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Osterbrauch Eiertrudeln ist noch lebendig

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dpa / 27.03.2013, 02:55 Uhr
Angermünde (DPA) Unter allen alten Osterbräuchen aus vorchristlicher Zeit ist das Eiertrudeln einem Volkskundler zufolge noch am lebendigsten. Es ist auch als Ostereierschieben bekannt. Bei dem Brauch lässt man farbige Ostereier einen Berg herunterrollen. "Familien machen es, es ist ein geselliges Beisammensein und ein sportlicher Wettkampf in der Natur", sagte der Museologe und Volkskundler Lutz Libert vom Angermünder Heimatmuseum im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Aus diesem Grunde habe sich das traditionelle Eiertrudeln an vielen Orten in ganz Deutschland gehalten, beispielsweise in Stolpe an der Oder.

Zu den Osterfeiertagen nutzen die Uckermärker die hügelige Landschaft, um Hühnereier rollen zu lassen. Wessen Ei am weitesten rollt oder die Schale der anderen zerschlägt, hat gewonnen. "Das Ei ist ein altes Symbol für das Frühjahr, für die Wiedergeburt der Natur", sagte Libert. Im Gegensatz zu anderen Bräuchen gehe es beim Trudeln aber nicht so sehr um einen Glauben oder Aberglauben, sondern viel mehr um Spaß. "Deswegen hält sich dieser Brauch auch mehr als andere."

Das traditionelle Osterwasserholen oder das sogenannte Stüpen seien dagegen eher auf dem Rückzug. Früher zogen Mädchen am Ostersonntag noch vor Sonnenaufgang los und holten Wasser - möglichst von einem fließenden Wasser, zum Beispiel von der Adlerquelle am Wolletzsee in Angermünde. Dabei durften sie nicht sprechen - sonst wäre der Zauber dahin gewesen. "Die Burschen waren immer darauf aus, die Mädchen zu erschrecken oder sie anders dazu zu verleiten, dass sie sprechen mussten", erzählte Libert.

Heute ist das Osterwasserholen unter anderem noch im Spreewald verbreitet. Hinter der Tradition stecke die Verehrung von Naturgottheiten, sagte der 62-Jährige. "Es sollte Schönheit verheißen, sich mit diesem Wasser zu waschen. Außerdem wurde es als Heilmittel genutzt, zum Beispiel für Tiere oder bei Hautunreinheiten." Genau aus diesem Grunde gebe es aber nicht mehr so viele Osterwasser-Mädchen: "Es hat ja viel mit Aberglauben zu tun und jetzt greift man dann eher zu Pharmazeutika oder geht zum Tierarzt."

Noch seltener ist laut Libert inzwischen der Brauch des Osterstüpens geworden. Kinder oder junge Männer gingen am Morgen des Ostersonntags durch den Ort und hatten Zweige von Birken oder Weiden dabei. Wer da noch im Bett lag, bekam kleine Schläge mit den Ruten. "Es war nicht irgendwie böse gemeint, sondern es stand ein Zauber dahinter, der Gesundheit und Wohlergehen bringen sollte", erklärte der Volkskundler. Vereinzelt gebe es diese Tradition noch in Familien - aber kaum jemand ziehe noch wie früher durch den Ort.

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