Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wandlitzer Senioren reparieren gemeinsam mit Asylbewerbern gespendete Fahrräder

Plastiktüte als Werkzeugkasten

Gemeinsam reparieren: Die Wandlitzer Jürgen Geschke (v.l.) und Bernd Trögel (m.) helfen in der Fahrradwerkstatt des Asylbewerberheimes an der Bernauer Chaussee. Sie zeigen den jungen Heimbewohnern, wie die Räder wieder fit gemacht werden.
Gemeinsam reparieren: Die Wandlitzer Jürgen Geschke (v.l.) und Bernd Trögel (m.) helfen in der Fahrradwerkstatt des Asylbewerberheimes an der Bernauer Chaussee. Sie zeigen den jungen Heimbewohnern, wie die Räder wieder fit gemacht werden. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Steffi Bey / 21.03.2013, 19:33 Uhr
Wandlitz (MOZ) Obwohl Bernd Trögel in den vergangenen Wochen schon oft im Asylbewerberheim an der Bernauer Chaussee war, und für mehrere Bewohner gedolmetscht hat, betritt er nun zum ersten Mal die Fahrradwerkstatt. Einen kleinen Raum mit weißen Wänden in dem zunächst nur drei Stühle stehen. Trögel, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat eine bunte Einkaufstüte dabei. "Da sind Schraubendreher drin, ein paar Schläuche, Flickzeug und Ölspray für die Kette" sagt der Senior.

An seiner Seite steht Jürgen Geschke. Kein Unbekannter in Wandlitz - schließlich hatte der frühere Radweltmeister bis 2012 ein eigenes Geschäft im Ort. Geschke wurde jedenfalls von Trögel angerufen und gefragt, ob er in der Fahrradwerkstatt mitmachen möchte. "Ich habe gleich zugesagt, schließlich kann ich garantiert meine Erfahrungen einbringen", erklärt der drahtige Rentner. Außerdem betonen beide: "Wir sind aus menschlichen Gründen hier und wollen helfen."

25 Räder sind seit dem Eintreffen der Asylbewerber, Anfang des Jahres, inzwischen gespendet worden. "Wir wollen jedem Bewohner, der ein Rad nutzen möchte, auch eins zur Verfügung stellen", sagt Mathis Oberhof vom "Runden Tisch Toleranz". Nur müssen die eben erst aufgearbeitet werden. Und das soll gemeinsam passieren - Hand in Hand sozusagen, in einer Art Workshop.

Trotz Sprachbarrieren funktioniert das ganz gut. Karvan und Haot aus dem Irak sowie Zaheer Abbas aus Pakistan bringen die ersten Räder in die kleine Werkstatt. Trögel klopft mit seinem Stock zunächst zweimal kräftig gegen den Rahmen, nickt und begutachtet Lampen und Dynamo. "Der Draht ist gerissen", sagt er, gibt Haot ein Zeichen und hält seinen provisorischen Werkzeugbeutel in den Händen. Während der 74-jährige Trögel die Lampen wieder zum Leuchten bringt, kümmert sich Geschke um das Rad von Karvan. "Ich finde es gut, dass wir was lernen", sagt der Iraker. Er ist schon öfter mit einem Rad in den Supermarkt gefahren und bis nach Bernau.

Nach einer reichlichen Stunde sind vier weitere Räder verkehrstauglich. Die Heimbewohner strahlen und auch die ehrenamtlichen Helfer sind zufrieden. "So oft es meine Zeit erlaubt, werde ich wiederkommen", macht Jürgen Geschke deutlich. Und dann schieben sie die Räder neben die "Halle der Solidarität", in der die vielen anderen Spenden lagern.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG