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Selbst am Ostermontag ist der Alt Rosenthaler Folklore-Chor nicht zu bremsen und in der Region gefragt

Kariolle bringt aus der Ferne Lieder

Selten sitzend: Die meisten Lieder schmettert Kariolle auch zu den Proben stehend.
Selten sitzend: Die meisten Lieder schmettert Kariolle auch zu den Proben stehend. © Foto: Johann Müller
Marco Marschall / 02.04.2013, 07:05 Uhr
Alt Rosenthal (MOZ) Während andere Chöre Schwierigkeiten haben, Mitglieder zu gewinnen, kann der 2011 gegründete Folklore-Chor Kariolle kaum mehr welche aufnehmen. Spätestens nach dem Auftritt im Kreiskulturhaus kann sich die Gruppe vor Konzertanfragen nicht mehr retten.

Ein bisschen scheint es, als hätten sie in Alt Rosenthal nur darauf gewartet, das Judith Leopold mit ihrer einachsigen Kutsche ins Dorf einfährt und ihre Lieder verbreitet. Natürlich kam sie nicht mit dem Pferdewagen, aber genau dieses Bild zeichnet der Name ihres Chores. Für "Kariolle" gibt es in vielen Sprachen eine Entsprechung. Das französische "la cariole" wird mit "Karren" übersetzt. "Mit Doppel-L spricht es sich einfach noch besser", sagt Judith Leopold. "Kariolle bringt aus der Ferne Lieder", heißt es in einer Liedzeile, welche die zugezogene Alt Rosenthalerin selbst gedichtet hat: Ein klappriger Karren, der in den Ort einfährt und dessen Insassen die Bewohner mit Tanz und Musik verzaubern. Auch auf dem Logo des Chors ist so ein einachsiger Kutschwagen mit einem Spielmann darauf abgebildet.

In Alt Rosenthal, der neuen Heimat von Judith Leopold, hat die Idee eines Folkore-Chors schnell gezündet. Nun muss sich das zierliche Energiebündel mit dem Akkordeon vor der Brust gegen 25 Kehlen durchsetzen, die bei der Probe auch mal durcheinander tuscheln. Dabei war die Wahl, mit der Familie nach Alt Rosenthal zu ziehen, für die Chorleiterin selbst eine Art Therapie. Nach schwerer Krankheit hatte sie nach einem Häuschen im Grünen gesucht. "Dabei hatte sich mein Mann einfach im Internet verklickt", sagt sie. Zuvor arbeitete Leopold in Berlin als Lehrerin und leitete dort schon einmal einen Lehrer-Chor. Heute arbeitet sie in der Schule am Wald im Nachbardorf Worin.

Zur ersten Probe in der alten Bibliothek ihres neuen Heimatdorfes im November 2011 seien acht Menschen gekommen, erzählt sie. Durch Mundpropaganda wurden es schnell mehr, die sich von der Musik in den Bann ziehen ließen. Bis in die anderen Dörfer der Gemeinde strahlte der Chor aus. Aus Worin und Neuentempel kommen die Frauen und Männer jeden Montag, um ihre Stücke zu Proben. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Selbst am Ostermontag waren sie nicht davon abzuhalten.

Schließlich stehen die nächsten Auftritte bereits ins Haus. Im Sommer fährt Kariolle in Buckow ein, der nächste Auftritt findet im Mai in Reitwein statt. Nach dem Konzert zum Neujahrsempfang im Kreiskulturhaus können sie sich vor Anfragen kaum mehr retten. "Wir könnten jeden Monat auftreten", sagt Judith Leopold. Sie wählt die Stücke aus und bearbeitet sie nach Belieben. Nur wenige Lieder dürften vom Publikum verstanden werden, denn die Gruppe singt ungarisch, rumänisch, polnisch, russisch, schwedisch, norwegisch, englisch und finnisch.

Auch ihre Ansagen wollen sie künftig häufiger in der jeweiligen Sprache einüben. Die Sprache ihrer Musik ist universell. Mit Akkordeon und Tamburin, teilweise mit Violine und Cello, wirken die Lieder schlicht und trotzdem so energiegeladen, dass sie mitreißen.

Was auf der Bühne so einfach aussieht, erfordert viel Präzision in den Proben und bei der Ausarbeitung der Arrangements. Immer wieder lässt Judith Leopold Passagen wiederholen. "Kariolle Kukulalle" schmettern die Männerstimmen in den Gesang der Damenriege. Was sie singen, weiß der Laie nicht, möchte aber spontan die Bierhumpen dabei zusammenstoßen. Für Judith Leopold noch etwas zu poltrig. "Plautzt die Töne nicht so heraus. Probiert sanft und kraftvoll zu singen. Beseelt", sagt sie. "Es muss strahlen, aber darf nicht knallen", fügt sie hinzu. So wächst das Repertoire stetig. In jeder Probe wird ein neues Lied auf den einachsigen Wagen geladen.

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