen.

Unter dem Dach soll das Dokumentationszentrum einziehen. Wann Andreas Weigelt, Lieberoser Historiker, und Mitarbeiterin Karin Görsch die Räumlichkeit beziehen können, sei aber noch unklar.

Am 4. April will die Pädagogin das sanierte Bauwerk und das pädagogisches Konzept der Einrichtung im Lieberoser Begegnungszentrum FiZ vorstellen. Am 13. April ist ein "Dankeschönfest" für die Baufirmen geplant. Zu diesem Anlass seien alle Bürger, die Interesse haben, die Einrichtung in Augenschein zu nehmen, eingeladen, so Anett Quint. Die offizielle Einweihung soll aber erst im September durchgeführt werden.

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